Gemeinderat
In Deitingen gibt es (noch) keinen Mittagstisch ab dem neuen Schuljahr

Die Deitinger Gemeinderäte können sich nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen, was den Mittagstisch angeht.

Patric Schild
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Kein Bild, das nächstens in Deitingen möglich wäre. (Archiv)

Kein Bild, das nächstens in Deitingen möglich wäre. (Archiv)

Keystone

Die gute Nachricht lautet: Deitingen bekommt einen Mittagstisch. Dies entschied der Gemeinderat nach langer Diskussion. Wann dieser jedoch kommt und in welcher Form, das steht zurzeit noch in den Sternen.

Aber alles der Reihe nach. Eine Bedarfsumfrage im vergangenen Jahr hat ergeben, dass Angebote für familien- und schulergänzende Kinderbetreuung immer mehr an Nachfrage gewinnen. Geplant war daher ein Pilot-Projekt mit Start im kommenden August für das Schuljahr 20/21. Während dreier Tage in der Woche sollen die Kinder in der Kantine der Megasol AG ihr Mittagessen einnehmen können.

Dafür werden sie von der Mittagstisch-Leitung zu Fuss dort hin- und zurückbegleitet. Wenn über 10 Kinder den Mittagstisch besuchen, soll zudem eine Begleitperson zur Unterstützung hinzukommen und nochmals eine weitere ab 20 Kindern. Die Leiterin wird dabei direkt über die Gemeinde angestellt und für ihren Lohn soll ein Kostendach von 18000 Franken gelten. So zumindest sah es der Plan vor, den Franziska Sterchi, Ressortleiterin für Soziales und Gesundheit, dem Rat präsentierte.

Zahlen und Fakten werden angezweifelt

Das Geschäft war allerdings bereits bei der Eintretensfrage umstritten. Jan Binzegger rechnete vor, dass die eingebrachten Zahlen hinten und vorne nicht stimmen würden. Zudem standen ungeklärte Fragen im Raum wie etwa das Anstellungsverhältnis der Begleitpersonen. Für Michael Tüfer begann die Problematik gar schon bei der Umfrage. Diese sei aus seiner Sicht unsauber durchgeführt worden. Zentrale statistische Elemente würden darin fehlen, sodass deren Aussagekraft anzuzweifeln sei. «Diese Unsachlichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Projekt», so Tüfler.

Rechnung 2019 im Plus

Erfreuliches konnte der Ressortleiter Finanzen mit der Präsentation der Jahresrechnung 2019 verkünden. Denn anstelle des budgetierten Ertragsüberschuss von 84100 Franken resultierte nun ein Plus von rund 680500 Franken. Dadurch kann der Bilanzfehlbetrag vollständig abgebaut und neues Eigenkapital gebildet werden.

Die Besserstellung kam unter anderem zu Stande, weil darauf verzichtet wurde im Jahre 19/20 eine zusätzliche Schulklasse zu führen. Des Weiteren konnte ein merklicher Steuermehrertrag bei den juristischen Personen und eine Minderung des Delkredere bei offenen Steuerforderungen verbucht werden. (psg)

Gemeindepräsident Bruno Eberhard appellierte derweil an seine Ratskollegen, das ganze Unterfangen nicht gleich wieder zu versenken und stellte daher die Grundsatzfrage. Dass es einen Mittagstisch in Deitingen braucht, darin waren sich die Ratsmitglieder denn auch einig und haben dem Antrag stattgegeben. Für die Bewilligung der dafür notwendigen Gelder war jedoch keine Mehrheit in Sicht. Mit der gegenwärtigen Faktenlage sei dies gegenüber dem Souverän nicht vertretbar, sagte etwa Andreas Ellenberger.

Einen Plan B hat die Gemeinde im Moment allerdings nicht. Denn die für die Stelle vorgesehene Mittagstischleiterin befindet sich aktuell in einem Anstellungsverhältnis und müsste dieses auf Ende April kündigen, damit sie und somit auch das Projekt wie geplant auf Anfang August starten könnte. Wie also weiter? Eine neu einzusetzende Arbeitsgruppe soll das Projekt weiterverfolgen. Dabei sollen auch weitere Optionen mit anderen Trägerschaften wie dem Elternforum wieder ins Auge gefasst werden, was für die Gemeinde mit weniger Kosten verbunden wäre. Wenn schon kein Start im Sommer möglich sein sollte, so hofft man nun in Deitingen zumindest, nach den Herbstferien loslegen zu können.