Luterbach

Im Solothurner Wasserschloss gibt es Trinkwasser in unerschöpflichen Mengen

Etwa ein Viertel der Solothurner Bevölkerung hat Wasser aus Luterbach. Diese Zeitung war auf einem Rundgang durch das Solothurner Wasserschloss mit dabei.

Luterbach, die flachste Gemeinde im Kanton Solothurn, bietet den Kindern im Winter nur gerade die Brücke über die Autobahn A5 zum Schlitteln. Interessant ist aber, was in Luterbach unter der topfebenen Oberfläche passiert. Luterbach darf als Solothurner Wasserschloss bezeichnet werden. Durchschnittlich rund 35 Meter mächtig ist hier die Schotterschicht, und diese ist voller Wasser.

Glasklares, lupenreines Trinkwasser in fast unerschöpflichen Mengen. Das erfuhren die rund 40 Personen, die am Samstag nach Luterbach gekommen waren, um sich über das Thema Wasser, unter und über der Erdoberfläche, zu informieren. Auf einem Rundgang erklärten Geologen der Wanner AG, des Büros Solgeo, des Solothurner Naturmuseums und des kantonalen Amts für Umwelt, warum Luterbach eben als Solothurner Wasserschloss bezeichnet werden darf.

«Etwa 5700 Liter pro Sekunde pumpen wir hier, aber es könnten locker 15 000 Liter pro Sekunde sein», beschrieb Rainer Hug vom kantonalen Amt für Umwelt die Kapazität des Grundwasserpumpwerks 11.

Die Reservoirs füllt die Trinkwasserversorgung Unterleberberg meistens nachts, wegen des günstigen Stroms. Sieben Gemeinden werden von hier aus mit Trinkwasser versorgt, aber in Luterbach gibt es noch zwei weitere Grundwasserfassungen mit genauso grosser Kapazität. «Etwa ein Viertel der Bevölkerung des Kantons Solothurn trinkt Wasser aus Luterbach, aber es hätte genug für den ganzen Kanton», sagte Hug.

Nach zehn Kilometern Flussbett ist ein Stein abgeschliffen

Vor dem Pumpwerk 11 hielt Karl Stransky in der einen Hand einen kantigen Stein, wie man ihn am Fusse eines Alpengipfels finden könnte, in der anderen einen runden, abgeschliffenen Stein aus einem Kiesvorkommen der Emme. Zehn Kilometer im Fluss genügen, um aus eckigen einen runden Stein zu formen. «Wie viel Zeit dabei verstreicht, ist ganz unterschiedlich.»

Gewaltige Mengen groben Kieses und feinen Sandes liegen im Wasseramt und filtern kontinuierlich das langsam durch die kleinen Hohlräume fliessende Wasser. Darunter befindet sich Molasse, also der Sandstein, den man in Burgdorf so markant sehen kann. Stransky sprach vom tropischen Meer, von Schüttungen aus den Alpen, dem Rhonegletscher der letzten Eiszeit und all den weiteren Komponenten, die zusammen die Natur hier geformt haben.

«Das Wasser wird nicht aufbereitet, es ist perfekt, so wie es aus dem Boden kommt», erklärt Rainer Hug, der auch noch Präsident der Trinkwasserversorgung Unterleberberg ist. Aber der Brunnen sieht aus wie ein gewaltiger Whirlpool. «Wir pumpen nur Sauerstoff ins Grundwasser. Sonst würde das Wasser die Leitungen korrodieren. Die Schutzzonen rund um die Grundwasserfassungen sorgen dafür, dass keine Keime eindringen können.»

Schon vier Meter unter Terrain liegt der Grundwasserspiegel

Dann ging es weiter zur Baustelle der Firma Biogen, der zweiten von sechs Stationen der Exkursion. Hier beschrieb Markus Michel die Pläne und Vorzüge des Biotechgiganten, der in Luterbach für eine Milliarde Franken eine Produktionsstätte mit bis zu 400 Arbeitsplätze baut. «Weil hier so viel Wasser zur Verfügung steht, ist einer der Gründe, warum sich Biogen in Luterbach niederlässt», erklärte Michel.

Beim dritten Posten bestimmten die Geologen der Wanner AG, die zum Beispiel für die Einwohnergemeinde Luterbach und Biogen arbeiten, den Grundwasserspiegel mittels Piezometer. Wie erwartet lag der Spiegel etwa vier Meter unter Terrain. Weiter ging es ans Ufer der Aare, wo die Wasserbauingenieure des Amts für Umwelt über die Juragewässerkorrektion und den Späckgrabenbach sprachen, der bei Burgdorf von der Emme abgezweigt wird und dann durch viele Kanäle und Bäche bis nach Luterbach fliesst.

Der letzten Posten beim Kraftwerk Flumenthal zeigte die Landschaftsentwicklung nach der letzten Eiszeit und die Veränderungen durch gewerblich-industrielle Arealnutzung seit der Industrialisierung. Zum Schluss gab es ein von Biogen gesponsertes Apéro.

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