Viele Schweizer essen gerne Fisch. Was die Schweizer Berufsfischer aus den Gewässern ziehen, ist meist Stunden später schon gegessen. Die Nachfrage ist höher als das Angebot. Über 90 Prozent des Fisches, der in der Schweiz konsumiert wird, stammt aus dem Ausland. Was liegt da näher, als Fisch zu züchten. Fischzuchtanlagen sind spezialisierte Betriebe mit einem hohen Investitionsbedarf. Jetzt aber sieht es danach aus, als ob die Landwirtschaft hier eine Lücke entdeckt hat.

In Mühledorf will Michael Lätt in der Mühle eine Fischmastanlage installieren. Die Baupublikation zeigt einen Umbau eines ehemaligen Schweinestalls in der Gewerbezone an. Grundeigentümer und Bauherr ist die Goldfarm AG von Michael Lätt, welche beinahe alle Liegenschaften der Mühle besitzt. Der 32-Jährige hat letztes Jahr die Firma von seinen Eltern als Geschäftsführer in der achten Generation übernommen. «Ich habe Konstrukteur gelernt und Maschinentechniker angehängt.» 15 Jahre lang arbeitete er für die Scintilla. Im letzten Jahr folgte noch eine Management-Ausbildung. Nun kann er im grossen Mühle-Areal wirken.

So alt wie der Rütlischwur

Das Gewerbegebiet Mühle, ursprünglich ein Mühlebetrieb mit Bauernhof, später kam auch eine Teigwarenproduktion dazu, heute ein Bauernbetrieb und viele umgenutzte Liegenschaften, erfährt aktuell wieder einmal eine Umstrukturierung. Es ist nicht die erste. Die Mühle wurde bereits am 11. 12. 1301 erstmals erwähnt, 40 Jahre nach der erstmaligen Erwähnung von «Mülidorf». 1810 kam die Mühle in den Familienbesitz der Lätts. Lätt startete im letzten Jahr die Umstrukturierung und gründete den Fischverarbeitungsbetrieb Highfisch GmbH. Die Fische der Zuchtanlage werden von der Highfisch GmbH verarbeitet. Aber Michael Lätt wird die Fischzuchtanlage auf seinem Gelände nicht selber betreiben. Mieter der Fischmastanlage wird der Mieter des Bauernbetriebes sein. Landwirt Marcel Schlup, der Schweinezucht betreibt, absolviert zurzeit die Ausbildung zum Fachmann Aquakultur. Das dreimonatige Praktikum sei Voraussetzung für den Betrieb der Fischmastanlage.

In der Indoor-Fischmastanlage werden sieben Tonnen Fisch jährlich heranwachsen. Dabei wird nur eine Fischart gezüchtet, der Cyprinus Carpio, Karpfen. Die Anlage beinhaltet drei mobile Becken und eine Filteranlage. Durch das geschlossene Kreislaufanlagensystem könnten weder Fische, Abwässer noch Schlamm in die öffentlichen Gewässer gelangen. Fischkot und Futterreste landen über die Gülle als Dünger wieder auf der Anbaufläche. «Weil keine tierischen Proteine drin sind, ist das kein Problem», so Lätt.

Der Karpfen sei ein nachhaltiges Produkt. Der Landwirt kann das Futter (gequetschtes Getreide) für den Cyprinus selber produzieren. «Der Cyprinus ist ein Vegetarier. Er frisst keine anderen Fische wie beispielsweise die Forelle.» Die Jungfische werden bereits nach sieben Monaten geschlachtet. Dann sind sie 300 bis 400 Gramm schwer.

Noch im Aufbau

Die Fische werden ausschliesslich über den Verein Fisch vom Hof vermarktet. «Der Verein handelt aber nicht mit dem Produkt. Mit dem Verein sind die Landwirte organisiert, und können gemeinsam auftreten», so Michael Lätt. Der Verein unterstütze die Landwirte beim Aufbau des nachhaltigen Fischmastbetriebs und garantiert die Abnahme der Fische und den Verkauf an den exklusiven Vermarkter, eben die Highfisch GmbH von Lätt. «Die Schwierigkeit ist schon, dass man regelmässig eine gewisse Menge Fisch liefern kann.» Ein Landwirt alleine produziere zu wenig, um die regelmässige Lieferung zu decken. «Es braucht mehrere, die gemeinsam an einem Strang ziehen.»

Die ganze Struktur ist noch im Aufbau. Präsident des Vereins Fisch vom Hof ist im übrigen Heinz Buri, Mitinhaber der Highfisch GmbH und diplomierter Fischwirtschaftsmeister, ausgebildet im bayrischen Starnberg. «Die Ausbildung gibt es in der Schweiz nicht», erklärt Michael Lätt. Aktuell wird Montag und Mittwoch geschlachtet und Dienstag sowie Donnerstag geliefert. «Wir haben ein supercooles Produkt, das wir an die Gastronomie liefern dürfen», freut sich ein stolzer Michael Lätt.