Das Areal Riverside, die ehemalige Sulzer-Halle, ist ein Riesenungetüm von 300 Meter Länge. In der Halle produziert neben anderen die Nachfolgefirma Itema Webmaschinen für den Weltmarkt. Aber nicht in dem Ausmass, wie früher die weltbekannte Sulzer. «Aktuell stellen wir noch 100 bis 150 Webmaschinen in einem Nischenmarkt her», erklärt Personalleiter Rolf Sigrist.

Es sind Rolls–Royce-Maschinen, die in der Projektiltechnik bis zu 6,55 Meter breite Stoffbahnen weben können. «Es gibt Weber, die immer noch behaupten, dass eine Projektil-Webmaschine den besten Jeansstoff produziert», so Sigrist. Mit dieser Maschine ist Itema Zuchwil der einzige Anbieter. «Die Maschine hat ihren Preis. Aber die Unternehmer, die diese Maschine brauchen, zahlen diesen Preis.» Gegen 200'000 Franken sind es schon, die mit Extras einberechnet werden müssten.

140 Personen sind in Zuchwil beschäftigt. Darunter sind viele langjährige Mitarbeiter, die etliche Stürme in der Vergangenheit überstanden haben, auch wenn sie die Anfänge nicht miterlebt haben. 1950 übernahm die Sulzer die Gebäude von der Waffenfabrik Solothurn in Zuchwil. Mit den ehemaligen Mitarbeitern der Waffenfabrik hatte man die Ressourcen, um die ersten Projektil-Webmaschinen in Serie produzieren zu können. Diese Maschine dominierte in der Folge den Weltmarkt für Webmaschinen.

Das System wurde seit 1953, als die erste Projektil-Webmaschine gefertigt wurde, immer weiterentwickelt. In der Hochblüte, in den 1970er- und 1980er-Jahren wurden jährlich etwa 6000 Maschinen verkauft. Tausende von Mitarbeitern strömten auf der Nordsüdstrasse in Zuchwil Tag für Tag zur Sulzer.

Gute News an Weihnachten 2015

2001 verkaufte Sulzer den Bereich Textilmaschinen an den italienischen Webmaschinenproduzenten Promatech, welche der Familie Radici gehörte, und die damals schon zur Itema-Gruppe gehörte. Itema Zuchwil ist eine Nachfolgefirma. Nach wie vor ist die Familie Radici, laut Sigrist, Haupteignerin der Itema. «Wir haben uns dann entschieden, die Produktion in der Schweiz aufrechtzuerhalten, trotz nachteiligen Bedingungen wegen der Produktionskosten», erklärt Sigrist.

Seit 2007 ist die Nachfolgefirma Itema Mieterin in der Halle. Damals wurde das Areal an den englischen Investor «Nirvana International Ltd.» verkauft. 2012 übernahm Swiss Prime Site das Areal, die den Besitz später in ihre Anlagestiftung einbrachte.

«Wir wollen in der Schweiz bleiben mit der Produktion und dem Ersatzteilgeschäft», erklärt Rolf Sigrist die Absichten der italienischen Besitzer. Mit der neuen Besitzerin hat sich Itema als Mieterin wieder langfristig verpflichtet. «Ich mag mich gut an die Weihnachtsfeier 2015 erinnern, als ich den Mitarbeitern die Vertragsunterzeichnung mitteilte. Da ist vielen ein Stein vom Herzen gefallen.»

Dies war auch der Startschuss für den folgenden Umbau. 2016 und 2017 hat Itema laut Rolf Sigrist 10 Millionen Franken in diesen Umbau investiert. Dabei wurde die Produktionsfläche von 41'000 auf 23'000 Quadratmeter reduziert. Automatisierung, neue effizientere Maschinen, und die Erneuerung der Infrastruktur wie Böden, Licht, Räume etc. sind die Stichworte für diesen Umbau. Das Projekt lief über 18 Monate. Am morgigen Tag der offenen Tür will Sigrist zeigen, «dass es uns noch gibt und dass wir erfolgreich sind».

Lukratives Ersatzteilgeschäft

Etwa ein Drittel der benötigten Teile produziert Itema selber. Der Rest lässt die Firma auswärts produzieren. «Januar 2015 gab es einen Einschnitt mit dem veränderten Wechselkurs. Wir waren gezwungen, Lieferanten verstärkt im Euroraum zu suchen.»

Etwas unterschätzt wird der Bereich Ersatzteilgeschäft. Die Webmaschinen sind äusserst solide konstruiert. Ein Renner war die TW 11, die vor 50 Jahren produziert wurde. «Es gibt immer noch Leute, die mit dieser Maschine weben.» Seit 1953 wurden mehr als 150'000 Webmaschinen in aller Welt verkauft. «Wir betreuen noch Maschinen, die mehr als 30 Jahre alt sind.» Diese produzieren während 24 Stunden am Tag, nur unterbrochen von Service und Umrüstung.

Das Ersatzteilgeschäft ist mit einem Volumen von 70 bis 80 Mio. Franken das grössere Standbein in Zuchwil.«Eine Maschine generiert im Schnitt 2000 Franken für Ersatzteile jährlich», so der Personalleiter. Etliche Millionen Franken hat Itema beim Umbau auch in diesen Bereich gesteckt, etwa in die Automatisierung des Lagers mit über 120'000 verschiedenen Teilen. Roboter holen die Teile und stellen die Aufträge zusammen. Neu voll automatisiert ist das Sortersystem, das die Aufträge in die verschiedenen Bereiche aufteilt.

Täglich werden in Zuchwil gut 1000 Bezüge zusammengestellt, verpackt und spediert. «Wenn das Lager nicht läuft, stehen bei uns alle Ampeln auf Rot.»

Itema, Areal Riverside, morgen Samstag, Tag der offenen Tür, 9–15 Uhr.