Die Freude der Familie Antener war gross, als von der Baubehörde von Selzach die Baubewilligung erteilt wurde. «Wir haben schon gejubelt und gedacht, jetzt ist alles vorbei und wir können bauen», berichtet Verena Antener, Bäuerin auf dem Aareinseli. Aber die Freude war verfrüht.

Am letzten Samstag wurde der Familie mitgeteilt, dass nun die Einwohnergemeinde beim Verwaltungsgericht Beschwerde gegen den Bescheid des Kantons eingelegt hat. Der Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung erteilt.

Der Reihe nach: Die Familie Antener plant eine Umstrukturierung ihres Betriebes. Hintergrund ist der Einbezug der Kinder in den Betrieb und die Sicherstellung von deren Zukunft. Führten bisher Verena und Simon Antener den Betrieb, soll es neu die Generationengemeinschaft mit Simon Antener, Tochter Kathrin und Sohn Adrian sein.

Geplant ist ein Ausbau des bereits bestehenden Gastrobetriebes einerseits. Andererseits soll auf Mutterkuhhaltung umgestellt werden und eine Obstplantage die wegfallende Milchwirtschaft ersetzen. Konkret sind folgende Bauvorhaben geplant: Abbruch zweier Futtersilos, Neubau Laufstall, Umbau bestehendes Ökonomiegebäude zu Gastroraum mit Küche, Neubau Obstanlage sowie Neubau Kleinkläranlage.

Das Aareinseli liegt in der Landwirtschaftszone und Uferschutzzone, überlagert mit der Schutzzone Witi und einem Kantonalen Naturreservat. Gegen das Bauvorhaben führten vier Parteien Einsprache, die Gemeinden Selzach, Lüsslingen-Nennigkofen sowie Pro Natura und Vogelschutzverband.

Kanton spricht von Einzelfall

Das Bau- und Justizdepartement (BJD) hat die Einsprachen beurteilt. Die Einsprachen bestreiten im Wesentlichen, dass die Baute einer Obstplantage in einer Schutzzone möglich sei. Zudem störe der Nebenbetrieb (Gastronomie) den Wildtierkorridor von nationaler Bedeutung.

Weiter sei das Einkommen aus der Landwirtschaft künftig kaum grösser als das Einkommen aus dem Nebenbetrieb (Gastronomie), was nicht erlaubt wäre. Und nicht geregelt sei die Erschliessung. Unbestritten sind der Neubau eines Mutterkuhstalles und der Abbruch der bestehenden Futtersilos.

Das BJD schreibt in seiner Verfügung, dass das Aareinseli in seiner Ausprägung einzigartig sei und dort seit Menschengedenken Landwirtschaft betrieben wird, weshalb eine Einzelfallbetrachtung erforderlich sei.

Präjudizielle Wirkung könne ausgeschlossen werden. Zudem stimme man den Einsprechern zu, dass eigentlich zuerst die Nutzungsvorschriften der Schutzzonen überarbeitet werden müssten. Dass dies aber bisher nicht getan wurde, kann nun, so das BJD, nicht der Gesuchstellerin zum Nachteil gereichen.

Einsprachen werden abgewiesen

Diese Einleitung deutet darauf hin, dass das Anliegen Anteners eher wohlwollend beurteilt würde. So kommt es denn auch. Die Einsprachen werden als unbegründet abgewiesen. Zwar sei die Obstanlage zu nahe am Wasser gebaut. Aber das BJD bezweifelt, dass die mit Drähten verbundenen, schlanken Betonpfähle, die den Obstbäumen als Stütze dienen, eine Baute darstellen.

Zumal in einigen Jahren die aufschiessenden Obstbäume das Ranknetz verdrängen würden. Zudem soll die Obstplantage biologisch bewirtschaftet werden und ohne Hagelschutznetze oder Einfriedung auskommen.

Die Gästebewirtschaftung sei grundsätzlich als nichtlandwirtschaftlicher Nebenbetrieb bewilligungsfähig. «Pièce de Résistance» sei die Frage, ob künftig der Nebenbetrieb ertragsmässig nicht das Einkommen aus der Landwirtschaft übersteige. Dies soll deshalb regelmässig kontrolliert werden.

Der Wildtierkorridor sei erst im Entwurf zum revidierten Richtplan enthalten. Darauf trete das BJD nicht ein.

Die Parkierungssituation sei an der Anlegestelle zur Fähre ungeklärt. Ein Parkplatz wäre dort aber nicht machbar. Weil aber nur angemeldete Gruppen bewirtet würden, sei dieser auch nicht nötig, zumal die Gesuchstellerin auf ein bestehendes System mit Parkierungsmöglichkeiten verweist.

Dennoch müssen Anteners vor Inbetriebnahme der Gästebewirtung im bewilligten Rahmen aufzeigen, wie Parkierung und Transport zur Anlegestelle gelöst werden. Bewilligt wird, natürlich mit entsprechendem Auflagenkatalog, auch die geplante Kleinkläranlage.

Alle ziehen weiter

Zur BJD-Verfügung wurde von Pro Natura und dem Vogelschutzverband Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingereicht. Auch Selzach hat eine Beschwerde eingereicht. Dies aber vorsorglich, wie Gemeindepräsidentin Silvia Spycher erklärt.

Selzachs Gemeinderat werde über die Beschwerde am 27. Oktober entscheiden. Lüsslingen-Nennigkofen hat ebenfalls diesen Weg eingeschlagen. Auch hier wird der Gemeinderat dazu entscheiden.