Lüterswil

Jagdhegering Bucheggberg: «Wildbestand ist so hoch wie noch nie»

Wenn die Jäger zum Halali blasen, kommen ihnen vor allem Rehe vor die Flinten. Hasen und Hirsche werden geschont.

Wenn die Jäger zum Halali blasen, kommen ihnen vor allem Rehe vor die Flinten. Hasen und Hirsche werden geschont.

Der Verein «Pro Buechibärg» lud in Lüterswil zu einem breiten Einblick ins Jagdwesen.

Der acht Reviere umfassende Jagdhegering Bucheggberg liess an einer Freiluft-Abendveranstaltung erleben, welche Aufgaben die Jagd erfüllt. «Das kann man nur mit Passion und Leidenschaft», hiess es an den Informationsposten im Wald oberhalb von Lüterswil. Mit den am Jagdwesen Interessierten aller Altersgruppen, den Referenten, den Hundeführern und den Mitgliedern der Jagdbläsergruppe, die mit einem musikalischen Gruss den Abend eröffneten, umfasste die Gesellschaft über 90 Personen.

Bei trockenem Wetter – denn «Pro Buechibärg»-Geschäftsführer Bernhard von Allmen hatte, wie er festhielt, «endlich den Dauerregen mal abstellen können» – machten sich die Beteiligten auf einen Rundgang zu den drei Posten. Dort referierten zu unterschiedlichen Gebieten Konrad Isch, zugleich Präsident des Hegerings Bucheggberg, Robert Schori, Peter Wyss, Kurt Altermatt, Martin Räber und Ueli Gränicher. Als Obmann der für die Ausbildung der Vierbeiner verantwortlichen Hundegruppe Bucheggberg hatte Gränicher jagdtaugliche Hunde eingeladen, deren menschliche Begleitung die besondere Eignung ihrer «Freunde im Fell» für die Jagd in Wald, Feld und Wasser darstellte.

Die verschiedenartigen Rassen wie Weimaraner, Beagle, alpenländische Dachsbracke, deutscher Wachtel- und Vorstehhund, Münsterländer oder Springspaniel sind allesamt gute Gebrauchs- und Familienhunde. Alle weisen aber jeweils eine besondere Begabung für die Fährten- und Treibarbeit, für die Nachsuche oder fürs Apportieren auf. Laut Gränicher legen die Hunde für jede Jagdart eine besondere Prüfung ab.

188 Tiere in Unfälle verwickelt

Nachdem bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der Wildbestand in hiesigen Wäldern durch Abschuss fast ausgerottet war, sorgte das Jagdgesetz für eine Wiederansiedlung. «Heutzutage ist in der gesamten Schweiz der Wildbestand so hoch wie noch nie», betonte Kurt Altermatt, der die jagdlichen Organisationsformen für die rund 30'000 Jägerinnen und Jäger in der Schweiz in Revier- oder Patentjagd erläuterte. In der Region stehe für die Bejagung die Rehpopulation im Vordergrund, von der 2015 im Bucheggberg rund 320 Exemplare erlegt wurden. Geschont werden Hasen und die noch wenigen Hirsche. Die Abschussquote werde alljährlich im Frühjahr gemäss dem Ergebnis einer aktuellen Wildzählung festgelegt.

Strenge Vorschriften ordnen die Wildbrethygiene. Das Verhalten bei Unfällen mit Wildtieren im Strassenverkehr rief Martin Räber ins Gedächtnis. Eine sofortige Meldung bei der Polizei sei Vorschrift, um mit der Nachsuche vor allem verletzte Tiere erlösen zu können. In jedem Revier stünden dazu drei Mitglieder bei Tag und Nacht bereit. Ein Protokoll hält die versicherungsrechtliche Seite von Unfällen fest, die letztjährig im Bucheggberg 188 Tiere betrafen.

Wieder mehr Nachwuchs

Die Ausbildung für Jungjäger und -jägerinnen wurde neu konzipiert, dauert rund eineinhalb Jahre und kostet mit allen Unterrichtsmaterialien 600 Franken. Beginnend mit Schnupperbesuchen bei den Tätigkeiten einer Jagdgesellschaft bilde der Antrag beim Kantonalamt für Wald, Jagd und Fischerei die Grundlage zur gründlichen Schulung in mehreren Pflichtmodulen wie Wildbiologie, Umweltkunde und Ökologie, Waffenkunde und -sicherheit und die bereits erwähnte Wildbrethygiene.

Die mit Schiesstraining erweiterte Jagdpraxis, zu der auch die Pflege der natürlichen Lebensräume zählt, wird laut Robert Schori praktisch und theoretisch überprüft. Inzwischen wachse das Interesse am Jagdwesen mit Hege und Pflege eines ausgewogenen Wildbestandes deutlich an, wie Ausbildungszahlen belegen. Denn nicht nur Wildbeobachtung, Ansitz und Schuss beschäftige die Jäger, sondern laut Hegeringpräsident «eine Fülle von zusätzlichen Arbeiten».

Per Drohne auf Kitz-Suche

Dazu zähle beispielsweise die Aufwertung von Waldrand- und Heckenlandschaft, die Verblendung von Strassen in Waldgebieten mit optischen und akustischen Massnahmen, die Verteilung von Mineralsalzen, die jährliche Tierzählung und die Hilfe bei der Rehkitzrettung in der Landwirtschaft. Denn häufig platziere die Rehgeiss ihre Jungtiere in grasbewachsenen Feldern am Waldrand. Um hier Todesfälle beim Mähen auszuschliessen, gibt es Möglichkeiten zur kurzfristigen «Vergrämung» der Tiere oder neuerdings auch zum Aufspüren mittels Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet ist. Weiterhin interessierte das Jagdgesetz, das Schon- und Jagdzeiten sowie den Wildschutz regelt. Dabei ist einleuchtend, dass Hunde während der «Setzzeit» im Mai/Juni angeleint im Wald bewegt werden. Die neue Tragzeit, die bei Rehen 40 Wochen bis zur Geburt im Frühjahr dauert, beginnt im Spätsommer.

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