Sechzig Jahre ist es her, dass zwölf Mitglieder der katholischen Pfarreivereine die Schwarzmeerzunft ins Leben riefen mit dem Ziel, durch fasnächtliche Aktivitäten das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bellacher Katholiken zu fördern und die traditionelle Fasnacht im Dorf wiederzubeleben. Von den Gründungsmitgliedern leben heute noch Othmar Stampfli und Dora Käch, die sich aus dem aktiven Vereinsleben aber zurückgezogen haben. Heute ist die Zunft eine lockere Gesellschaft, die die Fasnacht des Dorfes Jahr für Jahr gestaltet. Sie hat fünfzig aktive Mitglieder.

Obschon die Fasnacht Bellachs schon lange nicht mehr den grossen Andrang von früher findet, tut das der Freude der Narren keinen Abbruch, die jedes Mal mit viel Elan organisieren und sich auch ausserhalb der Fasnacht treffen. Die Fasnacht ist und bleibt für sie die fünfte Jahreszeit. «Wir haben einen sehr guten Gruppenzusammenhalt», beschreibt Obernarr Matthias Walker, der seit Jahren diesen Posten bekleidet. An der diesjährigen Generalversammlung werde er das Zepter jedoch abgeben. Walker: «Es ist immer gut, wenn frisches Blut kommt.»

Kinderparty ist beliebt

Der Höhepunkt der diesjährigen Fasnacht ist die Kinderparty, an der die Gugge Schwarzmeerfrösche in einem Umzug vom Schulhaus 2 bis zum Turbensaal zieht, wo die kleinen Narren Spiele und ein Zvieri erwartet. Auch die Chesslete, Seniorenfasnacht, Beizenfasnacht und das «Flämmli lösche» stehen auf dem Programm.

Heuer nehmen die Schwarzmeerfrösche, die in diesem Jahr ihren fünfundvierzigsten Geburtstag feiern können, zum ersten Mal am Fasnachtsumzug in Biberist teil. Ihre Proben beginnen jeweils im September, einmal die Woche am Donnerstag.

Die Bäucher Narren haben aber bereits vor der Fasnachtswoche Highlights zu feiern: So wird jedes Jahr die «Frosch-Fuer» durchgeführt, bei der der Präsident abgesetzt und die Neumitglieder offiziell aufgenommen werden. Dazu kommt der Leberberger Guggentreff, der zwischen Oberdorf, Bettlach, Niderwil und Bellach stattfindet. In jedem Jahr wird es in einem der vier Dörfer durchgeführt, wobei noch bis zu drei Gastguggen eingeladen werden. «Man präsentiert sich dort zum ersten Mal im neuen Kleid», so Walker, der bei den Schwarzmeerfröschen gegenwärtig Pauke spielt und früher unter anderem mit Trompete oder Schlagzeug zu sehen war.

Wenn Walker sich zurückerinnert, ist leichte Nostalgie zu spüren. «Die Fasnacht hier im Dorf stirbt momentan langsam aus.» Die Dörfer, die an Städte grenzen würden, hätten ein schwieriges Los gezogen. «Viele Bellacher gehen an die Solothurner Fasnacht», weiss Walker, sodass das Angebot der Schwarzmeerzunft nicht mehr den gleichen Andrang findet. Vor noch zehn Jahren gab es am Fasnachtsmontag einen Maskenball und die Beizen-Fasnacht war auf sieben bis acht Restaurants verteilt, heute sind zwei davon übrig geblieben. Die Damenriege, der Turnverein, alles hätte damals mitgemacht. Vor ein paar Jahren wurden die Schnitzelbänke aufgelöst, genauso die zweite Fasnachtszunft des Dorfes, die Fidelio-Zunft.

Doch nicht nur die Nähe zu Solothurn sei dafür verantwortlich. «Heute wird anders gelebt. Wer arbeiten gehen muss, geht heutzutage in der Regel am Vortag oft nicht feiern», so Walker. Er nimmt noch heute in der Fasnachtswoche Ferien, was früher viele Leute getan hätten. An jungen Fasnachtsbegeisterten in Zunft und Gugge mangle es nicht. Als Beispiel nennt Walker drei Primarschüler, die erstmals bei der Gugge mitspielen, davor seien sie einfach mitgelaufen.

Geheimnis GV-Feier

Die beiden Jubiläen der Bäucher Fasnacht sollen an der Gerneralversammlung im Juli gebührend gefeiert werden. Doch wie das Fest aussehen soll, verrät Walker nicht. «Das ist top secret», macht er es spannend. Im letzten Jahr habe man die Jubiläen bereits vorgefeiert. «Wir, die Schwarzmeerfrösche, waren auf dem Stromberg in Norddeutschland, anlässlich des Schützenfests», erinnert sich Walker. «Dort haben wir gespielt und die Deutschen waren begeistert, die kennen diese Art von Musik an ihrer Fasnacht nicht.»