Kammersrohr ist nicht nur eine reizvolle Braut, wie es Gemeindepräsident Terry Spillmann in einer Medienmitteilung schreibt, sondern auch eine reiche. Die Gemeinde verfügt über ein Nettovermögen von rund 900 000 Franken und eine schuldenfreie Mietliegenschaft. Dafür fehlt es ihr an Einwohnern und Interessierten, die sich für den dreiköpfigen Gemeinderat, der auch Baukommission ist, zur Verfügung stellen. Die drei jetzigen Amtsinhaber sind alle über 60-jährig und seit mehr als zehn Jahren im Amt.

Der Gemeinderat hat deshalb in seiner letzten Sitzung beschlossen, per Anfang 2016 zu fusionieren. An der nächsten Gemeindeversammlung soll mit der Bevölkerung des 33-Seelen-Dorfes über die Zukunft diskutiert werden. Der Gemeinderat könnte sich eine Fusion mit den Nachbarn Hubersdorf oder Günsberg, aber auch mit Feldbrunnen-St. Niklaus vorstellen.

Keine gemeinsame Grenze

Feldbrunnen und Kammersrohr haben keine gemeinsame Grenze. Dafür verbindet sie der Steuerfuss von 60 Prozent. Beide Gemeinden sind deshalb als Steueroasen im Kanton bekannt. 2009 fanden bereits intensive Gespräche zwischen den beiden Gemeinderäten statt. Eine «vertiefte Zusammenarbeit» sollte damals geprüft werden. Mindestens die Finanzverwaltung wurde daraufhin nach Feldbrunnen ausgelagert. Weitere Zusammenarbeiten folgten aber nicht.

Hubersdorf erledigt die Einwohnerkontrolle für Kammersrohr. Schulwesen, Wasser und Abwasser – Kammersrohr ist in allen Bereichen auf irgendeine Art mit den Gemeinden des Unterleberberges verbunden.

Offenes Vorgehen

Der Gemeinderat Kammersrohr wählt ein offenes Vorgehen für die Fusion. «Der Souverän wird zwischen dem Zusammengehen mit der Einwohnergemeinde Hubersdorf oder Günsberg oder Feldbrunnen wählen können, weil in der Gemeinde mutmasslich unterschiedliche Präferenzen vorhanden sind.

Mit der an der Urnenabstimmung bestimmten Gemeinde soll anschliessend der Zusammenschluss konkretisiert und vollzogen werden.» So steht es in der Medienmitteilung. Der Gemeinderat ist zudem überzeugt, dass «Kammersrohr mit seiner geringen Anzahl Einwohnerinnen und Einwohner die neue Partnergemeinde administrativ kaum zusätzlich belasten, also keine nennenswerten Verwaltungskosten verursachen würde.»

Gemeinden sind überrascht

«Wir möchten bis Anfang Juni von den drei Gemeinden eine Antwort auf die Frage, ob sie sich eine Fusion vorstellen können», erklärt Spillmann auf Anfrage. Das überrascht die drei potenziellen Bräutigame allerdings. Die Gemeindepräsidenten wurden erst am Mittwoch informiert. «Wir werden das sicher im Gemeinderat diskutieren», sagt Thomas Jenni (Günsberg). Es sei aber nicht einfach, so schnell eine Antwort zu finden. Auch Anita Panzer (Feldbrunnen-St. Niklaus) kann nicht mehr sagen. «Zuerst muss ich das mit meinen Gemeinderatskollegen besprechen.» «Wir sind grundsätzlich offen», so Andreas Rüegger (Hubersdorf). Ihn überraschten der Zeitpunkt und das Tempo, das Kammersrohr vorgibt. «Wir werden im Gemeinderat darüber reden.»