Supersiech
Instrumente gegen Werkzeug getauscht: Bandmitglieder legen bei Renaturierung Hand an

Die Bandmitglieder von Supersiech haben in der Coronakrise an der Renaturierung der alten Oesch in Deitingen gearbeitet.

Rahel Meier
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Renaturierung Alte Oesch in Deitingen
11 Bilder
Die Wurzelstöcke und Steine verändern die Strömung im Bach.
Im nicht renaturierten Teil fliesst die Oesch im kanalisierten Bachbett.
Schon bald waren Pflanzen udn erste Kleinlebewesen zu sehen.
Aus Totholz aus dem Deitinger Wald werden Faschinen gebunden.
Die Ausrüstung zum Fischen kann auch für die Arbeit gebraucht werden.
Die Ausrüstung zum Fischen kann auch für die Arbeit gebraucht werden.
Für einige der Arbeiten mussten schwerere Geräte eingesetzt werden.
Für einige der Arbeiten mussten schwerere Geräte eingesetzt werden
Für einige der Arbeiten mussten schwerere Geräte eingesetzt werden
Die Enten fühlen sich wohl in der "neuen" Oesch. Zurzeit schwimmt auch flauschiger Nachwuchs herum.

Renaturierung Alte Oesch in Deitingen

Michel Lüthi

Supersiech: Das sind Dülü Dubach, Michael Leuenberger, Thomi Christ und Tobi Knuchel. Normalerweise machen die vier gemeinsam Musik und sind als Band auf Konzert-Tour in der ganzen Schweiz. Aber sie sind auch leidenschaftlich in der Natur unterwegs. Sei es als Hobby-Ornithologen oder als Freizeitangler. Seit Anfang 2019 haben sie darum die alte Oesch in Deitingen als Fischenz gepachtet. Tobi Knuchel kommt ursprünglich aus dem Berner Oberland aus einer Familie, in der Fischen Tradition hat. Schon als Kind hat er mitgeholfen, Gewässer zu renaturieren. «Ich hatte schon bald die Idee, dass man auch in der alten Oesch den Lebensraum für alle Tiere verbessern könnte», erklärt er.

Bewilligung wird vereinfacht erteilt

Seit rund einem Jahr werden Gesuche, die via kantonalen Fischereiverband eingereicht werden, vereinfacht bewilligt. «Der Fischereiverband ist interessiert daran, Gewässer aufzuwerten. Das sind wir auch», erklärt Gabriel Zenklusen (Chef Amt für Umwelt) auf Anfrage. Grundsätzlich gehe es nur um kleinere Massnahmen im Gerinne. Es müsse ein Konzept vorgelegt werden. «Das überprüfen wir und wenn es den Vorgaben entspricht, dann kann ein solches Gesuch bewilligt werden, ohne dass es vorgängig publiziert werden muss.» Die Gemeinde, in der ein Gewässer aufgewertet werden soll, muss allerdings ihr Einverständnis erklären. Ausserdem dürfen nur Massnahmen ausgeführt werden, die keine Hochwasserschutzprobleme verursachen. Ausdolungen oder bauliche Veränderungen am Ufer sind nicht erlaubt. Nach Abschluss der Arbeiten werde das Gewässer zudem von den kantonalen Behörden gemeinsam mit dem Fischereiverband abgenommen und die ausgeführten Massnahmen überprüft.

Fischen ist für Supersiech Erholung. «Unsere Instrumente haben wir definitiv besser im Griff als eine Fischerrute, allzu viele Fische haben wir bisher nicht aus der alten Oesch geholt», meint Thomi Christ. Im letzten Jahr habe es sich selten gelohnt, «den Grill anzuwerfen». Gefangen wird ab und zu mal eine Bachforelle. Als Tobi Knuchel mit der Idee kam, bessere Lebensräume zu schaffen, waren sofort alle begeistert. Unterstützt wurde die Band von Hans-Peter Beutler vom WWF. Er ist pensioniert, stellt sein Fachwissen aber als «gemeinnützig tätige Non-Profit-Organisation in den Dienst von Mensch, Natur und Umwelt».

Mit der Bewilligung kam auch die Krise

Er hat den vier Musikern bei den Planungsarbeiten geholfen. Anfang April lag die Bewilligung für die Arbeiten vor. Schon ab Mitte März haben die vier Supersieche mit den Vorbereitungsarbeiten begonnen. «Wir haben Instrumente gegen Kettensägen getauscht, Holz im Wald gesammelt und dieses zu Faschinen gebunden», so Knuchel. Wurzelstöcke, Findlinge, Kies – das Material, das für die Umsetzung der Arbeiten in der alten Oesch gebraucht wurde – kam entweder direkt aus Deitingen (Kiesgrube) oder aber sicher aus dem Wasseramt. Ursprünglich war geplant, dass die Arbeiten auf die nächsten vier Jahre verteilt werden. «Weil aber die Coronakrise kam und wir plötzlich keine Konzerte mehr spielen konnten, hatten wir auf einmal viel mehr Zeit.» Die Massnahmen seien deshalb grösstenteils bereits umgesetzt.

