Zuchwil
Im zweiten Anlauf soll Verkauf des Widi-Areals klappen

Im vergangenen Dezember wurde der Landverkauf des Widi an die Immobilienfirma Swiss Prime Site SPS abgelehnt. Gemeindepräsident Stefan Hug (SP) scheut aber keine Mehrkosten wegen externer Beratung und will nun «ein brillantes Projekt ermöglichen.»

Christof Ramser
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Das Widi ist Heimat für Fussballer, Tennisspieler und Eisstockschützen. Ohne weiteres geben sie den zentral gelegenen Sportplatz nicht her.

Das Widi ist Heimat für Fussballer, Tennisspieler und Eisstockschützen. Ohne weiteres geben sie den zentral gelegenen Sportplatz nicht her.

Hanspeter Baertschi

Es war eine denkwürdige Gemeindeversammlung, die in Zuchwil noch immer heiss diskutiert wird. 577 Zuchwiler waren vergangenen Dezember anwesend, als der Landverkauf des Widi an die Immobilienfirma Swiss Prime Site SPS abgelehnt und das Geschäft an den Gemeinderat zurückgewiesen wurde. Der Gemeinde entgingen 6,6 Millionen Franken. Die SPS will im Riverside-Areal eine neue Wohnsiedlung bauen.

Um die Emotionen aufzufangen, hat Zuchwils Gemeindepräsident Stefan Hug (SP) im Anschluss an die Gemeindeversammlung einen Workshop veranstaltet (wir berichteten). Mit Erfolg: «Allmählich nimmt man den gewinnbringenden Charakter des Projekts im Dorf wahr», berichtete Hug an der Gemeinderatssitzung vom Donnerstag. Verschnupft reagierten einige Ratskollegen, weil sie aus der az Solothurner Zeitung vom Workshop erfahren haben.

Yolanda Andreoli (Grüne) vermutete, dass einfach jene eingeladen wurden, die an der Gemeindeversammlung am lautesten gepoltert hatten. Die Gemeinderäte, von denen viele in den Quartieren konstruktive Informationsarbeit geleistet hätten, seien nicht einmal informiert worden. Hug widersprach nicht. Doch sein Ziel hat er erreicht: Das Projekt werde nun sichtbarer und nachvollziehbarer. Auch wenn aufgrund einer externen Beratung Mehrkosten auf die Gemeinden dazukommen dürften. Das sei es aber wert, sagte der Gemeindepräsident, denn: «Ich will ein brillantes Projekt ermöglichen.»

Sportvereine einbinden

Ortsplaner Walter Weber zeigte auf, dass die Bevölkerung eng in das Riverside-Projekt eingebunden wird. Ein grosser Vorteil sei nun, dass parallel zur Studie, die von der SPS finanziert wird, die Frage nach den Ersatzanlagen für die Sportvereine definitiv geklärt werden kann. Der FC Zuchwil und der Tennisclub Widi waren es bekanntlich, die am schärfsten gegen den Widi-Verkauf geschossen haben.

In einem Exkurs über die schweizerische Raumplanung versuchte Weber zudem, den Wachstumskritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zuchwil hat einen klaren Zupendlerüberschuss, will heissen: 65 Prozent der Menschen, die in Zuchwil arbeiten, kommen von auswärts. Und weil früher Siedlungen in den ländlichen Gebieten wucherten, leidet Zuchwil heute unter dem Transitverkehr. «Wenn in Zuchwil auf Wachstum verzichtet wird, kann das kontraproduktiv sein.»

Der Gemeinderat hat zugestimmt, dass die SPS das Widi-Areal in die Studie einbeziehen darf. Der nächste Baustein wird die Präsentation dieser Studie sein. Sie soll auch die Auswirkung auf Umwelt, Verkehr und Schule aufzeigen. Voraussichtlich 2016 wird die Gemeindeversammlung über das Teilleitbild und den Landverkauf entscheiden. Und schliesslich kann die Öffentlichkeit beim Einspracheverfahren mitreden.

Politik muss abspecken

Ist die Zuchwiler Politik ein aufgedunsener, ineffizienter und teurer Apparat? Das wäre wohl übertrieben. Klar ist dagegen, dass sich Zuchwil seine ausgeprägten demokratischen Strukturen etwas kosten lässt. Aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten will die Gemeinde nun abspecken: Man ist sich weitgehend einig, dass die Anzahl Sitze im Gemeinderat reduziert werden müssen. Wie viele es statt der heute 23 sein sollen, darüber wird noch gestritten werden. Die SVP möchte die Anzahl Sitze möglichst hochhalten, weil es «demokratischer ist» (Silvio Auderset).

Tamara Mühlemann von der CVP möchte den Rat dagegen drastisch verkleinern. Sie ist überzeugt, dass gerade durch den entstehenden Mehraufwand das Amt attraktiver wird. Denn, so Daniel Grolimund (CVP), Leiter der Task Force Behörden, «auch Zuchwil wird zunehmend Mühe haben, Personal zu finden». Auch bei 9 Sitzen könne die grosse Parteienvielfalt Zuchwils noch im Rat berücksichtigt werden. Die Spannweite wird künftig zwischen 3 und 11 Ratsmitgliedern liegen. Gegen die Stimmen der FDP entschied der Rat zudem, dass die vorberatende Gemeinderatskommission aufgelöst und ein Einkammersystem geschaffen wird.

Keine Chance hatte die ausserordentliche Gemeindeordnung, wie sie im Kanton Solothurn einzig Olten kennt. Dort agiert statt der Gemeindeversammlung ein Parlament als Legislative. Geprüft werden soll zudem die Einführung des Ressortsystems. In Zuchwil haben die Leiter der Verwaltungsabteilungen viel Macht, und die Politik ist oft weit weg von Entscheiden. Den Verwaltungsleitern würde mit den Ressortleitern politische Chefs vorgesetzt. Übrigens: Hinfällig wäre die Verschlankung im Fall einer Gemeindefusion.

Sportzentrum sorgt für Ärger

Für Ärger im Rat sorgte die Nachricht über die Ausfinanzierung der kantonalen Pensionskasse Solothurn, der auch das gemeindeeigene Sportzentrum angeschlossen ist. Das Sportzentrum wird bei der Ausfinanzierung mit 673 000 Franken belastet. Der Gemeinde bleibt nichts anderes, als die Kosten zu übernehmen, weil sonst der Gang zum Konkursrichter droht. Heinz Schaller (SP) kritisierte den Verwaltungsrat des Sportzentrums scharf. Dieser müsse lenken und nicht bloss reagieren. «Er hätte früher wissen müssen, dass dies auf das Sportzentrum zukommt.»

Stattdessen habe man beim Bau der neuen Sauna noch stolz auf die Eigenmittel hingewiesen. Nun müsse die Gemeinde wieder die Feuerwehr spielen und das Sportzentrum retten. Unterstützung erhielt Schaller von Silvio Auderset: «Wir haben Mühe mit diesem Antrag. Das Sportzentrum ist ein Fass ohne Boden.»

Sportzentrums-Direktor Urs Jäggi widersprach dem Vorwurf der «Salami-Taktik» vehement: Die «erschütternde» Gewissheit, dass die Ausfinanzierung nicht selbst getragen werden kann, habe man erst seit kurzem. Gemeindepräsident Hug schliesslich zeigte sich zuversichtlich, dass das Sportzentrum schon bald wieder Gewinne erwirtschaften wird.

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