Es ist der letzte grosse Wunsch von Ly Moro. Die im luzernischen Schötz lebende Künstlerin unterhält ein Atelier, in dem sie Kerzen für christliche Feste, selber modellierte Skulpturen und Engel anbietet. Nun endet ihr Leben, und sie sorgt sich um ihre Werke, die einen gebührenden Platz finden sollen. Für ihre zwei Meter hohe bekleidete Statue mit einem Bronzekopf, die Jesus darstellt, hat sie in der Kirche der Pfarrei Maria Himmelfahrt eine Heimat gefunden. Also in Deitingen, wo auch Ly Moros Heimat ist.

Er werde sich um einen Platz bemühen, hat ihr ihr Neffe Pietsch Dubach versprochen, als ihm seine Tante ihren Wunsch offenbarte. Er arbeitet im Luzernischen als Katechet und kontaktierte per Whatsapp 150 Personen, die alle mehr oder weniger mit der Kirche zu tun haben. «Daraufhin haben sich zirka zehn Personen gemeldet und mir Tipps gegeben. Unser Sakristan, ein Kosovare, hätte auch einen Platz für die Statue im Kosovo gewusst», erzählt Pietsch Dubach. Am schnellsten reagierte aber sein Bruder und Musiker Dülü Dubach. Der Sänger der Gruppe «Supersiech» nahm mit Beat Kaufmann, Pfarrer in Deitingen, Kontakt auf. Innert kurzer Zeit stand fest, dass die Jesus-Statue von Ly Moro in Deitingen willkommen ist. «Mit grosser Freude habe ich diese Frohbotschaft am 3. Adventssonntag Ly Moro mitgeteilt», erzählt Pietsch Dubach.

Platz in der Heimatpfarrkirche

Pfarrer Beat Kaufmann kannte die Statue bereits von einem Foto, wie er erklärt. «Die Jesus-Figur hat eine freundliche Erscheinung.» Er habe deshalb überlegt, die Figur jeweils am ersten Freitag im Monat im Gottesdienst zu präsentieren. Am sogenannten Herz-Jesu-Freitag werde die Herzlichkeit Gottes thematisiert, die in Jesus Mensch geworden ist. «Bis heute haben wir jeweils eine Holzstatue aus den 1930er-Jahren benutzt», sagt Beat Kaufmann. Die Jesus-Statue sei eine schöne Darstellung für die Feier an diesen besonderen Freitagen. Gleichzeitig könne damit das Anliegen von Ly Moro erfüllt werden und der Statue in ihrer Heimatpfarrkirche ein Platz gegeben werden.

«Die Figur gehört in eine Kirche»

Ly Moro freut sich ungemein, dass die Statue einen Platz gefunden hat. «Ich habe mir eigentlich auch vorgestellt, als ich sie modellierte, dass sie in einer Kirche stehen sollte», sagt die 77-Jährige, die im Alter von 24 Jahren 1965 nach Schötz umzog. Die Figur erschuf sie im Jahr 2000 für die Ausstellung «Der Weg zu Jesus Christus». Damals hat die Tochter von Emma und Franz Kofmel-Spiegel aus Deitingen auch den Künstlernamen Ly angenommen. «Das sind einfach die zwei letzten Buchstaben meines Rufnamens Emely», erklärt sie.

Am vergangenen Samstag haben Ly Moros Sohn, Mario Moro, und ein weiterer Neffe, Martin Stalder, die Statue angeliefert und zusammengebaut. Am Sonntag wurde sie feierlich von Pfarrer Beat Kaufmann im Gottesdienst zur Taufe des Herrn eingeweiht. «Gott sprach zur Taufe von Jesus im Fluss Jordan die Worte: Das ist mein Sohn», weist Kaufmann auf das Thema des Gottesdienstes hin. Der Mensch sei ein geliebtes Kind Gottes, davon könne man in der Statue etwas sehen, sagt Beat Kaufmann. Deshalb sei dieser Gottesdienst ein guter Zeitpunkt gewesen, die Statue in ihrer neuen Heimat in Deitingen willkommen zu heissen.