Produktion
In Bellach zuhause: Die Kisag bleibt dem Standort Schweiz treu

Die Kisag AG in Bellach produziert seit 75 Jahren Küchengeräte und Apparate – auch für die Gastronomie.

Patric Schild
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CEO Philipp Schwander vor den Gebäuden in Bellach.

CEO Philipp Schwander vor den Gebäuden in Bellach.

Michel Lüthi

Ob Rahmbläser, Sicherheitsgasbrenner für Rechauds, oder Küchenutensilien, seit vielen Jahrzehnten und über mehreren Generationen hinweg stellt die Marke Kisag in den Schweizer Haushalten eine feste Grösse dar. «Fast jeder hat einen Bekannten oder eine Bekannte, die über ein Kisag-Gerät in der Küche verfügt», erklärt CEO Philipp Schwander.

Der 42-jährige Magglinger führt das Bellacher Traditionsunternehmen seit vergangenem November. Mit über 30 Mitarbeitenden produziert die Firma Küchengeräte und Apparate für die Gastronomie. Und dies seit mittlerweile 75 Jahren. Die Produkte erfreuen sich dabei nicht nur im Heimgebrauch, sondern auch unter Kochprofis und Gastronomen grosser Beliebtheit.

Firmengeschichte

Walter Kissling legte 1945 mit der Gründung der Kisag AG, Eisen, Bunt- und Leichtmetallgiesserei in Bellach, das Fundament für die Firma. Mit seinen zahlreichen patentierten Neuentwicklungen hat Kissling die Schweizer Haushalte mitgeprägt. 1981 hat Albert Brüngger den Betrieb übernommen. Sein Sohn, Urs Brüngger, leitete den Betrieb ab 1995 und führt damit die langjährige Familientradition fort. Im Februar 2017 wurde im Zuge einer Nachfolgeregelung die Kisag AG durch die Vebo-Genossenschaft mit Sitz in Oensingen erworben.

Beide Firmen arbeiteten schon seit Jahren eng zusammen. Die Kisag AG wurde unverändert mit Brüngger als Geschäftsführer weitergeführt und sämtliche Arbeitsplätze vor Ort konnten erhalten bleiben. Die Familienära endete 2019 mit der Pensionierung von Urs Brüngger. Seit November 2019 amtet der Magglinger Philipp Schwander als CEO der Kisag AG. (psg)

Einer breiten Öffentlichkeit ist das Unternehmen aber nicht allein aufgrund seines Sortiments bekannt. Bereits seit vielen Jahren unterhält die Kisag AG Kooperationen mit verschiedenen Solothurner Institutionen im Sozialbereich wie der Regiomech, der Stiftung Solodaris und insbesondere der Vebo-Genossenschaft. Einfache Verpackungs- und Montagearbeiten werden so grösstenteils in geschützte Werkstätten der Region ausgelagert, wodurch rund 50 benachteiligte Menschen beschäftigt werden können. «Am Standort in Langendorf hat die Vebo speziell einen Raum eingerichtet, welcher sich ausschliesslich der Konfektionierung von Kisag-Produkten widmet», erklärt der 42-jährige Geschäftsführer.

Mit dem Sozialstern ausgezeichnet

Das Unternehmen unterstützt Menschen auch mit Hilfe von Praktika dabei, wieder Fuss in der Arbeitswelt zu fassen. Nicht selten führte dies anschliessend gar zu einer Festanstellung bei der Kisag. Für dieses Engagement wurde das Unternehmen im November 2014 mit dem Solothurner Sozialstern ausgezeichnet.

Ein Preis, der an Firmen oder Institutionen vergeben wird, welche sich im Kanton besonders vorbildlich für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung engagieren. Die langjährige soziale Zusammenarbeit gipfelte 2017 schliesslich im Kauf der Kisag AG durch die Vebo-Genossenschaft.

Neu auch in den Campingbereich investieren

An der Tradition und Historie des Unternehmens will die Kisag AG auch zukünftig festhalten. Die Devise lautet, raffiniertes Kochen leicht zu machen. So, dass auch Anfänger den Weg in die Kunst des Kochens und professionellen Anrichtens finden. Bestehendes und Bewährtes soll zudem in neue Kanäle geführt werden, die dem Zeitgeist entsprechen. Beispielsweise gibt es Ideen, das Kochsortiment ergänzend auf den Einsatz im Urban- und Campingbereich auszurichten.

Auch in Sachen Nachhaltigkeit wird es innovativ weitergehen.

Wir haben so einige Neuerungen im Köcher

, kündigt der Geschäftsführer an. Bereits heute setzt das Unternehmen auf einen ressourcenschonenden Umgang mit der Umwelt. Ab 2002 begann das Unternehmen Holz zu verwenden, welches ausschliesslich aus kontrollierter, europäischer Forstwirtschaft stammt. Seit 2019 wird zudem der gesamte Stromverbrauch durch erneuerbare Schweizer Wasserkraft gedeckt. Neu ist angedacht, auf Kunststoffverpackungen so weit möglich zu verzichten und nachhaltigere Alternativen zu nutzen.

Bestellungen aus dem Gastrobereich fehlten

Die Auswirkungen von Covid-19 gingen derweil auch an der Kisag AG nicht spurlos vorbei. «Unser Geschäftsgang war ab der ersten Woche des Lockdown direkt betroffen», sagt der CEO. So litt die Firma von Beginn weg gemeinsam mit der Gastrobranche, da deren Bestellungen wegbrachen.

Aufgrund eines vielfältigen Händlernetzwerks konnte die Ware des Unternehmens zumindest in den Läden der Grossverteiler grösstenteils weiterhin zum Verkauf angeboten werden – vorausgesetzt, sie befanden sich nicht in abgesperrten Ladenbereichen. Mit den ersten Lockerungen im Mai nahmen die Bestellungen allmählich wieder zu. Spätestens seit Juni würden die Zahlen erfreulicherweise wieder stimmen. «Das kompensiert aber noch nicht die vorherigen zweieinhalb Monate», erklärt Schwander.

Sanierungsbedarf an den Gebäuden spürbar

Noch immer stellt die Kisag AG viele ihrer Produkte in Bellach her. «Wir bekennen uns klar zum Standort Schweiz», sagt Schwander. Insbesondere im Bereich der Küchenhelfer wie zum Beispiel Pfannenwender oder Sparschäler wurde die Eigenproduktion in der Vergangenheit sukzessive ausgebaut. Zudem erfolgt die Montage von Geräten wie dem Sicherheitsgasbrenner ebenfalls weiterhin im eigenen Betrieb.

Dadurch soll die Qualität der Produkte gewährleistet werden können. Die verwinkelten Produktions- und Lagerräume der Firma gleichen mittlerweile schon beinahe einem Labyrinth. «Das zeigt, dass die Firma über die Jahre laufend gewachsen ist und immer wieder neue Bereiche hinzugefügt werden mussten» erklärt der CEO beim Rundgang. Allmählich mache sich aber ein gewisser Sanierungsbedarf bemerkbar. Im Zuge eines Standortentwicklungsprozesses plant die Vebo, ihre nahen beieinander gelegenen Betriebe in Langendorf und Zuchwil zusammenzuführen. Neben den drei betroffenen Vebo Betrieben ist in die Planung auch die Kisag AG, miteinbezogen.

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