Die Bandmitglieder von Supersiech haben weit über 200 Mannstunden in die Renaturierung investiert. Finanziell unterstützt wurden sie vom kantonalen Fischereiverband und vom 111er-Club. Dieser Club unterstützt den schweizerischen Fischereiverband und seine Sektionen mit projektbezogenen Beiträgen – insbesondere für die Schaffung oder Verbesserung der fischereilichen Infrastruktur. «Auch die Bürgergemeinde, die Gemeinde und Flury-Emch Gartenbau haben uns in unserem Projekt grossartig unterstützt», erklärt Knuchel.

«Man findet bereits viel mehr Kleinlebewesen»

Supersiech hat entlang der alten Oesch Plakate aufgehängt, in denen erklärt wird, worum es bei den Massnahmen geht, die sie im Gewässer ausführen. Vorgängig habe man sich zudem auch mit den Bewirtschaftern der Felder entlang des Baches ausgetauscht. Schon nach kurzer Zeit stellte Supersiech erste Verbesserungen in der alten Oesch fest. «Man findet bereits viel mehr Kleinlebewesen im Wasser. Vögel finden Nistplätze und Fische Deckung», freut sich Tobi Knuchel. Und fügt an: «Damit haben wir etwas geschaffen, das Mensch und Tier nachhaltig Freude bereitet.»

Fischer schaffen in Kleingewässern Lebensraum

Auf der Basis des Handbuches «Fischer schaffen Lebensraum» des schweizerischen Fischereiverbandes lancierte der Solothurnisch Kantonale Fischereiverband (SOKFV) gemeinsam mit den örtlichen Fischereivereinen und Pachtgesellschaften ein kantonsweites Projekt, in dessen Rahmen von 2019 bis 2023 diverse Kleingewässer mit sogenannten Instream-Massnahmen ökologisch aufgewertet werden. Mit dem WWF Solothurn konnte zudem ein Partner gefunden werden, der sich mit freiwilligen Helfern an der Umsetzung von konkreten Massnahmen beteiligt. Im letzten Jahr wurden bereits fünf Teilprojekte und 300 Meter Gewässer aufgewertet. Für 2020 stehen 15 Projekte mit einer Gesamtlänge von rund zwei Kilometer zur Umsetzung an, wie Christian Dietiker (Präsident SOKFV) erklärt. Finanziert werden die Massnahmen durch den Ökofonds der Alpiq. Es stehen insgesamt 397'500 Franken zur Verfügung.

Die Instream-Aufwertung (Revitalisierung) der alten Oesch auf dem Gebiet der Gemeinde Deitingen ist ein Teilprojekt. Der Abschnitt ist 1,1 Kilometer lang. Die alte Oesch wurde vor rund 80 Jahren begradigt und ausgebaut. Die Fischgängigkeit in der alten Oesch wird als gut quantifiziert. Aber im Abschnitt Dorfausgang Deitingen bis zur Kantonsgrenze (Wangen an der Aare) ist infolge der harten Verbauung von Ufer und Sohle sowohl die Längs- und Quer- als auch die Tiefenvernetzung nicht gewährleistet. Es fehlt an geeigneten Strukturen, welche den Fischen die nötigen Lebensräume mit entsprechendem Schutz und geeigneten Laichsubstraten bieten. Aus diesem Grund soll die Strömungsdynamik des kanalisierten und gleichförmig fliessenden Gewässers sichtbar erhöht werden. Damit wird zusätzlich die natürliche Fischbesiedlung gefördert.

Prinzipiell dürfen nur Massnahmen ausgeführt werden, die von Menschen mit Hilfe von einfachen und von Hand bedienbaren Werkzeugen und Hilfsmitteln (Schaufel, Pickel, Vorschlaghammer, Kettensäge) umgesetzt werden können. Zudem ist darauf zu achten, dass möglichst nur natürliche Materialien eingesetzt werden. So wurden in der alten Oesch Faschinen eingebracht, dazu Pfahlbuhnen, Wurzelstöcke, Raubäume, Natursteine oder Lenkbuhnen. Auch Kies als Laich-Untergrund für Bachforellen wurde in den Bach geschüttet. (rm)

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