Storchensiedlung
Jungstörche wurden beringt: Der Regen setzt den Tieren in Altreu stark zu

In der Storchensiedlung in Altreu wurden die rund 30 Jungtiere, welche die vergangenen kalten und nassen Tage überlebt haben, beringt.

Gizem Meric
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Beringung der Jungstörche im Juni 2016
11 Bilder
Rund 30 Jungtiere haben die kalten und nassen Tage überlebt
Mit der Feuerwehrleiter aufs Dach zu den Nestern
Noch haben die Jungtiere nicht das vollständige Federkleid
So sieht ein Ring aus, der an den Beinen angebracht wird
Robert Schoob, Bereichsleiter Storch Schweiz beringt die Störche
Und fertig...
Dann gehts wieder runter
Die Beringungsaktion wird interessiert verfolgt
Jungstörche Altreu werden beringt

Beringung der Jungstörche im Juni 2016

Hanspeter Bärtschi

An neugierigen Gesichtern und gezückten Kameras fehlt es am warmen Nachmittag in Altreu nicht. Denn im bekannten Storchenparadies an der Aare erfolgt – wie jedes Jahr – die Beringung der langbeinigen Vögel.

Unter der strahlenden Sonne und bei schwer auszuhaltenden Sommertemperaturen steigen die Feuerwehrmänner zu jedem einzelnen der zahlreichen Horste, die sich auf den Bäumen und Dächern des Siedlungsgebietes befinden.

Zuschauer, die das Spektakel mitverfolgen wollen, findet man an jeder Ecke. Auch den Touristen, die sich im Restaurant nebenan erholen, scheint das Vorgehen der Feuerwehrmänner besonders fremd, weshalb sie das Geschehen aufmerksam mitverfolgen.

Eltern werden verscheucht

Während der Beringung in Altreu wird den munteren Jungstörchen in schwindelerregender Höhe jeweils ein Ring am Bein befestigt.

Dieser teilt den Vögeln eine eigene Nummer zu, wodurch ihr Siedlungsort und das Geburtsjahr ersichtlich sind.

Zusätzlich werden die Jungtiere, die in den vergangenen nassen Wochen verendet sind – sofern die Eltern sie nicht aus dem Horst geworfen haben –, den Nestern entnommen.

Die Brutpaare, die ihre Jungen stets hüten, fliegen denn auch weg, sobald sich die Feuerwehrleiter dem Horst nähert.

Allerdings käme es auch vor, dass sie ihre Jungtiere in Schutz nehmen und sich gegen die Feuerwehrmänner wehren.

Doch da hilft den Eltern kein Sträuben. «Wenn sich die Brutpaare widersetzen, muss man sie mit der Hand oder mit einem Besen verscheuchen», erklärt Peter Enggist, Geschäftsführer von «Storch Schweiz».

60 Prozent weniger Jungtiere

Der Geschäftsführer und seine Frau beobachten jedes Jahr aufs Neue die Storchenberingung und sind gespannt, wie viele Jungstörche denn tatsächlich überlebt haben.

Aufgrund des nassen und kalten Wetters im Frühling halten sich die Erwartungen in Grenzen. «In Altreu rechnen wir mit 60 Prozent weniger überlebenden Tieren als im Vorjahr», bestätigt Enggist.

Damals zählten sie zum Zeitpunkt der Beringung 61 Jungtiere. Nun sei sogar schweizweit eine Abnahme von beinahe 70 Prozent zu erwarten.

Durch die starken Regengüsse sammelte sich das Regenwasser in der Nestmulde und verwandelte den Horst in einen Morast.

«Den Jungtieren fehlt noch das vollständige Federkleid, weshalb sie den schlechten Wetterbedingungen oftmals zum Opfer fallen», bedauert der Geschäftsführer.

Schwarzmalen will er aber trotzdem nicht. Vorfälle dieser Art kämen ab und an vor. Der natürlichen Selektion der Natur könne man sich nicht widersetzen.

Aus Algerien «eingeflogen»

Zusätzlich sei heutzutage sogar von einer Überpopulation die Rede. «Dadurch, dass sich die Störche in der Schweiz wohlfühlen und hier genug Futter haben, finden sie Anfang Frühling ihren Weg wieder zu uns zurück», bestätigt Enggist.

Lediglich ein Rückgang, wie es zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Fall war, wäre dramatisch. Enggist: «In der Schweiz starben bis zu den 50er-Jahren fast alle Störche aus.»

Erst mit der Gründung der Storchensiedlung in Altreu durch den Initianten Max Blösch holte man Vögel aus Algerien her, wodurch die Population wieder anstieg.

Bis heute leben die klappernden Tiere im Schweizer Storchenparadies in einer Kulturlandschaft auf freier Wildbahn und werden von Familien und Interessenten bewundert.

Überwinterung im Abfall

Dadurch, dass die kalten Wintermonate in der Schweiz den Störchen keine optimalen Bedingungen zum Überleben bieten, machen es sich die langbeinigen Tiere während dieser Zeit im Süden – früher in Afrika – gemütlich. Seit einigen Jahren jedoch wird den Tieren ein Sender auf dem Rücken befestigt, wodurch ersichtlich wird, dass sie nun auf die umständliche Strecke verzichten und sich bereits in Spanien auf Mülldeponien niederlassen, da sie dort genügend Futter finden. Wie Peter Enggist, Geschäftsführer der «Storch Schweiz», berichtet, herrsche aber das Problem, dass diese «Siedlungsplätze» in Spanien voraussichtlich in einigen Jahren geschlossen werden. Deshalb bestehe die Gefahr, dass die Tiere verhungern. Aus diesem Grund startet «Storch Schweiz» ein neues Projekt. «Es besteht die Möglichkeit, in der Schweiz in verschiedenen Gebieten Futter- und Pflegeplätze einzurichten», so Enggist. Die Absicht sei, die Störche an einen ganzjährigen Aufenthalt in der Schweiz zu gewöhnen und so die jetzige Populationszahl zu bewahren. (gmz)