Hier müssen alle Mitwirkenden durch: Jeder, der eine Rolle auf der Bühne bekleidet, wird im beinahe professionell eingerichteten Schminkstudio in einem der Landwirtschaftsgebäude im Burghof «aufgehübscht». Chefin ist hier Ruth Hofstetter, die alle Mitarbeiterinnen aus ihrem Koppiger Coiffeursalon schon Stunden vor dem Auftritt mit dekorativ-kosmetischen Finessen aktiv werden lässt, damit alle Beteiligten rollengerecht aussehen. «Das Theaterschminken ist für uns alle Hobby», sagt Hofstetter. «Aber sie machen es wirklich professionell», rühmt «Vogelhändler» Roman Lauder, der gerade für seine Rolle verwandelt wird.

In der Nähe bereiten sich der elegant hergerichtete Baron Weps mit Puderperücke, der prächtig «aufgedonnerte» Gundel und Chormitglieder wie Markus Siegenthaler (Obergerlafingen) stimmlich auf ihren Auftritt vor. «Ich habe mein Leben lang – früher im Männerchor – gesungen, und dies ist meine sechste Operette hier im Wasseramt, an der ich als Chorist teilnehme», berichtet Markus. Hier dabei zu sein, mache einfach grosse Freude.

Dem stimmt Monika Bläsi (Zuchwil) aus vollem Herzen zu. Dies sei ihre vierte Operette als Crescendo-Chormitglied, und sie freue sich auf jeden der insgesamt 21 vorgesehenen Auftritte. «Es befriedigt uns alle, hoffentlich die Mehrheit des 400-köpfigen Publikums auf der Tribüne mit unserer Vorstellung glücklich zu machen», sagt Monika.

Auch Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt, die schon während der über Monate intensiven Vorbereitungszeit entstanden, belebe sie und alle anderen Mitwirkenden. «Es beflügelt regelrecht, hier an allem, was vor und hinter den Kulissen passiert, teilzuhaben», stimmt Karin Decker zu. Gerade jetzt sei sie als Viertklasslehrerin in Riedholz beruflich sehr gefordert. Doch das Bühnengeschehen, in das sie als Baronin Alda inmitten der kurfürstlichen Hofdamen integriert ist, sorge für zusätzliche Kraft, die keinerlei Ermüdung trotz langer Präsenzzeiten aufkommen lasse. «Jeder bei uns macht hundertprozentig seinen Job, und es klappt wunderbar.»

Im 40-köpfigen Orchester

«Ich geniesse diese Einsätze hier in Burgäschi sehr», sagt Kontrabassist Nazar Kocherga. Der Student aus der Westukraine, der seine Ausbildung an der Berner Hochschule für Musik weiterführt und gegenwärtig auch an anderen Musikprojekten beteiligt ist, ist aus einer Gruppe von 60 Instrumentalisten von Dirigent Reimar Walthert «in perfekter Organisation», wie Nazar festhält, 14 Mal in das 40-köpfige Orchester aufgeboten worden. Das Honorar stimme für ihn als Student, betont er. Viel wichtiger sei für ihn aber der gemeinsame Spass und das sichere Zusammenspiel. Während das Orchester dem schon frühzeitig erschienenen Publikum kleine Klanghäppchen serviert, singen sich in einem umgenutzten Stallgebäude alle Solo- und Chorstimmen ein. Alle sind für ihren Auftritt wie elektrisiert.

Im Gastro-Treffpunkt

Neben der Bühne befindet sich die geräumige Lagerhalle des Landwirtschaftsbetriebs, die in ein stimmungsvolles Restaurant umgestaltet wurde. Im vorderen Teil werden Besuchergruppen, die dafür reserviert haben, mit gastronomischen Köstlichkeiten verwöhnt. Als Manager für diese Gesellschaften und VIP-Apéros wirken Meinrad Engesser (Lommiswil) und Heinz Stephani (Gerlafingen). Mit ihrem 14-köpfigen Team von Freiwilligen und Mitgliedern des Fördervereins «Musik im äusseren Wasseramt» umsorgen sie die Gäste und tischen die passende Verpflegung für alle Operette-Mitwirkenden auf.

Der hintere Teil dient als öffentlicher Gastro-Treffpunkt vor dem Spiel, in der Pause und für den gemütlichen Ausklang für alle Besuchenden. Hier führt Burghof-Bäuerin Marianne Aeschlimann Regie. Geschätzt seien Rösti und Bratwurst und vor allem das rassige «Füür-Tüfeli», berichten die Mitarbeitenden. «Uns liegt es am Herzen, in den doch wirklich fordernden Bedienungszeiten niemanden in unserem Stab auszunutzen», umschifft die Restaurant-Chefin die Frage nach der Vergütung. «Uns allen gefällt die Arbeit, weil wir liebenswürdige Gäste haben, die unser Engagement belohnen.»

Während von der nahen Bühne «Grüss’ Euch Gott, alle miteinander» in die Halle herüberweht, sorgt Hausherr Ernst Aeschlimann für Ordnung und Sauberkeit auf Tischen und Stühlen. Mit kurzem Blick überzeugt er sich, dass die Mitarbeiter des Parkdienstes, den die Feuerwehr Aeschi bestückt, nun auch bei Essen und Tranksame zur Ruhe kommen. Aeschlimanns bleiben als wichtige Akteure dem Grossunternehmen Freilichtoperette erhalten, auch wenn sie im Herbst ihren Hof an ihren Sohn Samuel übergeben werden.

Weitere Aufführungen bis zur Derniere am Dienstag 7. Juli (www.burgaeschi.ch oder Tel. 032 674 42 82/83 nachmittags)