Lohn-Ammannsegg
Im «Neuhüsli» wirds «weder Schnickschnack noch Haute-Cuisine» geben

Das Restaurant Neuhüsli in Lohn-Ammannsegg hat nach knapp einem halben Jahr Unterbruch einen neuen Pächter. Das neue Konzept ist auf «Dorfbeiz» ausgerichtet.

Agnes Portmann-Leupi
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Der neue Wirt, Jürg Burkhalter, im Säli des «Neuhüslis».

Der neue Wirt, Jürg Burkhalter, im Säli des «Neuhüslis».

Agnes Portmann- Leupi

Er ist soeben aus Ligurien zurückgekehrt, der neue Geschäftsführer des «Neuhüslis», Jürg Burkhalter. Ein italienischer Koch hat ihm dort Tipps und Tricks der einheimischen Küche beigebracht. Am Freitag wird im «Neuhüsli» mit Musik und Imbiss auf eine erfolgreiche Zukunft angestossen.

Mit der Pacht des Restaurants hat sich der 56-Jährige einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Denn ein Flair für die Gastronomie wurde ihm in die Wiege gelegt, führten doch seine Eltern bereits Restaurants in der Stadt Biel.

16 Jahre hat der ausgebildete Polizist ein Catering sowie einen Fischhandel betrieben. Dies neben seiner Vollzeitstelle bei der öffentlichen Sicherheit in der Stadt Biel. «Gekocht habe ich schon immer gerne, das war der Ausgleich zu meinem Beruf», sagt er.

Jürg Burkhalter hat sein Konzept mit seinem Team – zwei Serviceangestellte und eine Aushilfe – auf eine «Dorfbeiz» ausgerichtet. «Weder Schnickschnack noch Haute-Cuisine», sagt er. «Vielmehr eine Küche für jedermann, in welcher das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen muss», präzisiert er.

Die neue überschaubare Speisekarte verlockt mit Fleisch-, Fisch- und vegetarischen Gerichten. Von Rahmschnitzel über Entrecote bis hin zur Neuhüsli-Bratwurst, die ein Metzger extra für das Restaurant kreiert hat, ist alles zu finden.

Die Zutaten stammen vorwiegend von Lieferanten aus der näheren Umgebung. Frisch und selber zubereitet steht grossgeschrieben. So etwa das «Brätzeli» zum Kaffee aus Mamas Küche.

Gemütlich und freundlich

Auf Voranmeldung serviert Jürg Burkhalter Spezialitäten – ein Fischfondue, einen ganzen Hecht oder ein ligurisches Menü. Ein Freitagabend pro Monat ist für gutbürgerliche Menüs reserviert. Bereits vorgesehen ist eine Metzgete sowie Zunge und Kartoffelstock.

Genuss verspricht aber auch die Getränkekarte mit roten und weissen Bielersee-Tropfen sowie Weinen aus Italien und Spanien. Auserlesene Schnäpse stammen aus der Region. Zudem sind Kaffee, Sandwiches und «Fish and Chips» als Take-away zu haben.

Viel Gewicht legt der neue Wirt auf Freundlichkeit im Service, wohlwissend dass die Vorgänger damit keineswegs punkteten. Zuversichtlich meint er: «Im ‹Neuhüsli› soll man sich künftig wohlfühlen und sich gerne zu einem Schwatz, Jass oder Essen treffen.» Das Säli stellt er den Vereinen für Sitzungen gratis zur Verfügung. Am Angebot von warmen Gerichten nach Vereinsproben soll es nicht fehlen. Vereine und umliegende Firmen hat er persönlich zur «Antrinkete» eingeladen.

Antrinkete: Freitag, 14. Oktober ab 16 Uhr mit Musik und Imbiss. Öffnungszeiten: Mo–Fr, 7–23.30 Uhr. Sa und So geschlossen. Gesellschaften auf Anfrage.

Gastwirt Hermann Kaufmann verewigte das alte «Neuhüsli» auf einer Postkarte.

Gastwirt Hermann Kaufmann verewigte das alte «Neuhüsli» auf einer Postkarte.

zvg

Vom «Kreuz» zum «Neuhüsli»

Der Grundstein für den Bau des Restaurants Neuhüsli wird 1833 gelegt, als die neue Solothurn-Bern-Strasse vom Neuhüsli in Lohn nach Biberist gebaut wird. Die neue verkehrsgünstige Strasse steht quasi «Pate» für den Neubau des Restaurants. Johann Furrer erstellt die Wirtschaft an die neue Bernstrasse, um vor allem von der neuen Verkehrslage zu profitieren. Später gelingt es ihm, das notwendige Wirtschaftsschild «Kreuz», das im Rest. Sternen im Dorf Lohn frei wird, für das neue Restaurant zu erwerben.

Erst 1889 setzt sich der im Ortsgebrauch öfters verwendete Name «Neuhüsli» für die Wirtschaft durch und der Gasthof wird umgetauft. 1903 kauft Hermann Kaufmann aus Biberist die Wirtschaft. Eine Aufwertung der Lage erlebt der Gasthof 1916 – vor genau hundert Jahren – als die neue Bahn «Elektrische Solothurn-Bern» eingeweiht wird und der Bahnhof «Lohn-Lüterkofen» neben der Wirtschaft «Neuhüsli» zu stehen kommt. 1923 brennt der Gasthof fast vollständig nieder, und nur ein kleiner Teil kann gerettet werden. Hans Kaufmann sieht sich gezwungen, das alte Neuhüsli abzureissen und an gleicher Stelle ein neues Wohngebäude mit Wirtschaft und Scheune wieder aufzubauen. 1934 kaufte Gottfried Neuenschwander, Kondukteur aus Solothurn das Restaurant «Neuhüsli». Gottfried Neuenschwander und seine Frau wirten 29 Jahre und in zweiter Generation Mathilde und Fredy Neuenschwander 39 Jahre im «Neuhüsli». Das Restaurant ging nach dem Tod von Fredy Neuenschwander an Gottfried Neuenschwander jun. über, der nun in der Person von Jürg Burkhalter einen neuen Pächter gefunden hat. (sll)