Vor zwei Jahren brannte mitten in Zuchwil der Dachstock das «Queen Victoria Pub». Die zwei oberen Etagen des 1899 gebauten Hauses an der Hauptstrasse beherbergten ein Bordell («King’s Club»). Beim Brand entstand ein Sachschaden von mehreren 100 000 Franken. Ein 61-jähriger Klubbesucher musste wegen einer Rauchvergiftung ins Spital gebracht werden.

Heute Freitag wird das Haus, neu als «Villa Linde» nach einer Totalsanierung wieder eröffnet. Der Name «Villa Linde» sei in Anlehnung an den Namen des früheren Restaurants gewählt worden, berichtet der Mitbesitzer Robert Pietsch. Das Haus, wie es sich aktuell nach der Renovation präsentiert, entspricht den Vorgaben der Gemeinde. «Ich war selber an einer Begehung mit dabei. Das Haus hat den Jugendstilcharakter bewahrt. Die Auflagen der Kantonalen Denkmalpflege wurden grundsätzlich eingehalten», erklärt Peter Baumann, Abteilungsleiter Bau und Planung in Zuchwil.

Geschäftsführer und Mitbesitzer ist Robert Pietsch. Er hat mit seiner Frau Irina die Aktien der Vari Immobilien AG im März 2013 übernommen. Seither habe er das Haus kontinuierlich aufgebaut. Neben den 19 Gästezimmern in den oberen Stockwerken betreibe er im Parterre eine Bar mit Lounge und im Keller eine Lounge, die auch für Anlässe gemietet werden könne. Ein Restaurant könne er aus wirtschaftlichen Gründen nicht betreiben. Freigeben will er von den 19 nur 10 Zimmer, weil er bereits viele Anfragen von Institutionen erhalten habe, die Zimmer für Dauermieter suchen würden.

Diverse Änderungen

Auf der baurechtlichen Ebene spricht Peter Baumann von einem schwierigen Prozess, der noch nicht am Ende angelangt sei. Bereichsleiter Hochbau, Romano Del Frate, sagt aber: «Das verläuft im normalen Rahmen.» So habe er weitere Pläne zum geplanten Fumoir im Keller oder zur Einfriedung einfordern müssen. «Hier sind teilweise kantonale Stellen involviert, die den Segen zu diversen bauliche Änderungen abgeben müssen.»

Brisant sind diese Fragen, weil der frühere Betrieb «Queen Victoria Pub» mit dem «King’s Club» in den oberen Stockwerken ein Animierbetrieb im Rotlicht-Milieu war. Zum neuen Betrieb sagt Baumann vorsichtig: «In der Kernzone ist der geplante Betrieb erlaubt. Aber wir müssen natürlich schauen, was eingegeben wurde und was effektiv passiert.» Die Bauverwaltung hat eine Stellungnahme zum Betrieb eingefordert. Darin versichere der Betreiber der «Villa Linde», dass er kein Bordell führen wird.

Nur für Erwachsene

Laut Eigenbeschreibung auf verschiedenen Internetportalen ist die «Villa Linde» eine «Unterkunft nur für Erwachsene». Das sei natürlich schon seltsam, sagt Romano Del Frate. Seltsam mag den Zuchwiler Behörden vielleicht auch folgende Passage erscheinen: «Neben einer coolen Lounge, einer heissen Bar und einer Vielzahl von Schönheiten im Club bietet die Villa Linde auch einen Gästezimmerservice.» Robert Pietsch wehrt sich aber vehement gegen eine Zuordnung seines Betriebes zum Rotlicht-Milieu. «Wir betreiben ein Gästehaus.»

In der englischen Version der Internetseite von «Villa Linde» geht es eindeutiger zur Sache: «Die angebotenen Getränke sind ebenso heiss und exotisch wie Mia Khalifa und Sunny Leone.» Die Namen sind nicht etwa missratene Liedtitel, sondern Namen von Pornosternchen. Er wolle eben etwas mit der Vergangenheit des Hauses spielen, sprich provozieren, so Pietsch. Dass im englischen Text der Internetseite mit den Namen von Pornosternchen geworben wird, macht ihn dann aber doch etwas stutzig. Er habe die neue Internetseite noch nicht freigegeben, ob dies wirklich die richtige Internetseite gewesen sei? Sie ist es. Damit der Schein gewahrt ist, müsste eigentlich nur noch die Werbung auf dem Fahrzeug von Robert Pietsch abgekratzt werden. Dort wirbt er für einen 5-Sterne-Damenbegleitdienst. Auf der Internetseite werben Frauen für ihre Dienste und «Villa Linde» für die heutige Eröffnung.