Es war eine aussergewöhnliche Versammlung und eine Versammlung der Rekorde. Statt wie üblich im Wohnzimmer im Gemeindehaus in Kammersrohr fand sie auf fremdem Boden, nämlich im «Balmschloss» in Balm bei Günsberg statt. Und noch nie besuchten 19 Stimmberechtigte die Gemeindeversammlung - was bei insgesamt 30 Stimmberechtigten einer Traumquote von 63,3 Prozent Beteiligung entspricht. Nach 36 Minuten konnte Gemeindepräsident Terry Spillmann die Versammlung zudem bereits schliessen. (Fast) ohne eine Wortmeldung.

Das Fazit: Die Kammersrohrer haben den Gemeinderat mit 17 Ja, bei zwei Enthaltungen, mandatiert und dieser darf Fusionsverhandlungen mit Feldbrunnen, Günsberg und Hubersdorf aufnehmen.

Weichen neu stellen

«Mittelfristig müssen wir die Weichen neu stellen.» So definierte es Terry Spillmann am Montagabend. Es sei schon länger bekannt, dass er nur noch bis Ende Legislatur Gemeindepräsident bleibe. «Aber bisher ist niemand gekommen, der mein Amt übernehmen will.» Unter anderem deshalb habe sich der Gemeinderat dazu entschieden, den Stimmberechtigten eine Fusion vorzuschlagen. Die wichtigsten Ämter seien zurzeit noch besetzt. Aber Gemeinderat und Baukommission bestehe aus denselben Personen. Die Einwohnerkontrolle sei ausgelagert (nach Hubersdorf) und die Finanzverwaltung ebenfalls (nach Feldbrunnen-St. Niklaus).

«Es geht heute nicht darum, einer Fusion zuzustimmen. Es geht auch nicht um den Entscheid, mit wem wir fusionieren. Es geht lediglich darum, dass wir Verhandlungen führen und Daten austauschen dürfen.» Spillmann hofft, dass bereits im Oktober an der Urne entschieden werden kann, mit welcher Gemeinde man fusionieren möchte. Und im nächsten Jahr stünde dann der definitive Entscheid an.

Ein Ertragsüberschuss

Die Rechnung 2014 weist bei Einnahmen von 227 304 Franken und Ausgaben von 198 602 Franken einen Ertragsüberschuss von 28 702 Franken aus. Finanzverwalterin Isabella Howald zeigte auf, dass dies unter anderem wegen der guten Steuereinnahmen für das letzte Jahr so ist. Zudem konnte auch der Sachaufwand gesenkt werden.

Einen beachtlichen Mehraufwand von 25 526 Franken ergab sich im Konto «allgemeine Verwaltung». Dieser ergibt sich wegen des Mieterwechsels und der nachfolgend ausgeführten Sanierungsmassnahmen im Gemeindehaus. Bei der Abwasserrechnung sei das Eigenkapital praktisch aufgebraucht, so Isabella Howald. Eine Gebührenerhöhung sei hier absehbar.

In der Investitionsrechnung sind 575 Franken verbucht. Die Sanierung der Gemeindestrasse für 75 000 Franken und die Ortsplanung wurden letztes Jahr noch nicht ausgeführt. Per Ende 2014 hat Kammersrohr ein Eigenkapital von 819 296 Franken.

Die Stimmberechtigten genehmigten zudem das neue Feuerwehrreglement. Die einzige Änderung besteht darin, dass Niederwil nicht mehr Mitglied der gemeinsamen Feuerwehr ist. Spillmann orientiert im Weiteren darüber, dass die Günsbergstrasse nicht wie vorgesehen saniert werden kann. Der Unternehmer, der den Auftrag erhalten habe, habe Personalprobleme und könne das Projekt nicht wie versprochen ausführen.