Wer Montag abends von der Schulhausstrasse her einen Blick in Ruth Rööslis Erdgeschosswohnung wirft, sieht sie schon emsig an der Vorbereitung für das Mittagessen am Dienstag. Für die Einladung in dieser Woche entstanden köstliche Salate auf einer gehaltvollen kalten Platte, die alle Teilnehmenden gemäss individueller Wunschliste schon in der Vorwoche für sich zusammengestellt hatten.

Ruth Röösli, die seit vier Jahren zu diesem Nachbarschaftsessen einlädt, war bis zu ihrer Pensionierung Mitarbeiterin der örtlichen Spitex-Organisation. Sie fühlte sich aber noch viel zu tatkräftig, um die Hände untätig in den Schoss zu legen. Ausserdem sah sie als Vorstandsmitglied der Genossenschaft Alterswohnen, dass der gut ausgestattete Gemeinschaftsraum im Genossenschaftshaus viel zu wenig genutzt wurde und eigentlich doch als Treffpunkt der Nachbarschaft geeignet wäre.

Ihre Initiative stiess auf breite Zustimmung, weil alle Beteiligten diese Begegnungsmöglichkeit begrüssten. Ruth Röösli, die durch Ausbildung und eigene Lebenserfahrung als Mutter und Grossmutter weiss, was ältere Menschen brauchen, kann sich seither über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. Weil die Nachfrage gross ist, besteht angesichts der Platzverhältnisse bereits eine Warteliste.

Allmonatlich stellt Röösli eine abwechslungsreiche Menüliste zusammen und erwartet lediglich, dass sich verhinderte Gäste rechtzeitig abmelden. Zur Deckung ihrer Unkosten für Essen und Getränke hat sie einen Minimalbetrag pro Person festgelegt, der nach Belieben beim Geldeinwurf ins Kässeli aufgestockt werden kann. «Das kommt uns als Gemeinschaft dann wieder bei anderer Gelegenheit zugute», sagt sie, die ein offenes Ohr für Sorgen ihrer Gäste und Mitbewohner im Haus hat.

Lotti Allen, die lange Jahre im örtlichen Altersheim beschäftigt war, hilft der Organisatorin beim Tisch decken, Servieren sowie Abräumen und Spülen.

«Wir sind begeistert»

Zurückgezogen leben Irène und Hanspeter Frey schon lange Jahre im Dorf. «Auch wenn wir nirgendwo in Vereinen mitmachen, kommen wir hierhin zum gemeinschaftlichen Mittagessen doch besonders gern», betonen beide. Sie schätzen das Zusammensein, die Gespräche mit Alterskollegen und das fein zubereitete Essen. «Ruth Röösli macht alles mit so viel Liebe», berichten Anne und Gert Glaser.

Beide fühlen sich in ihrer Genossenschaftswohnung im Haus sehr wohl und geniessen die wöchentliche Zusammenkunft mit der erweiterten Nachbarschaft. Anne Glaser leitet seit 16 Jahren die Seniorengruppe Zytlupe im Dorf und kann daher ermessen, wie wichtig derartige regelmässige Treffpunkte für ältere Menschen sind.