Gerlafingen
Kein Pomp, aber eine Uraufführung

Das Jubiläumskonzert der Harmonie Gerlafingen in der Thomaskirche zum 125. Geburtstag begeisterte.

Hans Blaser
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Zum Jubiläum 125 Jahre Harmonie Gerlafingen musizierte der Musikverein in der Thomaskirche.

Zum Jubiläum 125 Jahre Harmonie Gerlafingen musizierte der Musikverein in der Thomaskirche.

Hans Blaser

Nicht mit einem Festanlass feierte der Musikverein Harmonie Gerlafingen sein 125-Jahr-Jubiläum, sondern bescheiden im Rahmen ihres üblichen Kirchenkonzertes. Dazu schenkte er jedoch viel und bezaubernde Musik, allen Besuchern ein «Cüpli» und sich selber anschliessend ein gemeinsames Nachtessen.

Gleich alt wie der Eiffelturm

Eröffnet hat die Harmonie ihr Konzert bestens passend mit «Einzug der Gäste» aus «Tannhäuser». Richard Wagners Musik wurde durch das Arrangement von Cornelius Mellema perfekt umgesetzt und wirkte auch ohne die Hilfe von Fagott und Kontrabass warm und kraftvoll. Kraftvoller Tuba-Boden war auch bei «Finlandia» von Nöten. Für das Arrangement zu diesem gewaltigen Opus 26 von Jean Sibelius war José Schyns besorgt.

Ein weiteres tolles Arrangement steuerte Marcel Peters bei. Er bediente sich bei Filmmusik zu Chaplin und vor allem bei Charles Chaplin selber. Damit verschaffte sich die Harmonie eine Gelegenheit, ihre ausgezeichneten Holzregister ins Rampenlicht zu rücken.

Da durfte endlich mal die Es-Klarinette auftrumpfen (Marianne Scartazzini). Auch die Oboe durfte sich bemerkbar machen. Die Flöten konnten sich gar richtiggehend austoben und mit den Mallets duellieren. Weil Charlie Chaplin auch 125 Jahre alt geworden wäre, fand er den Weg ins Programm.

Weil für den Eiffelturm dasselbe gilt, fand auch George Gershwin Unterschlupf. Sein «An American in Paris» hatte der Japaner Naohiro Iwai für die Harmonie aufbereitet. Heitere Klänge vermittelte der kaum noch bekannte Richard Eilenberg. Sehr bekannt ist jedoch sein Opus 57 «Petersburger Schlittenfahrt», das dezent winterliche Feierlaune verbreitete.

Uraufführung von «Perceval»

Überschwänglich wurde man bei der Harmonie auch bei den beiden Gratulationsreden nicht. Zunächst brachte der Präsident des Solothurner Blasmusikverbandes, Ueli Nussbaumer, die Grüsse seines Verbandes. Ihm folgte der Gemeindepräsident Peter Jordi.

Ein Geschenk hat sich die Harmonie selber gemacht. Sie leistete sich eine Auftragskomposition. So kamen sie und natürlich auch die Jubiläumsgäste in den Genuss einer Uraufführung. Mit dem Auftrag an Mario Bürki durfte sie schon von vornherein ein gefälliges Musikwerk erwarten. Als das entpuppte sich dieses «Perceval» denn auch. Wie von kaum einem anderen Komponisten sind die Bilder, welche er bei der Arbeit im Kopf haben musste, aus der Musik direkt abzulesen.

Es sind romantische Bilder, wenn der Ruf einer Flöte vom Altsaxofon aufgenommen und an die Oboe weitergereicht wird, bevor sie im Tutti aufgeht. Oder wenn die Soloklarinette ihr Motiv der Bassklarinette übergibt, die es auf das kleine Blech überträgt, wo es schliesslich zum Tutti wird. Es sind aber auch festliche Hofklänge zu erahnen. Fast für sich allein hatte die Harmonie bisher schon den «Gerlafinger Marsch» von Paul Affolter, der im Programm natürlich auch nicht fehlen durfte.

Ein Solo gehört ebenfalls ins Jubiläumskonzert, sagte sich die Harmonie. Sie verfügt ja über eine ganze Anzahl potenzieller Solistinnen und Solisten. Auf die junge, aber Wettbewerbserprobte Miriam Grossenbacher fiel schliesslich die Wahl. Mit ihrem wunderschön getragenen Ton zelebrierte sie auf dem B-Cornet «The last Rose of Summer». Das reiche Programm wurde mit der «Champagne Polka» von Johann Strauss als Zugabe abgerundet. Das mitgesungenen «Stille Nacht» begleitete die Gäste wie gewünscht still ins nächtliche Dunkel.