Kebag-Direktor Markus Juchli darf sich freuen. Der Solothurner Regierungsrat hat beschlossen, die Kehrichtverbrennungsanlage KVA in Zuchwil ab sofort von Abgaben in den Altlastenfonds auf Marktkehricht zu befreien. Betroffen ist der Abfall, den sich die Kebag ausserhalb der Kantone Solothurn und Bern auf dem freien Markt beschafft. Damit kann sich die Zuchwiler Aktiengesellschaft, die primär im Besitz der öffentlichen Hand ist, weiterhin gegen die Konkurrenz behaupten, die ebenfalls auf den Abfall aus Industrie und Gewerbe angewiesen ist.

Der Marktkehricht stammt vor allem von Firmen aus der Schweizer Bauwirtschaft, die für ihren Abfall auf der Suche nach dem günstigsten Angebot sind. Dafür nehmen diese schon einmal weitere Wege in Kauf. «Mit der Akquirierung von Marktkehricht versuchen wir, verloren gegangene Kapazitäten zurückzugewinnen und unsere Auslastung zu erhöhen», sagt Markus Juchli. Die Verbrennungsöfen der Kebag müssen konstant gefüttert werden.

«Machen kein Dumpingangebot»

«Weil wir keine Dumpingangebote machen, können wir uns auf dem Markt nicht mehr behaupten», sagt Juchli. Als Grundpreis für den Marktkehricht nennt die Kebag 125 Franken pro Tonne. Mit der Abgabe von 15 Franken pro Tonne, die der Kanton Solothurn auf sämtlichen Abfällen ausser auf Klärschlamm erhebt, steigt der Preis auf 140 Franken. Der Kanton Bern, zusammen mit Solothurn der einzige Kanton, der eine solche Abgabe kennt, erhebt 5 Franken für die Tonne. Bern belastet den Marktkehricht auch künftig, um seinen Fonds zu alimentieren.

Geld für den Neubau

Gemäss Juchli bewegt sich der Preis für Marktkehricht in der Schweiz zwischen 80 und 120 Franken pro Tonne, wobei er gegen 80 Franken tendiert. Der Preis ist wesentlich tiefer als jener für die zugewiesenen Siedlungsabfälle. So sei die Kebag nicht mehr konkurrenzfähig. «Wir müssen die Preise senken, damit wir an den Kehricht kommen», sagt Juchli. Die Abgabe in den Altlastenfonds stehe dem im Weg, deshalb sei die Befreiung nötig. «Sonst kommen wir nicht an genügend finanzielle Mittel und der Kanton auch nicht.» Das bringe niemandem etwas. 20 bis 25 Prozent ihres Umsatzes erziele die Kebag mit dem Verkauf von Energie. Neben Fernwärme erzeugt das Unternehmen mit einer Dampfturbine auch Strom.

In den letzten drei Jahren wurden in Zuchwil jährlich zwischen 11 000 und 14 000 Tonnen Marktkehricht von ausserhalb der Kantone Solothurn und Bern verbrannt. Die Kebag wird vorerst für fünf Jahre von der Abgabe in den Altlastenfonds befreit. Im Durchschnitt dürfen jährlich maximal 15 000 Tonnen Kehricht darunterfallen. Bisher speiste die Kebag den Fonds mit gegen 2 Millionen Franken jährlich (siehe Text rechts).

«Weil wir langfristige Verträge mit den Anbietern machen, sind wir auf ein konstantes Preisniveau angewiesen», sagt Juchli. Sollte sich die Marktsituation bis in fünf Jahren nicht ändern, stellt der Regierungsrat eine Verlängerung der Abgabebefreiung in Aussicht.

Sackgebühren steigen

Unabhängig vom Wettbewerb unter den KVA müssen die Bewohner von 188 der Kebag angeschlossenen Gemeinden in den Kantonen Solothurn und Bern schon bald tiefer in die Tasche greifen, um ihren Abfall zu entsorgen. Weil die Strompreise anhaltend tief sind, leidet das Betriebsergebnis. Die Gebühren für die Abfallsäcke steigen ab 2016 um 8 Prozent an. Zehn Stück 35-Liter-Säcke zum Beispiel kosten dann 80 Rappen mehr, nämlich 10.70 statt 9.90 Franken.

Eine Bündelmarke für 20 Kilo Kehricht kostet 28.40 statt 26.50 Franken. Diese Preise liegen laut Juchli immer noch unter dem schweizerischen Durchschnitt. Der Kebag-Direktor beobachtet das Umfeld der KVA in der Schweiz genau und sagt voraus: «Wir sind zwar die ersten, die eine Erhöhung der Entsorgungspreise vornehmen, aber wir werden nicht die letzten sein.» Die Gebühren für Abfallsäcke sollen auch andernorts ansteigen.