Lüsslingen-Nennigkofen
Kindertagesstätte und Mittagstisch: Kommt neues Leben ins Bürgerhaus?

Jetzt haben sich initiative, junge Leute gemeldet, die im Bürgerhaus eine Kindertagesstätte (Kita) einrichten wollen. Diese soll an Werktagen von 6.30 bis 19 Uhr offen sein und zusätzlich Mittagstisch und möglicherweise Übernachtungsmöglichkeit für Kinder anbieten.

Gundi Klemm
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Bürgerhaus Lüsslingen-Nennigkofen, ehemalige Arztpraxis von Josef Ryser

Bürgerhaus Lüsslingen-Nennigkofen, ehemalige Arztpraxis von Josef Ryser

Hanspeter Bärtschi

Schon seit längerer Zeit bemüht sich die Gemeinde erfolglos, nach dem Auszug der Arztpraxis Nachfolgemieter für ihr historisches Bürgerhaus im Ortsteil Nennigkofen zu finden. Jetzt haben sich initiative, junge Leute gemeldet, die hier eine Kindertagesstätte (Kita) einrichten wollen. Diese soll an Werktagen von 6.30 bis 19 Uhr offen sein und zusätzlich Mittagstisch und möglicherweise Übernachtungsmöglichkeit für Kinder anbieten.

In Vorgesprächen zeigte sich, dass die Planung professionell vorangetrieben wird. Mit ihrer Projekt-Präsentation im Rat bewies Nicole Progin (Langendorf) Sachkenntnis in betriebswirtschaftlichen Fragen. Progin ist künftigem Vorstandsmitglied im noch zu gründenden Trägerverein für die Kita «Zaubertruckli», selber Mutter von drei Kindern und in der Personalführung eines Unternehmens tätig. Die Leitung der KITA wird Lea Walker übernehmen. Sie wohnt im Dorf und ist beruflich für diese Aufgabe qualifiziert.
Bedarf abgeklärt

Die unlängst im Ort und in der Nachbarschaft durchgeführte Bedarfsabklärung habe deutliches Interesse an dieser Betreuungsform ergeben, weil damit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht wird. Damit der Kita-Betrieb am 1. April 2018 gestartet werden kann, bedarf es aber der Anschubhilfe, wie Gemeindepräsident Herbert Schluep ausführte. Mehrheitlich sprach sich der Rat dafür aus, einen Startkredit – diskutiert wurden 80'000 Franken – als zinsloses, rückzahlbares Darlehen für die einkommensschwache erste Zeit zu gewähren sowie Miet- und Nebenkosten für den benutzten Teil des Bürgerhauses in den ersten drei Monaten zu erlassen und erst danach gestaffelt anzuheben. Der Businessplan rechnet bei einer Auslastung, die realistisch erscheint, nach dem zweiten Betriebsjahr mit einer ausgeglichenen Rechnung.

Der Gemeinderat, der sich auf das Leitbild der Gemeinde in sozialen Fragen stützt, hofft auf das Einverständnis der Gemeindeversammlung, damit diese ihn mit den nötigen Kompetenzen für alle Vertragsabschlüsse mit der Gründungsgruppe «Zaubertruckli» ausstattet. «Wieder Leben im verwaisten Bürgerhaus wäre schön», lautete ein Ratsvotum. Nötige Umbauten und Anpassungen, die sicherheitstechnisch vorgeschrieben sind, schlagen mit geschätzt 100'000 Franken zu Buche.

Steuerfuss reduziert

Finanzverwalterin Beatrice Marti unternahm mit den Ratsmitgliedern einen «Schnelldurchgang» als zweite Lesung des Budgets. Gerechnet ist es auf der Basis von neu 115 Steuerprozenten. Dazu der Gemeindepräsident: «Nach zwei guten Abschlüssen in den Vorjahren wollen wir unsere Bevölkerung und juristischen Personen teilhaben lassen.» Trotz Reduktion um 5 Prozentpunkte sollen die Steuererträge mit 3,84 Mio. Franken etwa gleich hoch wie in der Periode 2017 mit 120 Steuerprozenten sein. Dazu zählt auch der Finanzausgleich im Betrag von 162'500 Franken.

Die gesamte Erfolgsrechnung umfasst inklusive Abschreibungen einen Aufwand von 5,58 Mio. Franken. Das führt bei einem Ertrag von 5,47 Mio. Franken zu einem Minus von 111'520 Franken. «Bekanntlich fällt der tatsächliche Jahreshaushalt zumeist dann günstiger aus», bekräftigte Herbert Schluep.

Im Vorausblick auf dessen bald vorgesehenen Rücktritt hatte eine Arbeitsgruppe, gemäss Antrag von Gemeinderätin Brigitte Rohrbach, im Rahmen der Revision der Dienst- und Gehaltsordnung (DGO) eine leichte Anhebung der Jahresentschädigungen für Chargierte erzielt. Auch dazu kann sich die Gemeindeversammlung äussern. Dies führt gegenüber 2017 zu Mehrausgaben von rund 10'000 Franken auf 71'650 Franken im Bereich Exekutive. Die genau spezifizierten Netto-Investitionen belaufen sich auf 876'000 Franken. Die Spezialfinanzierungen zeigen zwar alle ein negatives Ergebnis, sind aber dank Kapitalpolster so gut unterwegs, dass keine Gebührenerhöhung droht.

1,8 Millionen für Hallensanierung

Alle Angaben zur Sanierung der Mehrzweckhalle, die für 2018 mit 297'000 Franken für eine neue Heizanlage budgetwirksam wird, sind der detaillierten Einladung zur Gemeindeversammlung zu entnehmen. Insgesamt wird die Hallenerneuerung, wie dem Zustandsbericht des Architekturbüros Willy Steiner zu entnehmen ist, mit 1.8 Mio. Franken als für drei Jahre gültiger Verpflichtungskredit ins Budget aufgenommen. Die Bausubstanz sei zwar gut, hiess es im Rat, doch Gebäudehülle und vor allem die Haustechnik bedürfen der zeitgemässen Erneuerung.

Der Gemeinderat hat

- sich von Gemeinderat Tobias Bucher zur Zukunft der gemeindeeigenen ARA informieren lassen. Eine Studie hat ergeben, dass die Anschlusskosten an die ZASE oder an die ARA Bellach gleich hoch sind. Allerdings müsste ein Verbindungsrohr durch die Aare nach Bellach erst noch bewilligt werden;

- erfahren, dass ein seismisches Gutachten die Risse in den Gebäuden nördlich von «Fröschern» aufklären soll. Konkret gilt laut Bucher in diesem Schaden: «Wir sind auf der Seite der Anwohner»;

- neue Vereinbarungen mit den zum Winterdienst beauftragten Patrick Schluep, Markus Furrer und Kurt Schluep getroffen und sich für eine Verdichtung auf 2 Wochen im Grüngut-Sammeltakt ab September 2018 ausgesprochen. (gku)