Derendingen
Jubiläumsstück des gleichnamigen Partnervereins gespielt

Das Motto Latin Night kam gut an. Die Musikgesellschaft Derendingen spielte an ihrem Konzert drei Zugaben.

Hans Blaser
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Barbara Knecht (Piccolo) beim Duett in Grandfather’s Clock.

Barbara Knecht (Piccolo) beim Duett in Grandfather’s Clock.

Hans Blaser

Ob der 1961 von Otto Heinrich Springer geschriebene Marsch je gespielt wurde, bezweifelt die Vereinsleitung des deutschen Musikvereins Derendingen. Er feierte 2011 sein 100-Jahr-Jubiläum. Das veranlasste Hermann Dobler im Archiv zu stöbern. Dabei fand er Teile handschriftlicher Notizen zu Springers Komposition. Daraus erstellte Günter Springer ein Arrangement für genau die 36 Instrumente, aus denen der Verein 2011 bestand. Bei den Jubiläumsfeiern wurde diese Fassung von «Derendingen 1961» am 30. April 2011 uraufgeführt. Dieser deutsche Musikverein Derendingen ist der Partnerverein «unserer» Musikgesellschaft Derendingen. Diese geschenkte Jubiläumskomposition als gefälliges Eröffnungsstück zu verwenden, drängte sich auf.

Obwohl der Niederländer Gerard Boedijn Violine studiert hatte, komponierte er vielfältig auch für Blasorchester. 1954 machte er sich an die Arbeit an einer kleinen Sinfonie im alten Stil. So heisst dieses opus 135 «Sinfonie Concertante»im Untertitel. Es beginnt mit einem Allegro, dem ein Andante Maestoso folgt. Beide sind genau je 60 Takte lang. Länger als beide zusammen ist der der Schlusssatz mit 132 Takten, ein Allegretto Giocoso. Bei diesem verspielten Leckerbissen gefielen die Derendinger unter der Direktion von Urs Heri.

Feilen am Musikfeststück

Fast zu der Zeit, als diese «Sinfonie Concertante» entstand, wurde Johan de Meij geboren. Ihn faszinierte 2008, kaum in Saugerties angekommen, die Mischung aus amerikanischer und europäischer Volksmusik. In «Songs from the Catskills» fasste er sie in eine Komposition für Blasorchester. Mit ihr wollen die Derendinger ans Kantonale Musikfest in Thun und werden daran schon noch feilen müssen. Damit endete der erste Teil noch ohne Latin Night.

Das änderte sich im zweiten Teil und begann schon mit einer intelligenten Stückwahl. Vorne stand ein strahlender Urs Heri, der offenbar Spielfreude weckte. Den Einstieg schafften die Derendinger mit dem vom Japaner Masato Myokoin wunderbar arrangierten «Soul Bossanova» von Quincy Jones. Stück um Stück eroberten sie das Publikum. Dieses hatte offenbar auch nach drei Zugaben noch nicht genug, musste sich aber schliesslich fügen.

Mitten in diese lateinamerikanischen Leckerbissen wurde als Kontrast «Grandfather’s Clock» von Peter Schad gesetzt. Dieses Duett für Piccolo und Euphonium hätten die Solistinnen Barbara Knecht und Karin Sonderegger spielen wollen. Einer Lippeninfektion wegen musste die Euphonistin extern durch Donato Napoletano ersetzt werden. So kam die Flötistin Barbara Knecht doch zu ihrem tollen Auftritt mit dem Piccolo. Sie hätte zuvor schon das duftige Flötensolo in «Amapola» übernehmen können, das überliess sie jedoch ihren Kollegen im starken Flötenregister. Nicht nur dieses Solo liessen Naohiro Iwai als Arrangeur und Komponist Jose Maria Lacalle (1860–1937) glänzen.