Beim Beobachtungsturm war man sich von Anfang an einig. Mit wohlwollenden Voten reagierten die Fraktionsvertreter auf die Ausführungen von Bauverwalter Thomas Leimer, der in dieser Sache als Interessenvertreter der IG Turm sprach. Der Holzturm war ein Mittelpunkt der Sonderschau Kraftort Wald an der Herbstmesse Solothurn, ist acht Meter hoch und besteht aus Douglasienholz der Bürgergemeinde Solothurn, welches der Sturm Burglind im Januar 2018 gefällt wurde. Eine erste Standortwahl beim Witizentrum in Altreu scheiterte am Widerstand der Anwohner. «Verständlich. Altreu ist ein beliebtes Ausflugsziel. Da wollen sich die Anwohner nicht noch von oben in den Garten schauen lassen wollen», zeigte Leimer grosses Verständnis.

An der Aare Vögel beobachten

Im zweiten Anlauf fand man einen geeigneten Platz in der Witischutzzone an der Aare. Der Holzturm soll als Beobachtungsposten von Störchen, Zug- und Wasservögeln und mit etwas Glück auch von Feldhasen dienen. Am Standort direkt gegenüber der künstlichen Insel können die auf der Insel brütenden seltenen Wasser- und Wattvögel beobachtet werden. Der Turm würde wasserseitig verkleidet. Leimer sowie Gemeinderat und Förster Thomas Studer (CVP) vertraten mit Herzblut das Anliegen.

Aber warum soll Selzach den Turm übernehmen? Noch gehört er dem OK Kraftort Wald. Der angefragte Verein «für üsi Witi» möchte ausserhalb der Storchensiedlung nicht aktiv werden, ist aber bereit, die Rolle der Bauherrschaft für die Phase des Bewilligungsverfahrens einzunehmen. Der Turm soll auf einer Parzelle des Kantons aufgestellt werden. Dieser will jedoch auch nicht als Eigentümer des Turms auftreten. Er würde sich für den laufenden Betrieb engagieren, wenn Selzach die Eigentümerschaft übernimmt.

Kosten entstehen der Gemeinde kaum. Der Turm mit einem Wert von 60 000 Franken würde in ihren Besitz übergehen. Die Kosten für das Aufstellen in der Höhe von zirka 40 000 Franken will die IG mit Sponsoren zusammenbringen.

Zum bereits aufgelegten Bauprojekt wurde keine Einsprache eingelegt. Nun muss der Kanton das Gesuch abschliessend beurteilen, liegt das Bauprojekt doch ausserhalb der Bauzone. Von Seiten der IG sei man zuversichtlich.

Im Gemeinderat stellten sich noch Fragen zur Haftung bei einem Unfall. Laut Leimer ist das Bauwerk ohne zusätzliche Kosten in der bestehenden Haftpflichtversicherung eingeschlossen. Sinnvoll sei eine Sachversicherung, die 40 Franken jährlich kostet. «Ich würde diese sonst für die nächsten zehn Jahre übernehmen.»

Lieber auf der sicheren Seite mit einer Stauanlage

Ganz auf der sicheren Seite wollte der Gemeinderat beim Lindlidamm sein. Vor zwei Jahren überraschte der Bund die Selzacher, als er den Damm der Stauanlagenverordnung unterstellte. Das Bundesverwaltungsgericht stützte dieses Vorgehen. Nun wurden dem Gemeinderat zwei Varianten vorgelegt. Entweder bleibt der Lindlidamm eine Stauanlage oder die Höhe der Betonmauer wird um zwei Meter herabgesetzt, und der Lindlidamm dient künftig nur noch als Geschiebesammler. Die erste Variante kostet zirka 35 000 Franken einmalig und 3000 bis 5000 Franken wiederkehrend, die zweite Variante 53 000 Franken einmalig.

Der Lindlidamm entstand 1970 nach einem folgenschweren Murgang. Damals kamen 200 000 Kubikmeter Geschiebe den Berg runter. Ein solches Ereignis kann der Lindlidamm nicht aufhalten, aber mit einem Fassungsvermögen von 6300 Kubikmeter könnte er dem Ereignis eine Zeit lang die Spitze nehmen. In der Debatte war man sich anfangs uneinig. Aber je länger gesprochen wurde, umso unsicherer wurde man. Als Aldo Mann erklärte, dass einmal geschaffene Sicherheit nicht gekappt werden sollte und an die Flutwelle in Chamoson (VS) erinnerte, wechselte die Stimmung. «Die Gemeinde hat dort nach Hochwassern zwei der drei gefährdeten Bäche saniert. Das Wasser kam nun beim dritten Bach.» Einstimmig votierte man für Variante 1 und dagegen, die Mauer herabzusetzen.