Zuchwil
Investorin braucht Fussballplatz in Zuchwil für Grossüberbauung – Tschütteler wollen ihn nicht hergeben

Im Juni nimmt Zuchwil einen neuen Anlauf, das Gebiet an die Investorin Swiss Prime zu verkaufen. Statt Fussballplätze soll eine öffentliche Grünanlage für die dereinst über 1'000 neuen Bewohner des modernen Quartiers entstehen. Die Fussballer wehren sich.

Christof Ramser
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Ur-FCZler Daniel Weber hat auf der Widi eine zweite Heimat gefunden. Eine, die er nicht einfach so preisgeben will.

Ur-FCZler Daniel Weber hat auf der Widi eine zweite Heimat gefunden. Eine, die er nicht einfach so preisgeben will.

Christof Ramser

«Da würde ich lieber gar nichts dazu sagen.» Äussert ein Betroffener in einer Auseinandersetzung diese Bemerkung, geht es um ein delikates Geschäft. Auch der Präsident des FC Zuchwil möchte nicht zu viel zum Verkauf der Widi sagen.

Jenem Flecken im Zuchwiler Unterfeld, an dem eine schweizweit tätige Immobilienfirma wie der lokale FC interessiert sind. Im Juni nimmt die Gemeinde einen neuen Anlauf, das Gebiet an die Investorin Swiss Prime Anlagestiftung zu verkaufen. Statt Fussballplätze soll eine öffentliche Grünanlage für die dereinst über 1'000 neuen Bewohner des modernen Quartiers entstehen. Flaneure im Riverside Park statt Feierabendkicker auf der Widi.

Fussball passt nicht ins Konzept

Erst seit Kurzem weiss man, dass die Widi nicht überbaut werden soll. Was vermeintlich ein Pluspunkt ist, stört viele FCler. «Dann könnten wir gerade so gut dortbleiben und müssten nicht zügeln», sagt Daniel Weber.

Er ist Seniorenobmann beim FCZ, seit 30 Jahren im Club und hängt emotional am lauschigen Ort im Unterfeld. Bloss: Ein Fusspallplatz passt nicht ins Konzept der Investorin. Ein Konflikt mit Anwohnern wäre programmiert. Deshalb sollen die Vereine zügeln. Der FC ins Sportzentrum und der Tennisclub auf die Anlage des SC Scintilla, unweit der Kehrichtverbrennungsanlage.

Daniel Weber blickt über den Rasen zum Wäldchen. «Das ist unsere Ecke, unsere Heimat.» Hier spielt er bei den Superveteranen, steht bei Festen am Grill, trainierte Junioren. «Ich bin immer da, wenn man mich braucht.» Er kann nicht verstehen, warum das Gelände nördlich des Sulzer-Areals «nun auch noch überbaut werden muss», wo doch viele Wohnungen in Zuchwil leer stünden.

«Haben Kritik ernst genommen»

Gemeindepräsident Stefan Hug (SP) spricht von einem strukturellen Problem der Gemeinde aufgrund der fiskalischen Abhängigkeit von der Wirtschaft. Günstigen Wohnraum gebe es in Zuchwil genügend. «Wir wollen die soziale Verantwortung nicht abschieben.» Gehobener Wohnraum sei jedoch willkommen.

Er ist zuversichtlich, dass die Stimmbevölkerung an der Gemeindeversammlung am 27. Juni dem Verkauf zustimmt. Aufgrund des erwarteten Grossaufmarsches wurde schon einmal die Dreifachturnhalle beim Sportzentrum dafür reserviert. «Zuchwil kann sich nur noch an wenigen Orten entwickeln. Zudem wissen wir heute, wofür wir das Land verkaufen.» Man habe die Kritik der Gegner ernst genommen und das Möglichste getan, um den Umzug des Fussballclubs verträglich zu gestalten.

An der Basis im FC sieht man das anders. Daniel Weber glaubt, dass jene Klubmitglieder, die im Dezember 2014 gegen den Verkauf waren, auch im Juni Nein sagen werden. «Ich bin auch einer davon.» Der Herzblut-FCZler vermutet, dass der Club mit einem Umzug ins Sportzentrum an Attraktivität einbüsst und Mitglieder verlieren wird.

Auf dem offenen Feld beim Sportzentrum blase einem «unangenehm» der Wind um die Ohren. Ausserdem glaubt Weber, dort weniger Trainingsfläche zur Verfügung zu haben. Zudem würden mit einem Umzug Tausende Stunden Fronarbeit auf der Widi, sei es bei Renovationsarbeiten im Klubhaus, auf das man so stolz ist, oder beim Würstchenbraten am Grill, infrage gestellt. «Uns wäre es wohler, wenn wir hierbleiben könnten.»

«Nirgends besser als hier»

Ins gleiche Horn bläst Urs Blumenthal, Vizepräsident des Fanclubs Widi mit 120 Mitgliedern. «Wir haben es nirgends besser als hier.» Er wurde neben dem Fussballplatz geboren, wohnt noch heute im Quartier und ist, seit er laufen kann, im FC. Genau wie sein Vater und seine Geschwister. In den zehn Jahren seit der Gründung hat der Fanclub Widi den FC mit 40'000 Franken unterstützt, vom Geld profitierten vor allem die Junioren. «Die Ader des FC Zuchwil fliesst in der Widi.

Die Atmosphäre ist einmalig, selbst unsere Gegner freuen sich immer auf die Auswärtsspiele hier.» Die Terrasse ist voller Menschen, ein Speaker macht Stimmung, es gibt Musik. «Das alles würde mit einem Umzug verloren gehen.»

Man werde an der Gemeindeversammlung noch einmal alle aufbieten, um den Verkauf abzuwenden. «Das ist unsere einzige Chance.» Sollte man verlieren, wäre die Opposition aus Blumenthals Sicht zumindest nicht umsonst gewesen. «Dank uns hat Swiss Prime Site das Projekt überarbeitet und verbessert.»

Den Qualitätsgewinn des Bauprojekts betont auch Klubpräsident Mike Marti. Andererseits stellt sich auch für ihn die Frage, warum die Widi verkauft werden soll, wenn sie doch unbebaut bleibt.

Als Finanzchef der Gemeinde ist Marti in einem Interessenskonflikt. Deshalb enthielt er sich bei einer Vorabstimmung im FC-Vorstand der Stimme. Eine knappe Mehrheit habe dem Verkauf dort zugestimmt. «Was die Mitglieder an der Gemeindeversammlung sagen werden, weiss ich nicht.» Um dagegen zu sein, bräuchten sie aber gute Argumente.

Willkommen im Sportzentrum

Ein «absoluter Befürworter» eines Verkaufs und Umzugs des FC ist Urs Jäggi, Direktor des Sportzentrums Zuchwil. «Wir begrüssen den FC gerne auf unseren Anlagen.»

Man habe zwar nicht übermässig Platz, doch gerade deshalb müsse ein Kunstrasen gebaut werden. Die Kosten werden auf 1 bis 1,5 Millionen Franken veranschlagt. Das sei ein Gewinn für alle Seiten. Ausser in Solothurn und Olten gebe es im Kanton keinen Kunstrasen. Die Kapazität würde stark gesteigert.

Ob sich Sportzentrum und FCZ näherkommen, zeigt sich kommenden Donnerstag. Dann sind Gespräche geplant. Zur Debatte stehen unter anderem das Klubhaus, Werbebanner, Spiel- und Trainingszeiten. Selbst wenn der FC möglichst viel für sich herausholt; der Widi-Geist, so ist man an der Basis überzeugt, geht mit einem Umzug verloren.