Ihre Produktion in der Dorfhalle Lommiswil beeindruckte. Spielerisch, humorvoll und auf nachdenkliche Art und Weise werden gegenseitige Vorurteile und Missverständnisse durchleuchtet. Unter den Anweisungen der Regisseurin Iris Minder entstanden die meisten Szenen – in Anlehnung an das Motto «Fusswege und Lebensspuren» – mittels Improvisation.

«Wir können nicht wissen, wie es ist, alt zu sein, und die Älteren wissen nicht, wie es ist, heute jung zu sein», bringt es zu Beginn ein Knabe auf den Punkt. Verschiedenste Schuhpaare auf der Bühne veranschaulichen, dass es nicht immer einfach ist, in die Schuhe anderer zu schlüpfen. Mit dem Schuhtausch ergründen die Spielenden die Perspektiven, Sorgen und Träume der vermeintlichen Besitzer. Etwa des Fussballprofis, der keine Freizeit mehr hat, des berühmten Stars, den die Paparazzi nerven, oder des von Liebe und Wärme umgebenen Babys.

Langsam und vergesslich

In kleinen Szenen schlachten die Kinder und Senioren gängige Vorurteile aus. Dies mit viel Spielfreude und Selbstsicherheit. Die Buben und Mädchen nehmen im Shoppingcenter, vis-à-vis dem Altersheim, die Vergesslichkeit auf die Schippe. Sie ärgern sich über die langsamen Senioren auf dem Fussgängerstreifen. Tiefgründig erweist sich die Szene mit dem makellosen, roten Herzen der Kinder. Die Seniorin dagegen deutet ihr zerlöchertes Herz mit: «Ich habe allen, die ich Liebe, ein Stück von meinem Herzen gegeben.» Die drei älteren Damen selber nörgeln beim Kaffeetratsch über die windigen Händetrockner, über den Durchzug, das vergessliche Servierfräulein und den Harndrang, machen aber mit «jetzt längts» eine Kehrtwende.

Abschied von Iris Minder

Kriminelle Ideen verfolgen die Kinder beim «Mord im Altersheim». Trostlose Zustände bringen einen «alten Mann» auf die Idee, seine Mitbewohner umzubringen. Ein eigenes Zimmer im Gefängnis erscheint ihm vorteilhafter. In einem Rap überhäufen sich die zehn Beteiligten mit Vorwürfen. Ihr Fazit: «Einander besser kennen zu lernen oder eben in die Schuhe des andern zu schlüpfen». Feststimmung verbreitet sich für alle auf «Hie tüets mer weh, da tüets mer weh» von «z’Hansrüedi».

Die 60 Anwesenden zollten der illustren Gruppe grossen Applaus. Stephan Schader bedankte sich im Namen der Eltern bei Iris Minder dafür, dass sie vor acht Jahren in die «tiefe Provinz» kam. Sie habe den Kindern beigebracht hinzustehen. Für die Theatertherapeutin endet nämlich mit diesem Projekt die Arbeit in Lommiswil. «Mit Kindern zu improvisieren, macht mir sehr viel Freude. Von ihnen kommt viel», sagte sie sichtlich gerührt. Ihre Nachfolge übernimmt Theaterpädagogin Susanne Zimmermann aus Subingen.