Letztes Jahr wurde an dieser Stelle geschrieben – «Die Dorffasnacht ist tot – es lebe die Dorffasnacht». An dieser Aussage hat sich nichts verändert. In Lommiswil ist die Dorffasnacht tot. Sie findet schlicht und einfach nicht mehr statt, nachdem sich einige Unentwegte jahrelang dafür eingesetzt und immer wieder ein Programm auf die Beine gestellt haben.

Mit dem «Suure Moscht» wurde sogar eine Fasnachtszeitung herausgegeben, in der der legendäre Harry Grübel auf der Suche nach dem neusten Dorfskandal jeweils skurrilste Erlebnisse hatte.

Auch in Lüsslingen-Nennigkofen ist Schluss mit Fasnacht. Jahrzehntelang wurde ein Maskenball oder die Narren-Soiree mit Schnitzelbänken durchgeführt – organisiert vom Turnverein. In den letzten Jahren sank jedoch der Rückhalt im Verein, da die wenigsten Mitglieder waschechte Fasnächtler sind, wie Co-Präsident Philipp Wirth erklärt. Ebenfalls schien das Interesse in der Gemeinde stetig abzunehmen.

Aus diesen Gründen hat der Turnverein an einer ausserordentlichen Vereinsversammlung beschlossen, die Fasnacht 2016 nicht mehr zu organisieren. Schon seit längerem gibt es keinen Fasnachtsball mehr in Schnottwil. Auch dieser war durch den Turnverein organisiert worden. So wird im Bucheggberg offiziell nur noch in Lüterkofen-Ichertswil Fasnacht gefeiert.

71 Jahre Dorffasnacht

Aber wo es schlechte Neuigkeiten gibt, gibt es auch gute. Denn: Die Dorffasnacht lebt. In Biberist wird die Fasnacht seit 70 Jahren aufrechterhalten. Ein vierstündiges Hilariprogramm, ein Umzug mit 19 Nummern, eine eigene Plakette, Beizenfasnacht und die Traditin des Schnägg-Erwecke und des Schägge-Verloche ziehen die Dorfbevölkerung an und laden zum Mitfeiern.

Etwas schwieriger haben es die beiden Zuchwiler Zünfte. Seit Jahrzehnten engagieren sie sich sowohl im Dorf als auch in der Stadt Solothurn, wo beide mit einem Wagen am Umzug fahren. In Zuchwil konzentriert sich das fasnächtliche Geschehen deshalb auf den Donnerstagabend und den Samstag.

An diesen Tagen sind die beiden Zünfte mit ihren Schnitzelbankgruppen unterwegs. Nicht mehr durchgeführt wird heuer die grosse Chesslete am Donnerstagmorgen. Zu wenig Teilnehmer, zu nah ist die Chesslete in der Stadt. Dafür gibt es auch heuer wieder einen Kindermaskenball am Samstagnachmittag – eine Tradition, die erst vor wenigen Jahren wieder erweckt wurde.

Seit Jahren in bewährtem Rahmen läuft die Fasnacht in Luterbach. Während die Zahl der Schnitzelbankgruppen kleiner geworden ist, gibt es dafür heuer eine neue Gugge. Sie heisst Luaare und besteht zurzeit aus 13 Mitgliedern. Die Gruppe ist zwar krankheitshalber etwas dezimiert, aber der Start ist trotzdem geglückt, wie Urs Hostettler mit Freude vermeldet. Luaare integriert sich voll ins Luterbacher Fasnachtsgeschehen – tritt aber auch in anderen Dörfern im Wasseramt auf.

In Kriegstetten gibt es mit «Fanastaschu» (Fasnachts-Startschuss) einen neuen Anlass am Freitagabend. «Dä Aalass» der bisher stattfand, fand keinen Anklang mehr beim Publikum. So wurden einige Guggen angefragt und diese werden nun auf dem Areal der Mehrzweckhalle Kriegstetten aufspielen.

Viele Platzkonzerte

In Oberdorf läuft die Dorffasnacht ebenfalls seit Jahren in gewohntem Rahmen. Heuer tritt wiederum eine Schnitzelbankgruppe auf, die Muggetätscher, die auch schon früher im Dorf aktiv waren. «Wir treten nur am Samstagabend und nur in Oberdorf auf», so Peter Sieber. Die fünf Muggetätscher feiern übrigens ein Revival – sie waren früher fester Bestandteil der Fasnacht in Oberdorf. Immer am Donnerstagabend spielen die Wüedbach-Blosophoniker, die Oberdörfer Gugge. Sie geben ein Platzkonzert im Dorf. Ähnlich machen dies auch die Schnadehüdeler in Niederwil (am Freitag) und die Äemmkracher (am Freitag) in Derendingen.

Manchmal müssen auch Anlässe verschwinden, damit anderen einen neuen Platz finden. So geschehen beispielsweise in Selzach, wo es kein Sauzfass-gaudi mehr gibt, dafür die alte Fasnacht gefeiert wird. Eine Tradition, die auch in Subingen in den letzten Jahren wieder aufgenommen wurde und sich in der Zwischenzeit etabliert hat.