Donauradweg
In drei Etappen ans Schwarze Meer: Zwei Obergerlafinger gehen auf Europareise

Die Obergerlafinger Bruno Käser und Silvia Hess sind in drei Etappen der Inn und Donau entlang von Scuol nach Constanta ans Schwarze Meer gefahren. Das Aussergewöhnliche? Ihr Alter.

Natalie Joray
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Bis nach Rumänien fuhren (und übernachteten) die beiden Obergerlafinger meist auf den Dämmen. Hier auf dem Damm bei Fajsz in Ungarn.
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Meist wird wild gezeltet: Oft gab es keine oder nur geschlossene Zeltplätze.
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Eine wohlverdiente Pause
Teilweise scheint es, als stehe die Zeit still
Teilweise scheint es, als stehe die Zeit still
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Die Fähre bei Silistra, Bulgarien
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Obergerlafinger auf Velotour ans Schwarze Meer
Ein Tourero

Bis nach Rumänien fuhren (und übernachteten) die beiden Obergerlafinger meist auf den Dämmen. Hier auf dem Damm bei Fajsz in Ungarn.

zvg

Im Alter noch Sport machen? Nicht unmöglich: die beiden Obergerlafinger Bruno Käser (71) und Silvia Hess (65) radelten innerhalb von einem Monat von Budapest in Ungarn nach Constanta am Schwarzen Meer.

Dass das ungewöhnlich ist, war ihnen nur nach den Reaktionen der Menschen klar, die sie auf ihrer Tour angetroffen haben. «Die Leute waren erstaunt. Die Velofahrer, die diese Tour machen, sind in der Regel jung», erzählt Hess. Zwar hätten sie sie nie persönlich gefragt, ihren Partner Bruno Käser aber schon. Das Alter hat ihnen «irrsinnig viele Türen aufgemacht», und sie seien dadurch laufend ins Gespräch gekommen.

Hess fing an Velo zu fahren, als sie von Obergerlafingen nach Basel zur Arbeit pendelte. Zwar fuhr sie mit dem Zug von Solothurn nach Basel, die Verbindung von Obergerlafingen nach Solothurn war jedoch so umständlich, dass sie das Velo nahm. Auch von Bahnhof in Basel nahm sie das Velo zum Arbeitsplatz.

Aus den Kurzstrecken wurden immer längere Touren. Zuerst in der Schweiz, dann von der Schweiz aus bis an die Mündung des Rheins, dann von Lettland dem eisernen Vorhang entlang nach Polen. «Damals habe ich noch gearbeitet», erklärt Hess, «ich hatte immer das Problem, dass ich rechtzeitig zurück sein musste.»

Von Scuol nach Constanta

2015 starteten Hess und ihr Partner Käser ihre Tour entlang der Inn und der Donau. Von Scuol aus ging es nach Linz. Dort mussten die beiden Obergerlafinger ihre Reise nach 720 km abbrechen. Denn obwohl beide unbedingt weiter bis ans Schwarze Meer fahren wollten, fehlte ihnen die Zeit. Mit verbesserter und leichterer Ausrüstung radelten sie 2016 von Linz weiter bis Budapest, eine Strecke von insgesamt 680 km.

Der Donauradweg

Der Donauradweg ist ein insgesamt 2850km langer Fernradweg, der von der Quelle der Donau in Deutschland bis zur Mündung ins Schwarze Meer in Rumänien führt. Silvia Hess und Bruno Käser sind in den letzten zwei Etappen ihrer Velotour dem Donauradweg entlang gefahren. Zuvor folgten sie den Lauf der Inn von Scuol nach Linz.

Dieses Jahr hatten Silvia Hess und ihr Partner Bruno Käser mehr Zeit und legten den Rest der Strecke von Budapest bis Constanta am Schwarzen Meer zurück. In etwas weniger als einem Monat radelten sie 1680 km und durchquerten dabei fünf Länder. Insgesamt haben die beiden 1680 Kilometer zurück. Durchschnittliche Tagesstrecke: 80km. Bis Budapest nahmen die Velofahrer den Zug, sonst wurde fast alles auf dem Velo zurückgelegt. «In Rumänien brauchten wir einen „velofreien Tag“ um 175 km mit dem Zug zu fahren», so Hess, «um etwas Distanz zu gewinnen.»

