Biberist

In Zukunft sind in der Ortsplanung auch unkonventionelle Ideen gefragt

Die zurzeit grösste Baustelle in Biberist: An der Solothurnstrasse wird verdichtet und bis zu 16,5 Meter hoch gebaut.

Die zurzeit grösste Baustelle in Biberist: An der Solothurnstrasse wird verdichtet und bis zu 16,5 Meter hoch gebaut.

Die Gemeinden müssen sich nach innen entwickeln und ihr Siedlungsgebiet verdichten. Um Ängste zu nehmen ist Mitwirkung das Zauberwort. Das ist auch in Biberist so, wo derzeit zehn Planungen gleichzeitig laufen.

Die Raumplanung sei nicht nur für die Gemeinden eine Herausforderung, sondern auch für die Kantone, betonte Bernard Staub (Chef Amt für Raumplanung Kanton Solothurn) zu Beginn eines Kurzreferates. Er hielt dieses im Rahmen eines Workshops an der ETH Zürich (siehe Kasten unten). Der Kanton Solothurn sei ein komplexes Gebilde mit seinen 109 Gemeinden. «Davon haben 38 Gemeinden weniger als 1000 Einwohner, 69 weniger als 2000.» Biberist sei mit seinen 8500 Einwohnern eine der zehn grössten Gemeinden. «Das Siedlungsgebiet ist im Kanton Solothurn zu 88 Prozent überbaut.» Die heute bestehenden Bauzonen würden den Bedarf für die nächsten 15 Jahre abdecken. Der grösste Teil der Bauzone sei in W2 und in W3 eingeteilt. In einer W2-Zone würden durchschnittlich 46 Einwohner pro Hektare wohnen. «Die Gemeinden sind gefordert und müssen motiviert werden, damit sie sich weiter nach innen entwickeln.»

«Eigentlich wollten wir im Jahr 2012 die neue Ortsplanung genehmigen lassen», erklärte Uriel Kramer (Präsident Baukommission Biberist), der ebenfalls ein Referat hielt. «Aber wir arbeiten immer noch daran.» Zurzeit würden gleichzeitig zehn grosse Planungen innerhalb der Gemeinde laufen. «Der Kanton hat uns dabei geholfen, den Dorfkern, der uns sehr am Herzen liegt, zu entwickeln.» Im Gegensatz zu früher sei die Planung das eine, das andere sei es, den politischen Behörden die Überlegungen, die dahinter stehen, verständlich zu machen. «Wir arbeiten heute vermehrt mit Visualisierungen, damit sich auch Nicht-Fachleute vorstellen können, wie ein Projekt umgesetzt werden soll.»

Kramer ging kurz auf vier aktuelle Biberister Planungen ein: Die Arbeit rund um das Grundstück des St. Urs, das Areal der ehemaligen Papierfabrik, das Thema Rad- und Fusswege und schliesslich das Verdichtungspotenzial in den Quartieren. Bei Letzterem möchte Biberist neue Wege gehen. «Über die Hälfte unseres Wohngebietes ist der Wohnzone W2 zugeteilt. Alle haben ihren Garten und ihren Zaun.» Die Bevölkerung müsse einen anderen Blick bekommen und sehen, dass Verdichten nichts Schlimmes ist. Das andere Phänomen sei, dass sich die Menschen dort, wo dichter gebaut werde, vermehrt einigeln würden. «Sichtschutzwände und lieblose Parkierungsanlagen sind normal. Da leidet die Wohnqualität für alle.»

Mit der Ortsplanungsrevision sollen in Biberist Zonen definiert werden, in denen ein zusätzliches Geschoss aufgebaut werden kann, wenn der Bau als qualitativ gut betrachtet wird. «Das heisst, dass auch die Nachbargrundstücke in die Sicht einbezogen werden müssen.» Als «Möglichkeitsgebiet» werden diese Zonen zurzeit noch bezeichnet. «Das Allerwichtigste bei allen Planungsfragen, egal ob es um die Ortsplanung, um die Verdichtung oder einfach nur eine spezielles Projekt geht. Informieren und alle Beteiligten und die Bevölkerung miteinbeziehen.» Mitwirkung heisse das Zauberwort.

Nach diesen Input-Referaten wurde in Kleingruppen diskutiert. Dabei zeigte sich, dass die Problematik in den meisten Gemeinden ähnlich gelagert ist. Baulandhortung fiel immer wieder als Stichwort. Das Desinteresse der Bevölkerung an der Raumplanung scheint ebenfalls ein Problem zu sein. In einigen Gemeinden hat man es erlebt, dass zwar verdichtet gebaut wird, dass sich damit aber die Anzahl Einwohner nicht unbedingt vergrössert. Eine weitere Problematik, die sich fast überall abzeichnet, ist das Phänomen der Überalterung. Oftmals wüssten Grundeigentümer auch nicht, was auf ihren Grundstücken möglich wäre. Die heutigen Vorschriften würden an den meisten Orten das Aufstocken oder Anbauen der Gebäude ermöglich, aber es werde zu wenig davon Gebrauch gemacht.

«Immer voraus sein»

Die Quintessenz nach den Diskussionen war teilweise ernüchternd: Die bestehenden Verfahren und Instrumente reichen nach Meinung der ETH-Workshopteilnehmer nämlich nicht aus, um der Innenentwicklung zum Durchbruch zu verhelfen. Die Gemeinden müssten immer einen Schritt voraus sein. Innenentwicklung sei ein immerwährender Prozess für die Gemeinden, aber auch die Grundeigentümer. Und als ganz wichtig wurde empfunden, dass Innenentwicklung ohne Aussensicht nicht möglich ist. «Mit der Zeit wird man gemeindeblind und sieht Entwicklungspotenzial selbst nicht mehr.»

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