Kammersrohr
Tolggen im «kleinen Paradies»: Die Rechnung schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 33'000 Franken

Die Gemeinde kann das Minus mit dem Eigenkapital problemlos auffangen.

Urs Byland
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Kammersrohr ist eine Streusiedlung.

Kammersrohr ist eine Streusiedlung.

Thomas Ulrich

Der Autor eines Berichts in der «Coop-Zeitung» weiss, wo das Paradies liegt. In der April-Ausgabe ortete er es in Kammersrohr. Genau genommen sprach er von einem «kleinen Paradies». Im Bericht portraitierte er die mit 32 Einwohnerinnen und Einwohnern «kleinste Gemeinde in der Schweiz». Gross zu Wort kamen darin der Gemeindepräsident Ueli Emch und die Gemeindeschreiberin Alissa Vessaz.

Jetzt sitzen die Beiden nebeneinander im Saal der reformierten Kirchgemeinde in Günsberg. Sie werden flankiert von Finanzverwalterin Isabella Howald. Ihnen gegenüber haben 7 Kammersrohrerinnen und Kammersrohrer Platz genommen. Ohne Howald beteiligen sich somit 9 Personen an der Gemeindeversammlung, fast ein Drittel der Stimmberechtigten. Normalerweise hat es in der Wohnstube des privat vermieteten Gemeindehauses in Kammersrohr genug Platz für die Versammlungen. Wegen Corona hat man kurzerhand den Saal der Kirchgemeinde in Günsberg gemietet und tagt ausnahmsweise auswärts.

Budget erfüllt, Aufwandüberschuss ist eingetroffen

Die Anwesenden werden von Howald durch die Rechnung geführt. «Wir können uns glücklich schätzen. Das Budget wurde fast erfüllt. Aber eben mit einem Aufwandüberschuss», sagt sie. Der erzielte Aufwandüberschuss ist mit gut 33'000 Franken rund 1700 Franken geringer ausgefallen als budgetiert. Insgesamt wurden 181'000 Franken ausgegeben. Einen Einbruch stellt sie bei den Steuereinnahmen fest. Betrug dieser Wert in der Rechnung 2019 noch 102'000 Franken sind es 2020 noch 88'000.

Der Aufwandüberschuss kann mit dem vorhandenen Eigenkapital ohne Probleme aufgefangen werden. Dieses beträgt noch 786'000 Franken. Der Kanton nennt bei kleinen Gemeinden einen Richtwert von mehr als 60 Prozent im Eigenkapital. In Kammersrohr liegt dieser Wert bei 477 Prozent. Paradiesische Zustände, die die Eigenständigkeit von Kammersrohr in finanzieller Hinsicht noch auf Jahrzehnte zementiert und Howald bilanzieren lässt: «Wir haben gesunde Finanzen.»

Kennzahlen zur Rechnung 2020 von Kammersrohr

Rechnung 2019 Rechnung 2020
Erfolgsrechnung
Gesamtaufwand 168 181
Gesamtertrag 173 148
Jahresergebnis +5 -33
Gesamtabschreibungen (inklusive Spezialfinanzierung) 3 3
Investitionsrechnung
Investitionsausgaben 1 11
Investitionseinnahmen 0 0
Nettoinvestitionen 1 11
Weitere Kennzahlen
Steuerfuss nat. Pers. 65 65
Steuerfuss jur. Pers. 65 65
Selbstfinanzierungsgrad
Eigenkapitaldeckungsgrad 501 477
Netto-Vermögen pro Kopf 36'470 35'617
Netto-Schulden pro Kopf

Gemeinderat verlängert um vier Jahre

Aber auch in personeller Hinsicht hat Kammersrohr weiterhin paradiesische Zustände. Der Gemeinderat hat für vier weitere Jahre unterschrieben. Still gewählt wurden neben dem Gemeindepräsident, der Gemeindevizepräsident Urs Böhlen und Gemeinderat Lorenz Nussbaumer. Auch die Rechnung wird noch von zwei Einheimischen revidiert.

Aber auch im «kleinen Paradies» kanns Baulärm geben. Der stört nicht, wenn es sich um einen Neubau handelt, ein sehr seltenes Ereignis in Kammersrohr, dank dem die Gemeinde unverhofft zu Anschlussgebühren und einer Verbesserung der Rechnung kommt. Weniger erfreulich wirds aber, wenn der Kanton seine Strasse sanieren will. Aktuell wird geplant, weiss der Gemeindepräsident. Was Sorge bereitet, ist dann die lange Bauphase von April 2022 bis Oktober 2022. Totalsperrungen sind möglich. Ein Seufzen geht durch die Reihen im Saal der Kirchgemeinde Günsberg.