Von Weihnachten bis Mitte Februar sass der Subinger Pfarrer A. W. wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz in Untersuchungshaft. Am Mittwoch nun hat der Kirchgemeinderat der Reformierten Kirchgemeinde Wasseramt die Zukunft des Pfarrers entschieden. Der Kirchgemeinderat will das Arbeitsverhältnis, wenn möglich, im gegenseitigen Einvernehmen auflösen.

Die Chancen dazu stehen laut Kirchgemeindepräsident Thomas Kopp gut. «Mir sagte der Pfarrer, aus seiner Sicht sei das in Ordnung. Wenn sich das nicht bewahrheiten sollte, droht ein juristisches Hickhack, und das will wohl niemand», erklärt Kopp. Die Beamtenregelung verhindere eine einseitige Kündigung. «Wir bieten ihm dafür Hand in Sachen Neuorientierung.» Mit wir sind die lokale Kirchgemeinde und die Reformierte Landeskirche Bern gemeint. Konkret sei die Dauer des Anstellungsvertrags ein Thema, das noch ausgehandelt werden müsse. Hier kann die Anstellungsbehörde, der Kirchgemeinderat, Hand bieten. Die Landeskirche wiederum könne bei der Suche nach einer neuen Anstellung helfen, so Kopp.

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Mitte Mai: Bedingte Freiheitsstrafe für Subinger Pfarrer gefordert.

Kein Berufsverbot

Mit einer Neuorientierung sei aber nicht die Empfehlung an A. W. verbunden, den Pfarrberuf an den Nagel zu hängen. «Wir stehen in engem Kontakt mit der Landeskirche, die ja die Pfarrer beauftragt. Sie hat kein Berufsverbot ausgesprochen. Der Pfarrberuf ist nach wie vor ein Thema, aber in einem anderen Gebiet.»

Thomas Kopp stellt in Abrede, dass eine Neuorientierung im Pfarrberuf chancenlos ist. «Da wurden andernorts auch schon Personen angestellt, die mit dem Gesetz in Konflikt kamen.» In der Kirche stehe der Mensch im Vordergrund. «Wenn der Mensch den Willen zeigt, einen Schritt zu machen, ist es in der Kirche möglich, vielleicht im Gegensatz zur Wirtschaft, dass man eine zweite Chance erhält.»

Die lange Dauer bis zum Entscheid begründete der Kirchgemeinderat in seiner Mitteilung damit, dass die Fakten, sprich die Anklagepunkte, erst jetzt vorliegen. «Wir wollten aufgrund von Fakten und offiziellen Stellungnahmen entscheiden», so Thomas Kopp. Der Kirchgemeinderat bedauert es, diesen Schritt machen zu müssen. Er sieht es aber als unwahrscheinlich an, dass A. W., unter den gegebenen Voraussetzungen, seine Aufgaben als Pfarrer im Kreis Subingen-Aeschi weiterhin glaubwürdig und erfolgreich ausüben kann.

«Nichts Strafbares getan»

«Ich habe eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses als Möglichkeit in Betracht gezogen.» A. W., der frühere Pfarrer des Kirchkreises Subingen-Aeschi, nimmt das Verdikt des Kirchgemeinderates relativ gefasst zu Kenntnis. «Ein wenig Hoffnung hatte ich nach wie vor, dass ich hier weiterarbeiten könnte.» Nun wolle er mit der Kirchgemeinde noch genau klären, wie die Trennung abgewickelt werden soll. Wie es mit ihm weitergeht, weiss er im Moment noch nicht. Seine kurzfristige Zukunft sieht er nach wie vor im Pfarrerberuf. «Ich werde mich nun in anderen Gemeinden als Pfarrer bewerben.» Wenn sich nach einiger Zeit kein Erfolg einstellen sollte, müsse er sich wahrscheinlich beruflich umstellen.

Wie weit die absehbare Strafe von zwei Jahren bedingt gerechtfertigt sei, dazu wolle er sich auf Anraten seines Anwaltes nicht äussern. Noch ist die Strafe nicht definitiv, noch steht die Gerichtsverhandlung aus, an der der Deal zwischen Staatsanwaltschaft und A. W. in einem abgekürzten Verfahren gutgeheissen werden soll. «Rein subjektiv habe ich nichts Strafbares getan», erklärt er dennoch. Es sei ihm aber in der Zwischenzeit klar geworden, dass im Drogenbereich schon kleine Mengen bedeutende strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können.

«Sie meldete sich immer wieder»

Die Frau, die ihn beauftragte Personen auf dem Flughafen abzuholen oder Geldsummen zu überweisen, habe er schon lange gekannt, bevor es zu den strafbaren Handlungen gekommen sei. «Ich habe ihr bei Schwierigkeiten im Zusammenhang mit ihrem Umfeld und ihrer Familie geholfen.» Er betont aber, dass meistens sie sich bei ihm telefonisch gemeldet habe, um mit ihm zu reden, oder weil sie Hilfe gesucht habe.

W. hat zwei Punkte im Zusammenhang mit Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz anerkannt. So hat er beim Transport von Betäubungsmitteln mitgewirkt, obwohl er annehmen musste, dass die Drogen die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen konnten. Und zweitens hat er Vermögenswerte nicht gemeldet, obwohl er zumindest annehmen musste, dass diese aus Verbrechen herrührten.