Wie gingen die Oberdörfer im Mittelalter mit den Einnahmen aus der Wallfahrt zu ihrer Kirche Mariä Himmelfahrt um? Wie mit ihrem «Vorgesetzten», dem St.-Ursen-Stift? Standen die Wallfahrtskirchen Oberdorf, Mariastein und Einsiedeln in Konkurrenz zueinander?

Wie unbescholten waren die Pfarrer und Kapläne eigentlich? Und: Die Solothurner – ein Volk von Zockern? Die Solothurner – Abenteurer bei der Niederländischen Ost-Indien-Kompanie?

Antworten und natürlich viel Lesenswertes findet man im soeben erschienenen «Jahrbuch für Solothurnische Geschichte 2015», herausgegeben vom Historischen Verein des Kantons Solothurn.

Die Herausgabe des Jahrbuchs ist ein Höhepunkt unter den verschiedenen Anlässen zum Jubiläum 400 Jahre Kirche Oberdorf – und die Freude an der Buchvernissage am Freitagabend in der vollbesetzten Kirche war gross: Die verschiedenen wissenschaftlichen Beiträge zum Jubiläum geben einen umfassenden Einblick in die spannende Geschichte der Pfarr- und Wallfahrtskirche – sie machen über die Hälfte des 500 Seiten starken Werkes aus!

Urban Fink-Wagner, Mitautor und Redaktor des Jahrbuchs, forderte in seiner Ansprache die Anwesenden dazu auf, einen Blick auf das prachtvolle Innere des «heutigen Stars», der Kirche Oberdorf, zu werfen. Die reiche Ausstattung zeige die Besonderheit des Gotteshauses, in dessen Geschichte die verschiedenen Artikel einen einzigartigen Einblick geben.

Urban Fink nannte den Beitrag von Silvan Freddi über den Einfluss des St.-Ursen-Stifts auf Oberdorf im Mittelalter und den von Daniel Sidler über die überregionale Bedeutung von Oberdorf als «Gnadenort».

Er verwies auf den Artikel von Gregor Jäggi, der eruiert, wer alles spendete und so den Kirchenbau überhaupt ermöglichte, sowie auf die Beiträge von Stefan Blank und Brigitta Berndt, die der Bau- und Renovationsgeschichte von Kirche und Kapelle nachgehen.

Den Menschen – unter denen «ein paar Früchtchen» anzutreffen seien – in den Mittelpunkt setzen die Artikel von Pfarrer Agnell Rickenmann, Urban Fink und Thomas Wallner. Besonders freute sich Urban Fink über die abgedruckten Farbbilder: «Durch sie ist das Jahrbuch zu einem richtigen Blickfang geworden.»

Der Präsident der Redaktionskommission, Alfred Seiler, hielt fest, dass das Jahrbuch auch Plattform für junge Historiker sein möchte, und er würdigte die Arbeiten von Jonas Huggenberger («Ir sind Herren, wir Puren sind aber Meister») und Andreas Affolter («Kartenspiel und Spielkarten-Fabrikation in Solothurn»).

Aber auch kürzere wissenschaftliche Beiträge sollen ihren Platz im Jahrbuch haben, wie jene von Kaspar Egli oder Stefan Siegrist). Mitautor Agnell Rickenmann betonte, dass die Kirche Ausdruck «unserer Kultur und Werte» ist, die eng miteinander in Beziehung stehen. Kultur und Werte – wie sie im Jahrbuch aufs Beste vermittelt werden.

Musikalisch fröhlich-würdig umrahmt wurde die Buchvernisssage von dem Bläserquintett Consunus aus Bern.

Buchbestellungen sind zu richten an: Historischer Verein des Kantons Solothurn, c/o Zentralbibliothek, Bielstrasse 39, 4502 Solothurn