Bundesgericht

In Baum geprallt: Der Unfall im Seilpark muss untersucht werden

Seilpark-Verunfallter sagt, dass die abgegebenen Handschuhe beschädigt gewesen seien.

Seilpark-Verunfallter sagt, dass die abgegebenen Handschuhe beschädigt gewesen seien.

Staatsanwalt und Obergericht wollten kein Strafverfahren wegen eines Unfalls ein Mannes im Seilpark Balmberg eröffnen. Nun hat das Bundesgericht anders entschieden.

Im Sommer 2016 verunfallte im Seilpark Balmberg ein Mann. Er konnte die Fahrt, an einem Drahtseil hängend, nicht genügend abbremsen und prallte in einen Baum. Wenige Tage nach dem Unfall, der für ihn mit einer Fraktur eines Sprunggelenkes endete, stellte der Mann einen Strafantrag gegen den Gesellschafts- und Geschäftsführer des Seilparks. Der Baum sei nicht genügend gepolstert gewesen, es habe weder eine Bremsfeder noch einen Pneu gegeben, welche die Fahrt hätten abbremsen können. Zudem habe er defekte Handschuhe erhalten und sei im Hinblick auf den Zustand der Handschuhe nicht speziell instruiert worden. Im Oktober 2018 verfügte die Staatsanwaltschaft die Nichtanhandnahme. Die vom Mann gegen die Verfügung eingereichte Beschwerde ans Obergericht wurde von diesem im Januar 2019 abgewiesen. Der Mann wandte sich ans Bundesgericht und verlangte eine korrekte Durchführung des Strafverfahrens.

Wie beurteilt das Bundesgericht das Vorgehen der Vorinstanz? Letztere setzt auf die Aussagen des Seilparkbetreibers, wonach keine verantwortliche Person eines Seilparks defekte Handschuhe abgeben würde. «Sie stützt sich damit auf eine … Betrachtungsweise, die im Prinzip jede beschuldigte Person entlasten könnte», so das Bundesgericht. Dabei sei gerade die Frage des Zustands der Handschuhe Gegenstand des zur Anzeige gebrachten Vorwurfs. Die Vorinstanz übernehme unkritisch die nicht weiter verifizierten, schriftlichen Behauptungen des Seilparkbetreibers.

Das Bundesgericht teilt auch die Einschätzung der Vorinstanz nicht, der Verunfallte habe sich nicht wie ein «erwachsener Mann» verhalten, weil er keine unbeschädigten Handschuhe verlangt hat. Im Protokoll, das zusammen mit der Anzeige 2016 eingereicht worden war, erklärt der Verunfallte, dass dies sein erster Besuch eines Seilparks gewesen sei. Es sei deshalb möglich, so das Bundesgericht, dass der Beschwerdeführer nicht über ausreichend Seilparkerfahrung verfügte oder aber ungenügend instruiert wurde. Aus der Aktenlage würden sich genügend Verdachtsgründe ergeben. Die vorinstanzliche Schlussfolgerung, wonach ein klarer Fall vorliegt, erweise sich als bundesrechtswidrig, weshalb das Bundesgericht die Beschwerde gutheisst. Der Entscheid des Obergerichts wird aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz und an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

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