Die zuvor unternommenen Velotouren und die Erfahrungen, die die beiden gemacht haben, halfen ihnen, auf das Nötigste zu reduzieren: «Wir wissen jetzt, was wir wirklich brauchen, und was Luxus ist.» Auch ihre Ausrüstung verbesserte sich nach jeder Tour: «Wir sind dieses Jahr zum ersten Mal mit GPS gefahren» sagt Silvia Hess, das sei vor allem vor allem im ersten Teil der Reise wichtig gewesen, da sie dem Fluss entlang und nicht auf den Strassen gefahren sind. Da das Ufer der Donau in Rumänien Schwemmgebiet ist, mussten sie dort auf den Strassen fahren. Diese waren ausgeschildert.

«Davon kann man in der Schweiz nur träumen»

Die Erfahrungen, die Hess und ihr Partner auf ihrem Weg von Budapest nach Konstanza und wieder zurück machten, waren fast durchwegs positiv, meist wurden die Erwartungen sogar übertroffen: «Wir sind mit sehr gemischten Gefühlen nach Rumänien eingereist, alle haben uns gewarnt, dass uns dort alles geklaut wird.» Diese Vorurteile konnten schnell abgelegt werden: «Die Leute waren sehr herzlich, hilfsbereit und gastfreundlich. Davon kann man in der Schweiz nur träumen.»

Ein Beispiel: «In einem rumänischen Dorf haben wir gefragt, ob es den Zeltplatz gibt, den wir auf der Karte haben. Ein Mann, der Französisch konnte, hat uns gesagt, dass wir zum Dorfladen gehen sollen. Als wir dort angekommen sind, haben uns die Leute schon erwartet», erinnert sich Hess. «In der kurzen Zeit, in der wir vom einen Ende zur Mitte des Dorfes gefahren sind, haben sie das Elternschlafzimmer, in dem wir übernachteten, geräumt und sind in das Kinderschlafzimmer gezogen. Sie haben uns zum Abendessen und zum Frühstück eingeladen. Als wir uns nach dem Preis erkundet haben, haben sie nichts verlangt, am Schluss zahlten wir einige wenige Franken.»

Nicht nur die Gastfreundschaft war überwältigend. Auch die Natur hat einen grossen Eindruck hinterlassen. Und zu guter Letzt die Lebensweise: «Es war wie in einem anderen Jahrhundert.» erzählt Silvia Hess, «Ich habe das Gefühl gehabt, als wären wir 200 Jahre in der Zeit zurück gereist.»

Velo-freie Staatsbahnen

Zwar gab es auch einige Hindernisse auf der Reise, die guten Momente haben die schlechten aber bei weitem Übertroffen. «Die grösste Schwierigkeit war die Rückreise in die Schweiz,» sagt Hess, «denn die rumänischen Staatsbahnen erlauben keine Fahrräder in den Zügen. Es ist nicht vorgesehen.» Statt der Direktverbindung mit Zug musste also improvisiert werden. So leisteten sich Hess und Käser von Constanta nach Bukarest ein Taxi.

Von Bukarest aus mussten die Fahrer und ihre Velos getrennt weiter: Nur der Schaffner des Schlafwagens erlaubte das Mitführen von Velos – gegen Bezahlung natürlich. «Das sind zwar negative Erlebnisse gewesen, nach ein paar Stunden hat man es aber schon wieder vergessen. Wir hatten keine Pannen, wir sind nicht krank geworden und haben keine negativen Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht», erzählt Hess, «Wir waren unglaublich überrascht gewesen, das es so gut gegangen ist.»

Pläne für die Zukunft

Ende Juni dieses Jahres wird Silvia Hess, diesmal ohne ihren Partner, schon wieder für zweieinhalb Monate auf Velotour sein. Sie möchte in Kanada ein Teil des 13‘000 km langen Great Trails mit dem Velo fahren.

Bei den ca. 3500 km von Neufundland bis Ottowa rechnet Hess mit schlechten Strassen und starkem Wind. Darum muss sie jetzt das Gewicht der Ausrüstung von etwa 35kg auf 20kg reduzieren und auch sonst optimieren. «In Kanada wird es keine Übernachtungsmöglichkeiten haben und nur wenige Ortschaften, wo man sich neu versorgen kann», erklärt Hess, «man ist vollkommen in der Natur, darum muss das Gepäck auf das Nötigste reduziert werden.»

Ausser dem Velofahren interessiert sich Hess auch für das Tauchen. Sie hat, nachdem sie über fünfzehn Jahre Reiseleiterin war, als Tauchspezialistin gearbeitet. Auch diese Leidenschaft führt sie weit über die Landesgrenzen: «In der Schweiz tauche ich schon länger nicht mehr», erzählt Hess, «ich tauche aber immer noch ein bis zwei Mal im Jahr im Ausland, meist mit einer meiner Töchter.»

Silvia Hess dokumentierte die Donaufahr auf ihrer Website «Tourero»

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