Anfang Jahr hat die Familie Huber ihren Standplatz im Rüttener Wald nach 28 Jahren verlassen müssen. Versprochen wurde der Familie eine Alternative, die der Kanton im Schachen Deitingen auf Gemeindegebiet Flumenthal denn auch anbieten konnte. Nur lehnte die Familie Huber in Einklang mit der Schweizerischen Radgenossenschaft den Platz
ab. Minimale Standards in Bezug auf Lebensqualität seien nicht gewährleistet. Vor allem aber setze der Kanton dort wohnenden Familien dauernden Gesundheitsschädigungen aus (siehe Kasten).

Beim Kanton zuständig für den Standplatz ist Rolf Glünkin, Leiter Grundlagen/Richtplanung. «Wir haben nach wie vor eine Baubewilligung für diesen Platz.» Auch habe er etliche Anfragen für einen Standplatz im Kanton Solothurn. Glünkin räumt aber ein, dass bisher kein Interesse für den Standplatz in Flumenthal vonseiten der Fahrenden angemeldet wurde. «Ich nehme an, dass man sich hier eine gewisse Zurückhaltung untereinander auferlegt hat, weil der Platz umstritten ist.»

Entwaffnend ehrlich räumt er ein, dass der Standplatz in Flumenthal nicht sensationell ist. «Man darf nicht vergessen, dass die Fahrenden selber immer gesagt haben, dass sie keine grossen Ansprüche hätten.»

Suche geht weiter

Er sei weiterhin auf der Suche nach einem neuen Platz. «Eigentlich müssen wir zwei Standplätze mit je 5 bis 10 Plätzen anbieten.» Aber nicht nur im unteren Kantonsteil sucht Glünkin. Auch in der Region will er einen zusätzlichen Platz. «Vielleicht auch als Alternative zu Flumenthal», so Glünkin.

Die Zeit drängt. Der Bund hat bereits 2003 die Kantone angewiesen, Standplätze für die Fahrenden anzubieten. Die Fahrenden machen mobil. «Der Kampf geht weiter», schreibt die Radgenossenschaft in der neusten Ausgabe des vierteljährlich erscheinenden «Scharotl».

Der Kanton Solothurn müsse den Jenischen und Sinti und allen Fahrenden endlich Lebensraum geben und einen Platz schaffen, der nicht von Lärm überflutet, von Elektrosmog durchströmt oder von Abwassergestank durchzogen wird. Solothurn habe noch nicht gelernt, dass «Jenische auch dann Jenische sind, wenn sie nicht mehr auf die Reise gehen», so Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft im Editorial.

Fahrende werden aktiv

Die Radgenossenschaft will weiter für einen Standplatz im Kanton Solothurn kämpfen und erhält von anderer Seite Unterstützung. Ein Eintrag auf der Internetseite der Radgenossenschaft lässt auf Aktionen schliessen. «Wir haben von Fahrenden vernommen, dass sie in Solothurn einen Platz besetzen wollen.»

Ziel der bis anhin letzten Aktion von Fahrenden war Kriens. Am 16. April 2016 fuhr der Verein Bewegung der Schweizer Reisenden, mit über 200 Fahrzeugen inklusive zirka 60 Wohnwagen, von verschiedenen Orten her Richtung Luzern. Der Verein ist eine militantere Organisation als die Radgenossenschaft. «Wir, die Schweizer Reisenden, haben es satt, ständig warten zu müssen, ohne dass etwas passiert», schreiben sie auf ihrer Internetseite.

Zahlreiche Fahrende wie auch sesshafte Jenische beteiligten sich am Konvoi, um ihre Rechte als ethnische anerkannte nationale Minderheit der Schweiz auch im Kanton Luzern einzufordern. Sie stationierten sich auf dem Schlund Areal in Kriens. Zwei Tage später hatten sie einen Termin mit den Behörden. Am 22. April wurde ein geeignetes Grundstück gefunden, das am 27. April bezogen wurde und bis Ende Oktober zur Verfügung stehen wird.

Wiedergutmachung für Schande

Rolf Glünkin kennt die Bewegung, weil er, wie er berichtet, eine Versammlung der Gruppe in Egerkingen besuchte. «Ich war der einzige Kantonsvertreter», weist er auf sein Engagement hin. Mike Gerzner, Präsident des Vereins Bewegung der Schweizer Reisenden, bestätigt, dass eine Kundgebung im Kanton Solothurn in den nächsten Monaten geplant ist. «Jetzt wollen wir zuerst im Kanton St. Gallen aktiv werden.»

Als Grund für die Aktionen der Schweizer Reisenden nennt er die Versäumnisse der Kantone, welche seit 2003 Standplätze bereitstellen sollten. Und: «Die Schweiz hat mit der Zwangssterilisation von Jenischen eine grosse Schandtat begangen.» Das zur Verfügung stellen von Boden, auf dem die Fahrenden leben können, betrachte sein Verein als eine kleine Wiedergutmachung für diese Schande.