Bei vier Kunstschaffenden in einer gemeinsamen Ausstellung in den grosszügigen Räumlichkeiten des Schlösschen Vorder-Bleichenberg muss man immer mit einer Überfülle an Werken, an ein Potpourri künstlerischer Ideen rechnen. Aber es ist den Vier, trotz der individuellen Ausdrucksformen, eine gut bestückte, doch homogene Werkschau gelungen. Und es sind alles bildnerische Inhalte, die lesbar sind, dazu ist die Geschlechterverteilung paritätisch mit zwei Künstlerinnen und zwei Künstlern.

So gibt es einiges zu entdecken, wiederzuerkennen, zu schmunzeln oder zu erforschen. Da ist einmal Monika Teal. Vertraut sind ihre originellen Tierinterpretationen, in denen uramerikanische und europäische Märchen und Mythologien zusammenfliessen. Nun hat die aus North Carolina gebürtige und inzwischen in Bern lebende Künstlerin die Farben der Nacht und die nächtlichen Stimmungen, Wahrnehmungen und Gefühle malerisch hinterfragt.

Stimmungen zwischen magischer Wirklichkeit und Spannung des nicht Eindeutigen. Da bricht das Licht der Strassenlampen im diffusen Dunkel auf, spiegeln sich Lichter, werden reflektiert, der Mond wirkt unwirklich. Sterne flirren, das Lichtermeer der Städte bildet eine beinahe filmische Konstellation. Auch in dieser stimmungs- wie spannungsgeladenen Malerei, die in manchen Werken an Edward Hopper denken lässt und die sich trotz der Reduktion auf die nächtliche Farb- und Kontrastpalette variationsreich zeigt, offenbart sich die profunde künstlerische Aus- und Weiterbildungen von Monika Teal in den USA.

Petra Bürgisser aus Olten ist mit Jahrgang 1988 die Jüngste in dieser Runde. Sie hat den Bachelor in visueller Kommunikation abgeschlossen und ist seit einigen Jahren erfolgreich als selbstständige Illustratorin tätig. Der Förderpreis Bildende Kunst des Kanton Solothurn, den sie 2017 erhalten hat, um auch ihre malerischen Ambitionen auszubauen, zeigt hier erste Erfolge. Ihre Arbeiten in Öl auf Papier sind einmal kleine narrative und illustrative Beschreibungen politischer Ereignisse. Der feine malerische Moment trägt dabei den grafischen Bildaufbau. Beeindruckend akkurat und sorgfältig in der Figurenkonstellation, den klaren Motiven, zeigt sich ihr Gespür für Farbwirkungen und bildnerische Stimmungen. Vor allem wenn sich Petra Bürgisser freieren Themen wie der Natur anvertraut. In den kleinen schwarz-weissen oder weiss-schwarzen Textbildern mit den witzigen Botschaften kommt die erfahrene Illustratorin zum Ausdruck.

Harmlos oder nicht?

Alfred Trinkler ist mit seinen 78 Jahren der Senior der Runde und in Solothurn kein Unbekannter. Seine von der Art brut geprägte wie naiv farbige Handschrift schöpft unbekümmert anekdotisch dichte Geschehen und Figurationen. In seinen Bleistiftzeichnungen steigert er die präzisere Reduktion zu anekdotischem Hintersinn. Feinst schraffierte, schwarzgraue Striche verdichten sich zu aberwitzigen Momenten. Alles scheint harmlos im Augenblick einer einfachen Poesie. Aber so einfach ist es nicht. Dazu tauchen in der Besetzung dieser irrationalen Inszenierungen oft gleichmässig geformte Steine, seltsam turmartige Gebilde im hohen Gras auf. Sind es Stolpersteine des Lebens oder Hinkelsteine des Beschaulichen?

Hohe Felsen, tiefe Schluchten, unmöglich gesetzte Leitern oder Zäune, irreale gespannte Seile, Wiesen ohne Sinn, ob nun treffsicher gezeichnet oder dezent abstrahiert – sie spielen augenzwinkernd mit den Abgründigen des Lebens. Und auch Beat Julius Müller ist ein kreativer Routinier der Solothurner Kunstszene. Der 70-jährige Solothurner Bilder- und Objektmacher setzt sich mit dem Thema Aussen- und Innenräumen, Linie, Form, Raum in der für ihn typischen formalen Bildgestaltung auseinander: Die Linien, die geometrische Grundstruktur bestimmen seine Bildästhetik aus meist monochromen Farbflächen und Formen. Klar konturierte, grafisch anmutende architektonische und landschaftliche Formen stilisieren wie verschachtelte Mosaike urbane verbaute Landschaften. Seine minuziös präzise Arbeitsweise zeichnet gleichermassen die perspektivisch irrealen Anlagen aus, die die räumliche Vorstellung irritieren und reduzieren.

Bis 9.12. Geöffnet Mi/Do 16 –19 Uhr, Sa/So 14–18 Uhr. Matinée Sonntag, 25.11, 11 Uhr, Lesung Sonntag, 2.12. 11 Uhr mit Klaus Merz.