Feldbrunnen-St.Niklaus
Ja zu Wohnbaute im Zentrum

In Feldbrunnen-St.Niklaus will die Gemeindeversammlung ein anderes Projekt als der Gemeinderat. Eine Konsultativabstimmung an der nächsten Gemeindeversammlung soll deshalb zeigen, wie die Bevölkerung zu einer Beteiligung der Gemeinde stehen würde.

Nadine Schmid
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Die Einwohner bevorzugen das Projekt «Garo und Steiner», für das Anteilscheine gezeichnet werden können.

Die Einwohner bevorzugen das Projekt «Garo und Steiner», für das Anteilscheine gezeichnet werden können.

zvg

Drei Stunden lang drehte sich in der Turnhalle des Schulhauses alles nur um ein Thema: Welches Projekt soll am Dorfplatz gebaut werden und erschwinglichen Wohnraum für Senioren und junge Familien mit Kindern bieten?

Mit einer Mehrheit von 73 Stimmen haben sich die Einwohnerinnen und Einwohner an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung schliesslich in einer geheimen Abstimmung für das Projekt von René Garo und Pascal Steiner entschieden. Das Projekt vom Oensinger Architekturbüro zsb, welches vom Gemeinderat empfohlen wurde, erhielt 53 Stimmen.

«Es ist die Aufgabe des Gemeinderates, eine fundierte Empfehlung abzugeben», betonte die Gemeindepräsidentin Anita Panzer. Man habe mit Dieter Felber deshalb einen ausserkantonalen, unabhängigen Experten engagiert, welcher die beiden Projekte begutachtete. Die Entscheidung aber liege, wie Anita Panzer bereits zu Beginn
der Versammlung betonte, bei der Bevölkerung.

Dieter Felber sprach sich für das Projekt von Emil Zurmühle (Architekturbüro zsb) aus und auch der Gemeinderat vertrat diese Empfehlung. Vorteile seien etwa die besseren Fenstermöglichkeiten, da es aus zwei einzelnen Gebäuden bestehe und somit weniger dunkle Ecken entstünden. Positiv sei auch die Begegnungszone mit Wintergartenpavillon zwischen den Gebäuden. Da nur 14 anstatt 16 Wohnungen enthalten seien, wären diese zudem grösser.

Trägerschaft aus dem Dorf

In der Diskussionsrunde der Bevölkerung wurde aber klar, dass auch zahlreiche Argumente für das Projekt von Garo und Steiner vorhanden sind. So wurde positiv erwähnt, dass dieses über vier – anstatt zwei – Attikawohnungen verfüge oder auch, dass bereits ein ausgearbeitetes Betreuungskonzept vorliege. Einige brachten an, dass die beiden dreigeschossigen Komplexe der zsb Architekten zu hoch seien. Auch Architekt Pascal Steiner unterstrich, dass sein Projekt Rücksicht auf die Nachbarschaft nehme, da es eben nur zwei Vollgeschosse plus Attika umfasse.

Es waren aber nicht nur die architektonischen Elemente, die zu Diskussionen führten. Vielmehr gerieten diese zum Teil fast in den Hintergrund. Was vor allem interessierte, war die Trägerschaft: Während beim Projekt von Emil Zurmühle (zsb Architekten) die kantonale Pensionskasse als Investor vorgesehen gewesen wäre, wollen Garo und Steiner eine Aktiengesellschaft gründen, an der sich die Einwohner beteiligen können, und zwar auch durch den Kauf einzelner Anteilscheine à 2'500 Franken. «Das Eigentum, das gesamte Steuersubstrat und die Verantwortung für den späteren Betrieb der Liegenschaft bleiben damit in der Gemeinde», so René Garo. Er versicherte ausserdem, dass die Finanzierung von
2,25 Millionen bereits gesichert sei, es wurde schon von zwanzig Interessenten Unterstützung zugesichert.

Geheime Abstimmung gefordert

Das Projekt von René Garo und Pascal Steiner ist L-förmig, wird mit Minergie-Zertifikat gebaut und umfasst vier 21⁄2-, acht 31⁄2- und vier 41⁄2-Zimmer-Wohnungen. Die Mietzinsen würden unter den Mietpreisen für Neubauwohnungen in umliegenden Gemeinden liegen.

Nach zahlreichen Inputs aus der Versammlung stellte Paul Meier den Antrag, die Abstimmung geheim durchzuführen. Dies kam gut an, 70 Personen stimmten dem zu und der gut vorbereitete Gemeinderat zückte Urne und Stimmzettel. Von den 130 Anwesenden stimmten 73 für das Projekt Garo/Steiner und 53 für jenes von Emil Zurmühle.

Unbestritten war der Verkauf der gemeindeeigenen Grundstücke für 1,5 Millionen Franken an das Siegerprojekt. René Garo machte abschliessend darauf aufmerksam, dass die Gemeinde nun, da sie für 1,5 Millionen Franken Land verkauft habe, wieder liquide sei.

Eine Konsultativabstimmung an der nächsten Gemeindeversammlung soll deshalb zeigen, wie die Bevölkerung zu einer Beteiligung der Gemeinde stehen würde. Auch sie könnte schliesslich Anteilscheine zeichnen. Je nach Dauer der Bearbeitung von allfälligen Einsprachen soll das Baugesuch in etwa einem halben Jahr bewilligt sein, dann können auch die Anteilscheine gezeichnet werden.