Langendorf

«Jetzt ist es langsam Zeit» – Fridolin Flury verlässt den Heimlisberger Wald

Fridolin Flury mit seinen Werken vor dem alten Mannschaftswagen im Heimlisberger Wald.

Fridolin Flury mit seinen Werken vor dem alten Mannschaftswagen im Heimlisberger Wald.

Der 75-Jährige gibt nach zehn Jahren den Mannschaftswagen beim alten Forsthaus in Langendorf weiter.

Der Rauch aus dem Kamin des alten Mannschaftswagens beim Eingang zum Heimlisberger Wald steigt im nächsten Winter nicht mehr auf. Fridolin Flury räumt das Forsthaus und gibt den Wagen ab.

Seit zehn Jahren steht der Wagen am Waldeingang neben dem Forsthaus. Solange hat Flury nach seiner Pensionierung dort weiter Holz bearbeitet und für den Unterhalt des alten Forsthauses gesorgt. Im Winter bot ihm der mit einem Holzofen beheizbare Mannschaftswagen Unterschlupf. Dieses gewohnte Bild verändert sich bald. Der Wagen wird voraussichtlich im April abgeholt und künftig für Lernende der Forstbetriebe im Rahmen von Kursen eingesetzt. Das alte Forsthaus wird durch die Bürgergemeinde weiter für den jährlichen Verkauf der Weihnachtsbäume genutzt.

«Ich konnte einfach nicht aufhören»

Angesprochen auf seine Motivation nach der Pensionierung weiter im Wald zu arbeiten, sagt Flury, dass er halt einfach nicht aufhören konnte. Zuvor war er Förster im Raum Oberdorf, Bellach sowie Lommiswil und hat in 45 Berufsjahren den Wald als Lebensraum schätzen gelernt. In Absprache mit der Besitzerin des Forsthauses, der Bürgergemeinde Langendorf, bewirtschaftete er das Haus weiter. «Jetzt ist es langsam Zeit, ans Aufhören zu denken», fügt der heute 75-Jährige an. Er reduziert seine Tätigkeit und zieht in eine kleinere Werkstatt hinter dem Restaurant National.

Ganz aus dem Bild des Heimlisberger Waldes verschwinden wird Fridolin Flury aber nicht. Weiterhin will er noch die eine oder andere Bank ersetzen. Er war insbesondere auch am «Mühlibächli» aktiv, half beim Unterhalt mit und fertigte einfache Holzbänke an, die er am Bächlein und anderen Spazierwegen platzierte.

Flury unterhielt sich oft mit den Spaziergängerinnen und Spaziergängern. Immer wieder seien ihm auch fachliche Fragen zum Wald gestellt worden. Oder man habe bemerkt, dass die Holzerei sich verändere. «Alles ist nicht mehr so wie früher», sagt Flury mit einem Schmunzeln. Das habe er auch immer den Leuten gesagt. Viele schätzten die Gespräche mit ihm, und so entstand ein Ort, an welchem soziale Kontakte gepflegt wurden. Wenn er einmal einige Tage nicht anwesend war, sei dies rasch festgestellt worden, erzählt er weiter.

Das «Waldfundbüro»

Jeden Tag habe er etwas erlebt. Viele hätten sich nach verlorenen Gegenständen erkundigt. Was er fand, deponierte er beim Forsthaus, und so erhielt der eine oder andere Besitzer seinen verlorenen Gegenstand zurück. «Auch Handys oder Schlüsselbunde waren dabei.»

Bekannt war Flury auch für seine Holzarbeiten wie etwa Sterne oder Osterhasen, die er aussägte und die in manchen Gärten und Stuben einen Platz fanden.

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