Samstagmorgen, zehn Uhr. Der Waldrand ist gesäumt von Autos. Eine Reihe Mütze tragender Gestalten stapft, bewaffnet mit Sägen, in Richtung Wald. Es ist Jagdbeginn in Schnottwil. Dies kümmert aber weder das Reh noch den hakenschlagenden Hasen. Sie wissen: die vorweihnachtliche Jagd gilt nicht den tierischen Waldbewohnern. Heute wird Jagd auf Tannenbäume gemacht. Aber nicht etwa auf irgendwelche Tannenbäume, sondern auf wild lebende Weihnachtsbäume.

Kein leichtes Unterfangen. Nicht zu gross, nicht zu mager und möglichst grün soll der erbeutete Christbaum sein. «Schlimmer als Shoppen», tönt es von einem jungen Mann, welcher angesichts der grossen Auswahl langsam die Geduld verliert. Kann sich dessen Freundin doch einfach nicht entscheiden, welches Weihnachtsbäumchen das Schönste ist.

Dabei sei in Wahrheit jedes Bäumchen gleich schön, so Andreas Ramser, Präsident der Bürgergemeindekommission. «Es kommt nur darauf an, wie viel Schokolade man daran hängt», erklärt Ramser. Grosszügigkeit ist Ramser aber nicht nur in Bezug auf Schokolade wichtig: Ein Bäumchen pro Nase spendiert die Einwohnergemeinde allen Einwohnern von Schnottwil. «Wir sind die einzigen, die die Weihnachtsbäume noch schenken. Die umliegenden Gemeinden ‹heuschen› alle etwas dafür», so Ramser.

Tipps aus Schnottwil

Den ganzen Vormittag bis mittags um eins verpackt der Chef der Bürgergemeindekommission höchst persönlich die auserwählten Weihnachtsbäume. «Wie lange es diesen Brauch schon gebe?», wiederholt Ramser die Frage, während er das nächste Bäumchen durch die trichterförmige Verpackungsmaschine zieht. «Mindestens seit zweitausend Jahren», scherzt er und überreicht der wartenden Frau ihren nun in Netzfolie verpackten Weihnachtsbaum. Auch der anwesende Gemeindepräsident Stefan Schluep weiss keine Antwort.

Seit er sich erinnere, sei man, jeweils eine Woche vor Heiligabend, in den Wald gezogen, um einen Weihnachtsbaum zu holen, erzählt Schluep. Damals säbelten aber alle noch fleissig ihren Baum selber ab. Seit einiger Zeit übernimmt dies zum grössten Teil die Gemeinde. «Wenn man will, kann man aber noch immer seinen eigenen Baum fällen. Ein paar Leute schätzen das unheimlich», stellt Andreas Ramser klar.

Kleine Gemeinde, grosse Stimmung

Glühwein, Klausenmost, Weihnachtschrömli – der Verein der Landfrauen sorgt für eine gehörige Portion Weihnachtsstimmung. «Seit etwa sechs Jahren machen wir beim alljährlichen Weihnachtsbaumholen mit», sagt Annette Ramser von den Landfrauen. So lerne man alle Neuzuzüger kennen und fördere gleichzeitig den Zusammenhalt. «Ein schöner Brauch», heisst es von allen Seiten.

Auch Schluep betont: «Schöne Traditionen, wie diese muss man beibehalten.» Selbst wenn das Jahr für Jahr bedeutet, 200 Weisstannen anzupflanzen. Denn so viele wandern jedes Weihnachten in die Stuben der 1111 Schnottwiler. Aber die Mühe lohnt sich, denn «das Weihnachtsbaumholen und Schmücken ist das Schönste an Weihnachten», verrät ein Mädchen, wobei dessen Aussage noch im selben Atemzug relativiert wird: «Also gerade nach den Geschenken, meine ich.»