Das Näijerehus in Hersiwil zeigt aktuell Arbeiten der Künstler Vreny Brand-Peier und Adrian Bütikofer. Während die Zeichnungen und Malereien der Künstlerin ein Querschnitt durch ihr Schaffen sind, zeigt Bütikofer Skulpturen aus den vergangenen sechs Jahren.

«Darf man es anfassen?», fragt eine Ausstellungsbesucherin Adrian Bütikofer an der Vernissage. Der Künstler aus Zürich bejaht die Frage. Seine Arbeiten darf man berühren. «Ist es Holz?», fragt die Besucherin weiter. Tatsächlich spielen Bütikofers Skulpturen mit einem «Trompe l’oeil»-Effekt bezüglich Materialität: Das Holz seiner Skulpturen ist bearbeitet und lässt sich teilweise kaum als solches erkennen.

Es sieht vielmehr aus wie Metall. Kleine, feine Objekte wirken, als wären sie aus Draht gedreht, grössere, als wären sie gegossen. In den «Figures» im Dachstock etwa ist es die sichtbare Holzmaserung, die das Auge zu täuschen versucht. Die Frage der Besucherin ist berechtigt: Ist das wirklich Holz? Man will sich vergewissern – mithilfe des Tastsinns.

Holzarbeiten im Wind

Aber auch darüber hinaus stellen die Skulpturen von Bütikofer Selbstverständliches infrage. Gesetzmässigkeiten wie die Gravitation etwa, wenn er im Garten des Näijerehus, nur an einer flexiblen Stange befestigt, über zwei Meter hohe filigrane Arbeiten aus Eschenholz, gebrannt und bemalt, in der Luft schweben lässt. Leicht und fast tänzerisch bewegen sie sich im Wind. Es waren Social Media wie Facebook und der digitale Raum des Internets, die ihn zu diesen neusten Arbeiten inspiriert haben. «Dort ist nichts stabil», sagt Bütikofer. Das wolle er hier zum Ausdruck bringen.

Auf die Fragen, die Kunst aufwirft, bezieht sich dann auch der Ausstellungsmacher Georg Schmid in seiner Ansprache und zitiert Leonard Bernstein: «Kunstwerke beantworten keine Fragen, sie verursachen sie, und ihre wesentliche Bedeutung liegt im Spannungsfeld der widersprüchlichen Antwortmöglichkeiten.» Dieses Zitat macht den Einstieg in Bütikofers Katalog «Skulpturen bewegen».

Die Unausweichlichkeit der Zeit

Die Malereien von Vreny Brand-Peier aus Sulz AG stellen ebenfalls mehr Fragen, als sie beantworten. Sie kreisen um das Thema Zeit und deren Unausweichlichkeit, folglich um die Vergänglichkeit. «Die Zeit macht keine Pause», sagt sie. Es gehe immer weiter. «Das ist keine Altersfrage, das beschäftigt einen auch mit 20», so Brand-Peier. Das Thema ist für die Künstlerin nicht neu. «Gedankengänge war der Titel einer vergangenen Ausstellung, und er schwirrt immer noch in mir herum», sagt sie.

Insofern sind auch ihre neusten Bilder ein Ausdruck ihrer Gedankenwelt. Es sind drei kleinformatige, ikonenhafte Porträts, in denen klar ein Zifferblatt zu erkennen ist: einmal um das Gesicht herum in Form von vielen kleinen Zifferblättern, ein anderes Mal ist das Zifferblatt selbst Träger eines Porträts. Als Betrachter ist man nicht sicher, ob die Künstlerin die Zeit oder einen Menschen porträtiert. Oder einen Menschen in der Zeit. Fragen, die auch die Worte in einem der drei Bilder nicht eindeutig beantworten. Dort steht in Versalien: «Portraets auf Zeit».

Strukturen wiederholen sich

Vreny Brand-Peier und Adrian Bütikofer haben sich erst beim Aufbau der Ausstellung kennen gelernt. «Adrians Arbeiten sind filigran und ausdrucksstark», sagt Brand-Peier. Ihr Gefühl anhand von Fotos im Vorfeld, dass die Skulpturen mit ihren zweidimensionalen Arbeiten harmonieren, habe sich bestätigt. Strukturen und Formen sowie deren Aufbau wiederholen sich in den Arbeiten – und während die Bilder und Skulpturen im Dachstock in Dialog miteinander treten, lassen sich die Arbeiten der beiden Künstler in den anderen Räumen eigenständig und ganz für sich betrachten.

Die Ausstellung im Näijerehus Hersiwil, Drei Höfe, ist bis 3. Juni zu sehen. Info: www.n-h.ch