Deitingen/Flumenthal

«Immer wieder vertröstet»: Im Streit um Hochspannungsleitungen holt Martin Flury Bauern ins Boot

Deitinger Bauern fordern ein Trassee nördlich der Autobahn für diese SBB-Hochspannungsleitung.

Deitinger Bauern fordern ein Trassee nördlich der Autobahn für diese SBB-Hochspannungsleitung.

Der Kantonsrat Martin Flury (FDP) fordert eine Verlegung der Hochspannungsleitung im «Deitinger Schachen» und ist enttäuscht von der Stellungnahme des Regierungsrats.

Wenig erbaut ist Kantonsrat Martin Flury (FDP) von der Stellungnahme des Regierungsrates auf seine Kleine Anfrage. Thema seiner Anfrage ist der geplante Ersatz der SBB-Übertragungsleitung. Diese neue Leitung soll südlich der Autobahn in der Nähe des Wohngebiets «Deitinger Schachen» zu stehen kommen. Auf dem gleichen Trassee, wie schon heute. Die Gemeinde Deitingen schlägt aber eine Linienführung nördlich der Autobahn vor.

An einer gemeinsamen Begehung 2018 hatten sich die SBB mit dieser Variante angefreundet, und der Kanton beurteilte damals den Vorschlag «als nicht optimal, aber durchaus als machbar», wie der Stellungnahme zur Kleinen Anfrage zu entnehmen ist. «Für uns ist das aber die beste Lösung. Das Wohngebiet Schachen wird entlastet und die Bewirtschaftung der Fruchtfolgeflächen durch die Landwirte ist ebenfalls weniger eingeschränkt», so Meisterlandwirt Flury.

Flumenthal ist einmal mehr anderer Meinung

Einmal mehr beisst aber die Gemeinde Deitingen mit einem Anliegen bei der Nachbargemeinde Flumenthal, auf deren Gemeindegebiet dann die Hochspannungsleitung stehen würde, auf Granit. Es läuft für die Deitinger wieder auf dasselbe hinaus, wie schon bei anderen Projekten im Schachen etwa dem Bundesasylzentrum, der Justizvollzugsanstalt oder den geplanten Projekten Sechs-Spur-Ausbau der A1, Untersuchungsgefängnis, Lkw-Abstellplatz und Autobahnabwasserreinigungsanlage: Das Land ist im Besitz des Kantons, das Land liegt auf Flumenthaler Boden aber beinahe alle Umtriebe gehen zu Lasten der Deitinger. Beim Bundesasylzentrum, das vor kurzem in Betrieb ging, kam es dabei zu schweren Unstimmigkeiten zwischen den beiden Gemeinden. Flumenthal will die Hochspannungsleitung nicht auf ihrem Gemeindegebiet haben. So oder ähnlich muss die Stellungnahme nach der Begehung gelautet haben, denn Deitingen wurde mitgeteilt, dass nun doch die Südvariante vorangetrieben wird.

Dies veranlasste Flury zur Kleinen Anfrage. «Wir haben die Nase voll. Immer wieder werden wir vertröstet.» Vom Regierungsrat wollte er wissen, wieso dieser doch nicht die Nordvariante unterstützt.
In seiner Antwort schreibt der Regierungsrat, dass er sich bereit erklärt habe, die Variante zu prüfen, «sofern die beiden Gemeinden ihrerseits sich bereit erklären, die verschiedenen festgefahrenen Planungen im Schachen voranzutreiben». Die im Nachgang zur Begehung eingereichten Stellungnahmen der beiden Gemeinden zum neuen Variantenvorschlag würden aber grundsätzlich voneinander abweichen. Der Regierungsrat erachtet deshalb die Variante im Bereich des bestehenden Trassees «unter umfassender Abwägung aller Interessen» als die beste.

Will die SBB Streit mit den Landwirten?

«Ich hatte mir mehr erhofft. Für uns Deitinger wäre die Nordvariante ein grosser Mehrwert», sagt Martin Flury. In der Zwischenzeit hat er aber weitere Schritte unternommen. «Die SBB hat die Planungshoheit, und sie kann sich eine nördlich der Autobahn verlaufende Leitung vorstellen.» Vor einem Monat habe erneut ein Gespräch mit den SBB stattgefunden. «Wir haben gespürt, dass eine gewisse Bereitschaft vorhanden ist», so Flury. In die Waagschale kann Flury die Deitinger Landwirte werfen: «Falls die Nordvariante zum Zug kommt, werden sie keine Einsprache einlegen.» Die SBB werden sich also überlegen müssen, ob sie auf Einsprachen und damit auf Verzögerungen verzichten wollen oder nicht.

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