Im Volksmund heisst das Gehöft mit Wohnhaus und Scheune, das an der Ecke von Haupt- und Artmattstrasse liegt, etwas respektlos «Wigger-Hütte». Weil die guten Zeiten des Gebäudes längst vorbei sind, will nun ein Privatinvestor das Gebäude abreissen und stattdessen ein modernes Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage errichten. Vorgestellt wurden Gestaltungsplan und Teilzonenplanänderung durch Vertreter der Zürcher Firma Novaron, die mehrere Bebauungsvarianten geprüft hatte.

Vorgesehen ist ein dreigeschossiges Gebäude, das, wie Gemeinderat Reto Werthmüller lobte, «der Idee des Gerlafinger Leitbildes» entspricht. Das Erdgeschoss verbindet Wohnen und multifunktionale Nutzung, die beiden oberen Stockwerke plus Attika umfassen Wohnungstypen in unterschiedlicher Grösse. Loggien an der Vorderseite und Balkons an der Hinterseite vermitteln mit grossen Fensterflächen ein ruhiges Fassadenbild. Der Gemeinderat wird nach Klärung aller planungsrechtlichen Fragen den Entwurf ans Raumplanungsamt weiterleiten und danach zur öffentlichen Auflage freigeben.

Wichtige Verkehrsplanung

«Heute gibt es im Gemeinderat nichts zu beschliessen, dafür aber wichtige Fakten zu speichern und später zu bewerten», so Gemeindepräsident Philipp Heri. Zwei Verkehrsprojekte des Kantons sind in einigen Punkten miteinander verknüpft und wurden im Gemeinderat vorgestellt.

So plant der Kanton, die Obergerlafingenstrasse vom Gerlafinger Kreisel bis zur Abzweigung Sonnenfeldstrasse zu sanieren und den Strassenraum zu verändern. Das Vorhaben, dessen Bauzeit in zwei Phasen auf je 17 Wochen veranschlagt wird, ist mit dem Neubauprojekt Mühlacker, das gerade entsteht, koordiniert.

Entstehen sollen in einem verengten Strassenbild Mittelinsel, mehrere Mehrzweck- und Grün- sowie Fussgängerstreifen. Diese markierten Übergänge über die Obergerlafingenstrasse verbinden den geplanten Fuss- und Veloweg zwischen den Schulzentren Gländ und Kirchacker.

Weil die Schüler aus unterrichtstechnischen Gründen zwischen den Schulhäusern pendeln, muss die Sicherheit im Strassenverkehr oberste Priorität erhalten. Eine gemeinderätliche Arbeitsgruppe hat gemeinsam mit einem Ingenieur eine Langsamverkehrsroute abseits der grossen Achsen entwickelt.

Gequert wird die Kornfeldstrasse, und nach Befahren weiterer Quartierstrassen erreicht man das Zentrum Kirchacker und damit Gelände von Nachbar Obergerlafingen. Über die Modalitäten zum Wegausbau muss hier noch verhandelt werden.

Skeptisch sah die CVP, vertreten durch Thomas Stulz, die vorgesehene Durchschneidung des Oberfeldparks mit dem drei Meter breiten Rad- und Fussweg. Auch andere Ratssprecher beurteilten die Route nicht als das Optimum und suchten nach Alternativen. Bauverwalter Ewald Kaiser, der in alle Planungen intensiv involviert ist, relativierte aber weitere Möglichkeiten.

Beides möglich?

Angemeldet werden soll das gesamte Paket aus Strasse und Langsamverkehrsroute für Bundessubventionen in Höhe von 35 Prozent aus dem Agglomerationsprogramm 3. Generation. «Aber können wir uns die doppelte Belastung durch Gemeindebeiträge an beide Projekte überhaupt leisten, oder sollen wir beide Vorhaben entkoppeln?», fragten sich Ratsmitglieder.

Denn zusätzlich sollten auf der Obergerlafingenstrasse auch alte Werkleitungen erneuert werden. Dazu muss die Bauverwaltung die Kosten noch ermitteln. Finanziert werden müssen alle Wegebauten auf Gemeindegebiet in Höhe von rund 300'000 Franken. Ob künftig indes auf kommunale Beiträge an den Bau von Kantonstrassen verzichtet werden kann, hängt, wie im Rat orientiert wurde, von der Annahme des Verkehrsgesetzes ab.

Die Vertretung des Tiefbauamtes würde die öffentliche Auflage dieser Strassensanierung im Umfang von 1,3 Mio. Franken gerne forcieren, um im März 2019 bauen zu können. Welches Umleitungs-Verkehrsregime für die Bauzeit gewählt wird, muss noch besprochen werden. Eine kurz skizzierte Umgehung des Baubereichs über Sonnenfeld-, Kornfeld- und Kriegstettenstrasse würde angesichts der Verkehrsbelastung der Obergerlafingenstrasse wohl kaum dauerhaft Freude machen, überlegten Ratsmitglieder.