Das «Rössli» in Luterbach ist geschlossen. In den sozialen Medien rätseln Luterbacher über die Gründe der Schliessung und verlangen von der Rössli GmbH eine Erklärung.

Das Restaurant ging mit Gemeindeversammlungsbeschluss von Oktober 2016 in den Besitz der Gemeinde über. Mit ins Boot genommen wurde die Bürgergemeinde. Flugs wurde damals eine Rössli GmbH gegründet, welche die Geschicke der Dorfbeiz in die Hände nehmen sollte. Bereits im Januar 2017 konnte die lang ersehnte Wiedereröffnung des «Rössli» gefeiert werden.

Mit der brasilianischen Künstlerin Silvia Bonfane fand man eine Wirtin. Sie habe schon früher Interesse am «Rössli» bekundet, so damals die GmbH-Verantwortlichen. Bonfane führte und führt auch heute noch zusätzlich die Tapas-Bar La Chiquita in einem umgebauten Güterwagen bei der Fussgängerbrücke im Industrieareal Attisholz Nord.

Bald aber rumorte es in Luterbach. Nicht alle Teile des «Rössli»-Publikums wurden mit der neuen Wirtin glücklich. Und weil das «Rössli» mit dem Kauf durch die Gemeinde und die Bürgergemeinde Allgemeinbesitz ist, fühlten sich etliche Luterbacher befugt, eine breite Diskussion zu Geschick oder Ungeschick von Wirtin und GmbH zu lancieren.

«Ich brauche Zeit»

Jetzt aber kommt Ungemach von unerwarteter Seite. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit hat das «Rössli» geschlossen, wie Richard Schwaller, Vorsitzender der Geschäftsführung in der Rössli GmbH, erklärt. Grund sei, dass die Pächterin kein Wirtepatent besitze. Damals habe die GmbH die Wirtin Silvia Bonfane angestellt, ohne dass diese ein Patent nachweisen konnte. «Sie hat uns hoch und heilig versprochen, das Patent nachträglich zu machen», sagt Richard Schwaller.

Das Amt für Arbeit und Wirtschaft habe eine Bewilligung für Bonfane gegeben, schaue aber darauf, ob sich die Person dann auch wirklich darum bemühe, so Schwaller. Laut Jonas Motschi, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit, sei es üblich, in solchen Fällen eine provisorische Bewilligung zu erteilen, normalerweise für ein Jahr. Im Einzelfall könne er aber keine Auskunft geben.

Silvia Bonfane bestätigt, dass das Amt eingriff, weil sie den Kurs für das Wirtepatent nicht abgeschlossen habe. Damit habe sie die Frist verpasst, welche sie vom Amt erhalten habe. Nun wolle sie eine Person suchen, die das Wirtepatent für das «Rössli» zur Verfügung stellen würde, und gleichzeitig habe sie sich für einen nächsten Kurs angemeldet. «Ich brauche vor allem Zeit», erklärt Bonfane verzweifelt.

Dann spricht sie die unterschiedlichen Erwartungen an, die mit dem «Rössli» verbunden seien. «Die bisherigen Stammkundschaft will keine Entwicklung. Sie will, dass das ‹Rössli› wie eine traditionelle Dorfbeiz geführt wird. Aber so viel ich weiss, ist das ‹Rössli› damit schon lange nicht mehr auf einen grünen Zweig gekommen.» Sie sei noch jung und innovativ und versuche eine andere Dynamik in die Dorfbeiz zu bringen. «Ich brauche eine andere Kundschaft, damit ich den Betrieb aufrechterhalten kann.»

«Kein Erfolg im Rössli»

Nun hat aber die GmbH gehandelt. Silvia Bonfane habe laut eigener Aussage versucht, eine Mietzinsreduktion zu erreichen. Aber die GmbH sei nicht darauf eingegangen. Worauf sie die Kündigung angeboten habe, was die Rössli GmbH angenommen hat. Heute informiert die Rössli GmbH in einem Inserat im «Azeiger» über diese Entwicklung und schreibt: «Frau Bonfane hat an anderer Stelle ihr Können meisterhaft zur Geltung bringen können. Im ‹Rössli› war ihr dieser Erfolg leider vergönnt.»

Wirtin Silvia Bonfane akzeptiert die Kündigung aber nicht, wie Schwaller erklärt, und Bonfane bestätigt. «Im Moment läuft vor dem Oberamt ein Schlichtungsverfahren», sagt Schwaller. Deshalb könne die GmbH keinen neuen Wirt suchen. Dabei sei die Öffnung des «Rössli» ein Bedürfnis in der Bevölkerung, erklärt Richard Schwaller und ergänzt: «Wir hätten unterdessen auch lieber einen anderen Wirt.»