Küttigkofen

Keine Kartoffeln mehr für Grossverteiler: Biobauern wollen Nachhaltigkeit ohne Kompromisse

Nachdem sie vor zwei Jahren 23 Tonnen essbare Kartoffeln zurücknehmen mussten, wollen Matthias und Claudia Zimmermann vom Biohof Küttigkofen ihre Produkte nicht mehr über die Regale der Grossverteiler verkaufen.

Vor zwei Jahren hatten die Biobauern Matthias und Claudia Zimmermann genug. Im Herbst 2017 mussten sie die gesamte Ernte einer Kartoffelsorte, die eigentlich in den Grossverteilern hätte verkauft werden sollen, wegen Mängeln wieder zurücknehmen.

Der Anbauvertrag mit der Agrargenossenschaft Fenaco sah vor, dass weniger als 20 Prozent der Kartoffeln einen Makel haben dürfen. Wegen Drahtwurm-Befall war jedoch nur rund die Hälfte der Kartoffeln nutzbar, der Sortieraufwand für den Abnehmer zu gross. Die Zimmermanns sassen danach auf 23 Tonnen essbaren Kartoffeln.

«In der Natur gibt es nicht nur perfekte Kartoffeln»

Nach diesem Vorfall entschied sich das Paar für einen Richtungswechsel. Dieses Jahr bauten sie nur noch so viele Kartoffeln an, wie sie in ihrem eigenen Hofladen in Küttigkofen verkaufen können. Fünf Tonnen, früher waren es 50. Das hat einige Vorteile. Der Aufwand und das Risiko sind insgesamt kleiner und die gesamte Wertschöpfung bleibt auf dem Hof, da kein Zwischenhandel mehr stattfindet. Ebenso können sie so einen viel grösseren Teil der geernteten Kartoffeln auch verkaufen, auch die, die keine perfekte Form oder kleinere Mängel haben. «Das stört unsere Kunden nicht», so Claudia Zimmermann. Für sie ist es unverständlich, dass es bei Grossverteilern immer noch lediglich die schönen Kartoffeln mit der idealen Grösse und Form zu kaufen gibt. Sie will die Leute dafür sensibilisieren, dass die Natur so nicht funktioniert.

Schon bei der ersten Kartoffelernte, die sie mitgemacht habe, sei ihr aufgefallen, wie viele essbare Kartoffeln schon auf dem Feld aussortiert wurden, erzählt Claudia Zimmermann. Dies sei bis heute ganz normal, auch in Zeiten, in denen Lebensmittelverschwendung ein anerkanntes Problem sei. Heute wollen sie und ihr Mann sich nicht mehr hinter diesen Umgang mit Lebensmitteln stellen und künftig möglichst viel produzieren, was sie auch selbst verkaufen können. Neben dem Hofladen beliefern sie lediglich einige wenige Institutionen und Restaurants. «Wir wollen, dass die Leute hierherkommen und sehen, wie wir unsere Tiere halten und woher die Ware kommt.» Ein Gegenpol zum anonymen Einkauf, bei dem man sich nicht mit der Herkunft der gekauften Produkte auseinandersetzen müsse.

Der Verzicht darauf, künftig an den Grosshandel zu liefern, ist nur möglich, weil die Zimmermanns auf ihrem Hof sehr breit aufgestellt sind. Neben Früchten und Gemüse bauen sie auch Getreide und Linsen an, produzieren eigenes Mehl und Fleisch vom Weiderind und Freilandschwein. «So können wir einen natürlichen Kreislauf aufrechterhalten», erklärt Matthias Zimmermann.

Die ganze Arbeit, die mit der nachhaltigen Produktion einhergeht, lastet derweil auf Claudia und Matthias Zimmermann. Ohne Unterstützung von freiwilligen Helferinnen und Helfern, wie vergangenen Freitag beim Kartoffeln-Sortieren oder bei der Apfelernte, würde es jedoch nicht funktionieren.

«Bei steigender Grösse leidet die Qualität»

Die Zimmermanns setzen zwar immer wieder neue Ideen in die Tat um, wie zum Beispiel den Hofladen und ein Café zum Verweilen. Ansonsten ist Expansion jedoch kein Thema, die beiden sind zufrieden damit, wie es ist. «Wir glauben, dass bei steigender Grösse schnell die Qualität leidet.»

Auch die diesjährige Kartoffelernte war für die beiden zufriedenstellend, es habe bei weitem weniger Schädlinge gehabt als noch vor zwei Jahren. «Dass es Schädlinge gibt, kann in der Bio-Landwirtschaft aber vorkommen und gehört dazu», so Matthias Zimmermann.

Ein erster Teil der diesjährigen Ernte ist nun sortiert und wandert nach und nach in den Hofladen. Dort soll sie an die Kunden gelangen, denen es nichts ausmacht, auch die knorrigen Kartoffeln zu rüsten und die unschönen Stellen wegzuschneiden.

Autor

Alice Guldimann

Alice Guldimann

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