Forstbetrieb Leberberg

Januarsturm «Burglind» hat grundsätzliche Fragen rund um die Waldnutzung aufgewirbelt

Sturmholz wird mit einem Holztransporter, dem Forwarder, abtransportiert.

Sturmholz wird mit einem Holztransporter, dem Forwarder, abtransportiert.

Betriebsleiter Thomas Studer will die Bevölkerung vermehrt für die Bedeutung des Waldes sensibilisieren. Nach dem Januarsturm «Burglind» rücken grundsätzliche Fragen rund um die Waldnutzung, Finanzierung und den Umgang mit dem Wald wieder in den Vordergrund.

Im Bezirk Lebern hat «Burglind» sehr grosse Schäden verursacht. Thomas Studer, Betriebsleiter des Forstbetriebs Lebeberg, erzählt, dass er seine Kollegen am dritten Januar per SMS aufgeboten habe. «Alle sind gekommen, obschon keine Verpflichtung zum Abbruch der Ferien bestand», führt er aus. In der ersten Woche nach dem Sturm haben die insgesamt zehn Forstwarte vom Studers Team unter anderem den Feuerwehren geholfen, die in den Siedlungsrandgebieten gefordert waren.

In der zweiten Woche konnten die wichtigsten Verbindungsstrassen im Wald wieder geöffnet werden. Das Ereignis und dessen bis jetzt unübersehbaren Spuren und Folgen rückt grundsätzliche Fragen rund um die Waldnutzung, Finanzierung und den Umgang mit dem Wald wieder in den Vordergrund.

Verantwortung als Besitzer

Die Bürgergemeinden haben als Waldbesitzer die Verantwortung, den Wald zu pflegen und Unfallgefahren zu minimieren. Das kostet Geld. Die Einnahmen aus dem Holzverkauf seien stetig gesunken. Allein durch den Frankenschock im Januar 2015 sei der Preis um 20 Prozent abgesackt, hält Thomas Studer fest.

Der Preis sei zwar wieder ganz leicht gestiegen, jedoch ohne Auswirkungen auf den Holzpreis im Verkauf für die Bürgergemeinden. Weil sie nicht direkt in das Ausland liefern, wirken höhere Preise sich immer verzögert aus. Negativ schlägt sich weiter der Import von Billigholz aus dem Ausland zu Buche, so Studer weiter.

Eine weitere Einnahmequelle ist der sogenannte Waldfünfliber, der durch den Kanton im Rahmen von Leistungsvereinbarungen wieder in den Wald fliesst. Und ein wichtiges Standbein ist zunehmend auch das Energieholz für die Weiterverarbeitung zu Holzschnitzel für Heizungen. Langfristig sei die Finanzierung der Waldpflege und die Sicherheit im Wald nur gewährleistet, wenn mehr Schweizer Holz genutzt werde, mahnt Studer.

Der Wald ist heute für die Bevölkerung ein Ort der Erholung, um Sport zu treiben, um sich aus der Alltagshektik zurück zu ziehen oder mit dem Hund spazieren zu gehen. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Noch bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war der Wald ein Lieferant von lebenswichtigen Rohstoffen, allen voran Brennholz. Das Holz war unentbehrlich zum Kochen, zum Heizen oder auch als Baumaterial. Und dies oft ohne Alternativen, gerade was das Holz als Energieträger zum Heizen und Kochen betraf.

Sensibilisierung durch Bildung

Um die Bedeutung des Waldes bei der Bevölkerung wieder ins Bewusstsein zu rücken, würde Studer an den Schulen das Fach «Umweltbildung» als ein obligatorisches Schulfach befürworten. «Es gilt, die Bevölkerung für den Wald und Umweltzusammenhänge wieder zu sensibilisieren,» führt Studer aus. Generell sei die Öffentlichkeitsarbeit und Bildungsarbeit ein zentrales Anliegen für ihn und die Bürgergemeinden.

Studer schlägt den Bogen zu den Schadenereignissen von Anfang Jahr und denkt daran, bei der Aufforstung die Bevölkerung einzubeziehen. Wie genau dies umgesetzt werde, sei noch in Planung. Bereits berücksichtigt werde sicher der Klimawandel. «Wir pflanzen Baumarten, die mit längeren Trockenphasen und der Wärme gut leben können,» erklärt Studer.

Thomas Studer, Leiter Forstbetrieb Leberberg, im stark von Schäden betroffenen Wald «Hinteregg» bei Flumenthal.

Thomas Studer, Leiter Forstbetrieb Leberberg, im stark von Schäden betroffenen Wald «Hinteregg» bei Flumenthal.

Waldpflege im Wandel

Veränderungen in der Praxis der Waldpflege sind bereits Tatsache. So sind etwa 20 Prozent der gesamten Waldfläche der Bürgergemeinden heute als Biosphären ausgeschieden und werden von den Eigentümern nicht mehr aktiv bewirtschaftet. Solche Waldreservate befinden sich im Jura im Gebiet des Bettlachstockes, Hasenmatt, Wandfluh und Stallfluh. Ebenso im Gebiet Oberrüttenen, Vorberg, Weissenstein, Balmberg.

Eigenverantwortung und Aufklärung sei auch angesagt, wenn in Waldrandgebieten Grünabfälle im Wald deponiert würden – für Thomas Studer und sein Team ein Problem mit teuren Folgen. Ein Teil davon seien oft Pflanzen aus fremden Ländern, allen voran asiatischer Herkunft. Diese sogenannten Neophyten treiben wieder aus und verdrängen einheimische Waldpflanzen rigoros. Die Bekämpfung verursacht hohe Kosten.

«Jährlich wenden wir Arbeitsstunden zwischen einem und zwei Monaten auf, nur um in manueller Arbeit die Neophyten zu bekämpfen», erklärt Studer und unterstreicht damit seinen Anspruch auf Umweltbildung auch an den Schulen. Denn oft seien hohe Kosten auch die Folge von Nichtwissen.

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