Bolken
Kinderreiche Gemeinden haben das Nachsehen: «Wir bekommen 66'000 Franken weniger»

Der Finanzausgleich spült wesentlich weniger Geld in die Kasse als erhofft. Dies liege vor allem daran, dass weder die Bildungskosten noch die Verschuldung einer Gemeinde berücksichtigt werden.

Marlene Sedlacek
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Das «kinderreiche» Bolken will mehr Geld aus dem Finanzausgleich.

Das «kinderreiche» Bolken will mehr Geld aus dem Finanzausgleich.

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Das Budget 2018 schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 299'000 Franken ab. «Die Beiträge aus dem Finanzausgleich sind ein grosser Dämpfer», beklagte sich der Finanzverantwortliche Thomas Beer. «Wir bekommen 66'000 Franken weniger als letztes Jahr.» Das Problem seien die neuen Grundlagen für die Berechnung. Weder die Bildungskosten noch die Verschuldung einer Gemeinde würden dabei berücksichtigt. Junge Gemeinden mit vielen Kindern, wie Bolken eine ist, hätten dabei das Nachsehen, kritisierte er. Beer hofft, dass der Kanton die Kriterien anpasst. Auch die Ausgaben für die soziale Sicherheit schmerzen. Sie fressen einen Drittel der Steuereinnahmen weg.

Die Investitionsrechnung weist 340'700 Franken Nettoinvestitionen auf. 38'000 Franken sind vorgesehen für die Überprüfung der Fenster im Schulhaus und im Mehrzweckgebäude. 140'000 Franken werden in den Ausbau des Glasfasernetzes investiert. Noch nicht gegessen sind die Ausgaben für die Sanierung der Aeschistrasse. Der Kanton hatte ursprünglich einen viel tieferen Kostenvoranschlag gemacht. Nun muss die Gemeinde auf einmal 75'000 Franken mehr bezahlen. Der Gemeinderat wird damit beim Regierungsrat vorstellig werden. Die Investitionen führen zu einer Neuverschuldung. Pro Einwohner beträgt die Nettoschuld nun 253 Franken.

Hoher Steuerfuss gibt zu reden

Obwohl das Budget inklusive Steuerfuss von den 17 anwesenden Stimmberechtigten mit einer Enthaltung genehmigt wurde, kam es anschliessend zu einer Diskussion über den Steuersatz. Seit Jahren betrage dieser 135 Prozent, beklagten sich einige Anwesende. Beer betonte, dass ein so hoher Aufwandüberschuss keine Steuersenkung zulasse. Ein Bürger machte darauf aufmerksam, dass die Rechnungen in den letzten Jahren immer wesentlich besser abgeschlossen hätten als budgetiert. So sei das Ergebnis im 2016 um 270'000 Franken über dem Budget gelegen. Er schlug vor, weniger Reserven einzurechnen.

Eine weitere Anregung war, im Zusammenhang mit der vorgesehenen Ortsplanungsrevision zu versuchen, auch für Firmen attraktiv zu werden. Der tiefere Steuersatz für juristische Personen von 105 Prozent nütze nämlich nichts. Die Gemeindepräsidentin Jeannette Baumgartner nahm den Auftrag entgegen, an der Rechnungsgemeinde einen Finanzplan vorzulegen, um Klarheit über die Entwicklung der Finanzen in den nächsten Jahren zu schaffen und damit eine Basis für die Diskussion über eine Steuersenkung zu bieten.

Elektronische Wasserablesung

Da die Wasserzähler in die Jahre gekommen sind, empfahl der Brunnenmeister, auf elektronische Ablesung umzustellen. Der Souverän sprach dafür einen Kredit von 60'000 Franken. Mit der neuen Technologie können die Zähler von ausserhalb der Gebäude abgelesen werden. Die Versammlung beschloss einstimmig, dem Zweckverband Bevölkerungs- und Zivilschutz Aare Süd beizutreten. Der einmalige Initialbeitrag beträgt 868 Franken.