Ein ganz normaler Montagmorgen in Deitingen – könnte man meinen. Doch näherte man sich am Montagmorgen dem Bahnhof, wurde dieses Bild schnell getrübt. 85 bereits aufgeregt plappernde, mit schweren Rucksäcken bepackte und mit Wanderschuhen ausgerüstete Kinder standen auf dem Perron.

Neben ihnen tummelten sich auch Gestalten in langen dunkeln Mänteln, mit sichelförmigen Brillen, spitzen Hüten, geschnitzten Zauberstäben und fliegenden Besen herum. Sie alle gehören zur JuBla (Jungwacht und Blauring) Deitingen und fahren unter dem Motto «Harry Potter» für ein zweiwöchiges Zeltlager nach Brienzwiler bei Interlaken.

Kopfvoran aufs Gleis 9 ¾

Ganz wie in der berühmten «Harry Potter»-Buchreihe der Schriftstellerin J. K. Rowling erhielten die Zauberschüler einen Brief, dass sie auf der «Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei» aufgenommen worden sind und zusammen mit ihren erfahrenen Professoren (den rund 35 Leiterinnen und Leitern) für zwei Wochen nach Hogwarts fahren, um dort ihre Ausbildung zu absolvieren.

Am aufwendig dekorierten Bahnhof erwarteten sie dann auch schon die drei Freunde Harry Potter, Hermine Granger und Ron Weasley. Sie zeigten ihnen vor, wie man aus der «normalen Welt» auf das versteckte Gleis 9 ¾ und somit in die Zaubererwelt gelangt: kopfvoran durch eine Mauer.

Extrazug für die Jubla

Auf dem Gleis mit der überaus ungewöhnlichen Nummer angekommen, erwartete die Schar bereits die nächste Überraschung: Anstelle eines gewöhnlichen Zuges fuhr unter lautem Dampfgetöse und schrillem Pfeifen der Hogwarts-Express ein – ein von einer Dampflokomotive gezogener Extra-Zug, welcher die Schar bis nach Olten brachte.

Blickte man in die Gesichter der Kinder, so sah man meist einen vor lauter Staunen weit aufgerissenen Mund und ungläubige Blicke: Mit einer Dampflok ins JuBla-Lager? Nachdem sämtliche Kinder in die alten Wagen der ehemaligen Oensingen-Balsthal-Bahn eingestiegen und alle Eulen-Käfige verstaut waren, wurde den Eltern auf dem Perron noch ein letztes Mal eifrig zugewinkt, bevor der Zug geräuschvoll abfuhr.

«Die Idee mit der Dampflokomotive stammt von den Leitern, welche die Anreise geplant haben», erzählt Lukas Galli, Scharleiter der JuBla Deitingen. Im Anschluss hätten sie verschiedene Dampfbahn-Vereine für eine «Dampflok-Leihe» angefragt. «Es stellte sich allerdings rasch heraus, dass das unser Budget bei Weitem sprengen würde», so der Deitinger JuBlaner weiter. Allerdings liess sich in Yvonne Hürlimann, der Besitzerin des Parkforums Wylihof, eine grosszügige Spenderin finden, welche den über hundert Scharmitgliedern dieses einmalige Erlebnis ermöglicht hat.

Zwei Wochen Zaubererwelt

Nach diesem Highlight erwarten die Zauberschüler noch zahlreiche weitere: Auf dem Lagerplatz wurden im Vorlager eine von vier Türmen umgebene Arena sowie ein «Quidditch»-Feld für Besensport aufgebaut. Wie immer dürfen sich die Kinder auf ein abwechslungsreiches Programm, eine zweitägige Wanderung und zahlreiche Überraschungen freuen.

Nächsten Sonntag steht der Besuchstag auf dem Programm: Man darf gespannt sein, von welchen Abenteuern aus der Zaubererwelt die Hogwarts-Schüler zu berichten wissen.