Bellach

Jugendarbeiter müssen grosse Anstrengungen unternehmen — nach harzigen Start sind erste Kontakte geknüpft

Mobile Angebote stehen derzeit bei der Jugendarbeit in Bellach im Vordergrund.

Mobile Angebote stehen derzeit bei der Jugendarbeit in Bellach im Vordergrund.

In drei Gemeinden übernahm das Alte Spital die Jugendarbeit. Der Start in Bellach war wegen der Pandemie harzig.

«Die Jugendarbeit ist verschwunden», titelte diese Zeitung im November 2016. Weil damals Selzach aus dem gemeinsamen Mandat ausstieg, war auch das Dorf Bellach auf einmal ohne Jugendarbeit. Denn die Gemeinde wollte das Angebot alleine nicht stemmen, wie der damalige Gemeindepräsident Roland Stadler Auskunft gab und auf die Frage, ob Bellach überhaupt eine Jugendarbeit brauche, antwortete: Er sei überzeugt, dass jede Jugend ihren Freiraum brauche. «Das hat sich in den letzten fast 50 Jahren nicht geändert. Die Jugend sucht immer wieder Räumlichkeiten, in denen sie sich nicht konsumorientiert, selbstbestimmt ausprobieren kann.»

Nun, vier Jahre nach dem Aus, hat Bellach wieder eine Jugendarbeit, wenn auch vorerst nur auf Probe. Für die nächste zwei Jahre ist das Alte Spital auf Mandatsbasis für die Jugendarbeit in Bellach zuständig. So wie auch seit Anfang Jahr in Langendorf und seit August in Zuchwil.

Nach harzigen Start sind die ersten Kontakte geknüpft

In Bellach hat das Mandant Anfang Juni gestartet. Es war auch der erste Arbeitstag von Jugendarbeiter Till Baumann, der für das neue Angebot in Bellach die Leitung hat und daneben seiner Kollegin Jelena Cvijetic in Langendorf hilft, die ihm wiederum in Bellach unter die Arme greift. «Wir haben schnell gemerkt, dass das Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen in Bellach gross ist, sich untereinander zu treffen», sagt Till Baumann, der betont, dass es für ihn und seine Kollegin nicht ganz einfach war, den Kontakt mit den Jugendlichen des Dorfes herzustellen.

Die Jugendarbeiter Jelena Cvijetic und Till Baumann.

Die Jugendarbeiter Jelena Cvijetic und Till Baumann.

Der Grund ist der Coronavirus und die damit wegfallende Möglichkeit für die beiden Jugendarbeiter in der Schule Werbung für das neue Angebot zu machen. In Bellach kommt noch erschwerend hinzu, dass kein Jugendtreff existiert. Sprich die Jugendarbeiter mussten grosse Anstrengungen unternehmen, um überhaupt an die Jugendlichen heranzukommen und waren dazu viel mit den Fahrrädern unterwegs, knüpften Kontakte beim Grederhof, aber auch am Aareufer. «In der Fachsprache nenne sich dies aufsuchende Jugendarbeit», erklärt Baumann, der ergänzt: «Als Erwachsener Kontakt zu Jugendlichen aufzubauen, ist eine riesige Aufgabe».

Mobile Jugendarbeit ist für den Sommer ausgelegt

«Der Start in Bellach war durch die Einschränkungen der Pandemie harzig», sagt dann auch Sacha Studer Mösch, Bereichsleitung Soziokultur des Alten Spitals. «Die klassische Jugendarbeit ist meist von einem Treff aus organisiert, wie etwa in Langendorf.» Da ein solcher in Bellach fehlt, liegt der Fokus auf der mobilen Jugendarbeit und es wurden Testangebote lanciert. Neu gestartet wurde beispielsweise mit der Ferieninsel ein betreutes Ferienangebot sowie das Sport- und Präventionsangebot Feel the Move, bei dem sich die Kinder und Jugendlichen am Samstagabend in der Turnhalle austoben können und bereits beim ersten Mal über 70 Besuchenden begrüssen durfte. Ein Angebot das auch in den anderen Gemeinden läuft und ausgebaut werden soll.

Bislang waren dies Spielnachmittage für Kinder auf dem Grederhof und für die Jugendlichen gab es kurz vor den Herbstferien eine Summer Lounge. Darunter kann man sich eine Art mobiler Jugendtreff mit aufblasbaren Sofas und Musik vorstellen. Oder wie es Jugendarbeiter Till Baumann beschreibt: «Outdoor eine chillige Atmosphäre schaffen.»

Das Problem: Im Winter stösst die mobile Jugendarbeit an ihre Grenzen. Darum sind die Mitarbeiter des Alten Spitals derzeit in verschiedenen Gesprächen, um allenfalls auch für den Winter eine Lösung zu finden. Etwa ob ein Gebäude zwischengenutzt werden kann, oder ob man einen Bauwagen als mobilen Treff nutzen kann. Langfristig sei das Ziel, die Bedürfnisse der Jugendlichen abzuholen, so Sacha Studer. «Damit sie sich besser verwirklichen können und später noch in der Gemeinde engagieren.»

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Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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