Hornussen

«In keiner anderen Sportart kann ein Vater zusammen mit den Kindern in einer Mannschaft spielen»

Das interkantonale Hornusserfest in Messen ist bei optimalen Verhältnissen gestartet. Am nächsten Wochenende steht dann das Nordostschweizer Verbandsfest auf dem Programm.

Nach einer stürmischen und regnerischen Nacht zeigt sich der Samstagmorgen noch wolkenverhangen, die Sonne setzt sich jedoch bald durch. Ideales Wetter für das interkantonale Hornusserfest in Messen. Bei den 15 Ries wärmen sich die Spieler auf.

Schwünge mit dem Stecken werden geübt, Schultern gelockert, Oberschenkel gedehnt. Manch einer lässt noch ein «Angstbisi» in den Limpachkanal. Die Mannschaften stehen zusammen und feuern sich mit ihren Schlachtrufen an.

Punkt halb zehn donnert der Böllerschuss, der den Spielanfang ankündigt, durchs Limpachtal. Nun ist Konzentration gefragt. Voller Kraft und mit hoher Präzision führt der Spieler am Abschlag den Stecken mit sirrendem Geräusch durch die Luft und über den Bock. «Klack», fliegt der Nouss in hohem Bogen davon. «Guet, Ürsu!» «Super, Pesche!», «Das ist Musik!», loben die Teamkollegen.

In die Mannschaft auf dem Feld kommt Leben. Mit Rufen zeigen die Fänger die Flugbahn des Nouss an und werfen ihre Schindeln in die Luft. Ein dumpfes «Plop»: das Flugobjekt ist getroffen. Die Mannschaftsmitglieder arbeiten vor den Spielzügen Hand in Hand. Einer schmiert den Bock, einer recht den Sand glatt, ein weiterer setzt den Nouss auf den Bock. Der Spieler, der als Nächster am Zug ist, haut Löcher in den Boden und rammt Metallplatten hinein, damit seine Füsse optimalen Halt finden.

Sinnvolle Freizeitbeschäftigung

In der Pause vor der Neueinteilung für den zweiten Durchgang fachsimpeln die Spieler bei einem währschaften Sandwich über den Spielverlauf und analysieren ihre Schläge. 30 Mannschaften der 3. und 4. Stärkeklasse sind am Samstag am Start und geben ihr Bestes. Auffallend sind die vielen jungen Teilnehmenden. «Zusammen mit der Familie eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung draussen ausüben», geben sowohl Väter als auch Töchter und Söhne als Motivation an, diesen Sport zu betreiben. «In keiner anderen Sportart kann ein Vater zusammen mit den Kindern in derselben Mannschaft spielen», schätzt ein Vater aus Moosseedorf. Das jüngste Vereinsmitglied ist elf Jahre alt. Die Gerlafingen-Zielebacher sind stolz auf ihren erfolgreichen Nachwuchs. Die 13 Jungen und fünf Mädchen wurden bereits zweimal Emmentaler Meister.

«Spass haben, die gute Stimmung geniessen, die Gemeinsamkeit von Jung und Alt», nennt der stolze Obmann der Nachwuchsmannschaft als Antrieb, dem Hornussersport zu frönen. Das Ziel am heutigen Tag ist ganz klar: «Keinen Nouss runterlassen», sagt er ohne Zögern. Neben den wöchentlichen Trainingsstunden während des Sommers, finden sich auf den Programmen der meisten Vereine regelmässig gesellschaftliche Anlässe wie beispielsweise Raclette-Essen, Bowlingspiel oder ähnliche Aktivitäten, um die Kameradschaft zu festigen.

Weichen früh gestellt

Bereits vor vier Jahren wurden die ersten Weichen für die Durchführung des Festes gestellt. Damit die benötigten Spielfelder rechtzeitig bereit waren, mussten die Landwirte schon damals ihre Fruchtfolge entsprechend planen, erklärt OK-Präsident Beat Stähli. Daniel Rätz, Präsident des Trägervereins «Hornusserfeste 2017 Messen», windet den Landbesitzern, die ihr Land zur Verfügung gestellt haben, ein Kränzchen. «Ohne deren Zustimmung wäre ein solcher Anlass nicht möglich gewesen», schreibt er in der Festschrift.

25 Hektaren Land haben sie bereitgestellt. In zwölf OK-Sitzungen während knapp zwei Jahren wurde der Grossanlass auf die Beine gestellt. Der Trägerverein besteht aus der Hornussergesellschaft Messen und den Schützenvereinen Ramsern und Balm.

Am interkantonalen Hornusserfest und dem Nordostschweizer Verbandsfest am nächsten Wochenende werden über 2000 Hornusser und Hornusserinnen erwartet. Zahlreiche Helfer und Helferinnen sorgen für einen reibungslosen Ablauf und für das leibliche Wohl der Teilnehmenden und Gäste.

Schöner Gabentempel

Auf dem Festplatz haben Landschaftsgärtner einen grossen Teich inklusive Seerosen und Springbrunnen erstellt. Bunte Astern, Dahlien und Nelken säumen dessen Ufer. Zahlreiche Sponsoren und Gönner haben einen reichhaltigen Gabentempel ermöglicht. Trinkhörner, Glocken und Bernerkannen sind apart auf mit Blumen geschmückten Strohballen präsentiert.

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