«Comics» besagen die dreidimensionalen Buchstaben aus Karton auf weisser Wand. Sie empfangen den Besucher im Dachstock des Näijerehuus. Sie sind eine Überschrift und eine Ansage zugleich. Und noch bevor man sich der ersten Zeichnung zuwendet, hat sich eine von Leichtigkeit geprägte Stimmung breitgemacht.

Die Künstler Helen Aerni, Marcel Bertsch-Junger sowie das Duo Nadia Bader und Gabriel Andres zeigen im Dachstock vorwiegend 24-Stunden-Comics. Das sind Geschichten in Folgen von gezeichneten Bildern, meist kombiniert mit Text, die innerhalb von 24 Stunden auf 24 Seiten entstanden sind. Die ausgestellten Werke waren alle Eingaben für den gleichnamigen Wettbewerb in der Alten Kaserne Winterthur. An diesem jährlich stattfindenden Anlass zeichnet jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer einen eigenen Comic, wobei die Geschichte vor Ort geschrieben, gezeichnet, koloriert und ausgeschmückt wird. Technik, Thema und das Format sind frei.

Auf einem Sockel liegt das Heft mit dem Comic «In medias res» auf: Nadia Bader und Gabriel Anders – sie verantwortet die Zeichnungen, er den Text – thematisieren darin ihre Erfahrung des 24-Stunden-Comic-Zeichnens. Damit bringen sie auch einem unkundigen Publikum dieses spezielle Art des Zeichnens näher.

Analoge und digitale Techniken

Marcel Bertsch-Junger, Spiegel bei Bern, stellt seine kompletten 24-Stunden-Comics von 2014, 2015 und 2016 aus. Während er seine Zeichnungen mit rasch geführtem Stift und vereinfachten Formen in schwarz-weiss belässt, kolorieren die anderen ihre Zeichnungen nachträglich. Nadia Bader und Gabriel Andres, beide aus Olten, tauchen die Zeichnungen digital am Computer in Farbe.

Helen Aerni, Obergerlafingen, hingegen koloriert sie mit Pinsel und Aquarellfarbe. Für einige ihrer Arbeiten kombiniert sie analoge und digitale Techniken. Sie zeichnet seit 20 Jahren Comics. Aerni legt eine überzeugende Vielseitigkeit an den Tag. Nicht nur stilistisch, sondern auch in ihren Themen. In der Ausstellung zeigt sie unter anderem «Fragmente», wie sie ihre kurzen Geschichten nennt. «Nach meinem ersten Epos wollte ich mich nicht wieder einem Projekt zuwenden, dessen Stil der Konsistenz wegen auf mehrere Jahre fix bleiben muss», so Aerni.

Verschiedene Charaktere und auch einzelne Teile der Story waren ihr ans Herz gewachsen und an diesen Einzelelementen wollte sie weiter arbeiten. «Dadurch entstand die Idee mit den Kurzgeschichten, welche für sich allein stehen, zusammen aber ein Ganzes ergeben.» Das gebe ihr schliesslich die Freiheit, ihren Stil jeweils einer Geschichte anzupassen. Aerni ist gelernte Grafikerin und arbeitet 80 Prozent als Webdesignerin. Einen Tag hält sie sich für das Zeichnen frei.

Kongeniale Zusammenarbeit

Nadia Bader hat beruflich ganz auf Kunst gesetzt. Sie ist Gestalterin im Bereich von Zeichnen, Comics und Illustration und arbeitet und forscht in der Kunstpädagogik. Seit 2014 arbeitet sie an ihrer Dissertation «Zeichnen - Reden». Zurzeit ist sie auch als akademische Mitarbeiterin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart tätig. Unter dem Titel «Comic-Collab Bader Andres» arbeitet Bader mit Comicautor Gabriel Andres zusammen. Ihre Projekte entstehen vom Konzept bis zur finalen Umsetzung im engen Austausch. Seit 2008 realisieren sie gemeinsam Magazinbeiträge und kleine Hefte im Selbstverlag. Einmal pro Monat veröffentlichen sie zudem auf Baders Blog Kurzgeschichten. 2017 haben Nadia Bader und Gabriel Andres einen kantonalen Förderpreis erhalten.

Das vermittelnde Moment ist Ausstellungsmacher Georg Schmid sowie den Ausstellenden wichtig. In kurzen Texten werden Hintergründe erläutert. Einige Exponate zeigen jeweils die Originalzeichnung im Vergleich zum fertig kolorierten Bild. Die 24-Stunden-Comics werden in der Ausstellung durch weitere Arbeiten wie etwa den erotischen bis pornografischen Comic sowie eine Leseecke ergänzt.

Sa., 27. 10., 9–11.30 Uhr, Workshop mit Nadia Bader und Gabriel Andres. So., 28. 10., Konzert Stellamar, «Solo tu». Sa., 3. 11., 9–11.30 Uhr, Workshop mit Marcel Bertsch-Junger. Infos: www.n-h.ch.