Nicht erfreut war Peter Portmann, Leiter Projektmanagement Kreis I im kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau, als er von der Baustelle auf der Bahnhofstrasse in Lüterkofen erfuhr. Nach kurzer Rücksprache mit dem zuständigen Kreisbauamt sagt Portmann: «Wir wurden vom Unternehmen nicht über das Bauvorhaben informiert. Es erfolgte keine Absprache.» Als Richtlinie gelte beim Kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau, das zuständig für den Bau und Unterhalt der Kantonsstrassen ist, dass ein neuer Deckbelag in den folgenden fünf Jahren nicht wieder aufgerissen werden darf. «Wir wollen keinen Flickenteppich nach ein, zwei Jahren», verteidigt Portmann diese Richtlinie. Natürlich darf in einem Notfall, beispielsweise einem Rohrbruch, auf der Strasse eingegriffen werden. Aber dies treffe in diesem Fall nicht zu. Der Deckbelag wurde erst in diesem Jahr aufgetragen. Mit der Baustelle verletze die ausführende Firma Arnold AG, ein Tochterunternehmen der BKW, die Richtlinie des Kantons.

Swisscom lässt bauen

Von der Firma Arnold AG erklärt Niederlassungsleiter Michel Petitat: «Wir führen die Arbeiten im Auftrag der Swisscom durch, die auch für deren Bewilligungen zuständig ist.» So wie er informiert sei, habe die Swisscom mit den Behörden Kontakt gehabt und auch entsprechende Informationen erhalten. Die Swisscom wiederum erklärt, dass ein Mehrfamilienhaus angeschlossen werden musste, weshalb eine Leitung gezogen wurde. Man habe wie üblich ein Gesuch Ende Juli an das Kreisbauamt 1 abgeschickt und angefangen zu bauen, obwohl keine Antwort vorhanden war. «Das sei dumm gelaufen», so die Swisscom-Sprecherin, «geschah aber sicher nicht in böser Absicht.»

Das kann teuer werden

Aufgefallen ist das Bauwerk Roger Siegenthaler, Gemeindepräsident von Lüterkofen-Ichertswil. Da er bei der Region Energie Solothurn Berater für öffentliche Kunden ist, liegt die Vermutung nahe, er wolle der Konkurrenz AEK Energie AG, ebenfalls Tochter des Berner Energiekonzerns BKW auf die Füsse treten. Aber Siegenthaler widerspricht vehement. Er ärgere sich als Gemeindepräsident. «Die Kantonsstrasse war in einem schlechten Zustand. Wegen den vielen Flicken gab es viel Lärm. Ein Flüsterbelag sollte wesentlich zum Lärmschutz beitragen.» Die Gemeinde habe vom Kanton die Weisung erhalten, alle Werke einzuladen und allfällige Leitungssanierungen im Voraus abzuklären und vor dem Eintrag des Deckbelages auszuführen. «Dafür hat die Gemeinde eine halbe Million Franken in die Hände genommen.»

Vor zehn Wochen sei der Belag aufgetragen worden. «Jetzt kommt die Swisscom und macht einen Schacht auf, und wir werden schon den ersten Flicken haben, mitten im Siedlungsgebiet». Er sei frustriert. «Der Kanton muss eine Ausbruchsbewilligung geben, aber er wird trotzdem nicht viel unternehmen wegen der Verletzung der Richtlinie» sagt Siegenthaler. «Die Swisscom und der Kanton haben immer wieder miteinander zu tun, da will man sich nicht zu sehr weh tun», ist er überzeugt.

Normalerweise würden die Flicken von Hand ausgeführt. Verstösst aber eine Firma gegen die Richtlinie des Kantons, könne dieser garstig werden, versichert Peter Portmann. «Wir werden das mit dem Unternehmer anschauen.» Er gehe davon aus, dass die Firma den Belag maschinell einbauen muss, damit dieselbe Qualität wie beim erst kürzlich aufgetragenen Belag erzielt wird. Das dürfte wesentlich höhere Kosten verursachen, als der Einbau von Hand.