Buchegg
Im MediZentrum gibt es keine Arzt-Sprechstunde mehr

Das MediZenrum schliesst die Hausarzt-Sprechstunde in Hessigkofen Ende Jahr. Rund 70 Personen wollten nun wissen, wie es mit der ärztlichen Grundversorgung weitergehen soll.

Lea Reimann
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Die Ärzte Christoph Rey (stehend) und Christoph Cina (sitzend) erklärten, warum die Sprechstunde in Hessigkofen zugeht.

Die Ärzte Christoph Rey (stehend) und Christoph Cina (sitzend) erklärten, warum die Sprechstunde in Hessigkofen zugeht.

Lea Reimann

Es wurde bereits gemunkelt, nun ist es offiziell: Sprechstunden in Hessigkofen gibt es nur noch bis Ende Jahr. Die Dependance des MediZentrums Messen (Gruppenpraxis Cina) wird aufgehoben.

Als Fredy Emch, langjähriger Arzt in Hessigkofen, 2013 in Pension ging, hat das MediZentrum Messen ein zusätzliches Angebot eingerichtet: Der Jungarzt Christoph Rey vom MediZentrum übernahm die Patienten von Fredy Emch und ermöglichte an drei Halbtagen pro Woche eine Sprechstunde in Hessigkofen.

Wieso diese nun nicht weitergeführt wird, darüber gab das Ärzteteam des MediZentrums am Samstagmorgen Auskunft. Die Idee zu dieser Infoveranstaltung entstand, nachdem der Gemeinderat aufgrund von Gerüchten das Gespräch mit dem MediZentrum gesucht hatte. Rund siebzig Personen versammelten sich im Saal des Gemeindehauses Mühledorf, weit mehr als erwartet.

Dass der Verlust der Sprechstunden in Hessigkofen von vielen bedauert wird, war in der Fragerunde deutlich spürbar. «Uns ist bewusst, dass das für einige Leute eine schlechte Nachricht ist», sagte Arzt Christoph Rey. Trotzdem habe das Abwägen der Argumente zu diesem Schluss geführt. Während die Gewohnheit und die Anfahrtswege klar für die Sprechstunden in Hessigkofen sprechen, müsse man berücksichtigen, dass der Aufwand sowohl administrativ, organisatorisch als auch finanziell viel grösser sei. Ausserdem könne im MediZentrum von Katharina und Christoph Cina eine bessere Betreuung gewährleistet werden, weil dort die gesamte Infrastruktur mit allen nötigen hochtechnologischen Geräten zur Verfügung stehe. «Hausbesuche sind weiterhin möglich», betonte Rey und auch im Notfall sei man gut bedient. Da das Ärzteteam aus fünf Personen besteht, gebe es keine Ferienschliessungen und die Praxis ist auch am Samstagmorgen und Donnerstagnachmittag geöffnet.

«Unser Bezirk sollte dankbar sein»

Während einige Anwesende ihr Bedauern äusserten und fragten, ob denn wirklich nichts mehr zu machen sei, erklärte eine Anwesende: «Unser ganzer Bezirk sollte dankbar sein, dass Katharina und Christoph Cina das so aufgegleist haben und wir überhaupt noch eine Praxis haben!» Cinas hätten sich nicht um den Fortbestand der medizinischen Versorgung kümmern müssen, sondern hätten nach ihrer Pension die Sintflut kommen lassen können. «Dass sie dies nicht getan haben, dafür gebührt ihnen ein grosses Merci!», sagte sie und erntete Beifall.

Jungärzte sollen einsteigen

Dank der Organisation des MediZentrums als Aktiengesellschaft und der Erweiterung zur grossen Gruppenpraxis soll das Problem der Nachfolge nämlich abgefangen werden können, so Christoph Cina. Momentan besitzt das Ärztepaar Cina alle Aktien, da das private Vermögen in die Erweiterung der Praxis investiert wurde. Ziel ist es nun, dass die Jungärzte nach und nach einsteigen, während die Seniorärzte ihr Pensum langsam zurückfahren.

Christoph Cina betonte: «Es geht nicht um die zehn Minuten längere Fahrzeit. Unsere grosse Sorge war, dass der Bucheggberg plötzlich überhaupt keinen Doktor mehr hätte.» Der Personalmangel sei nicht wegzudiskutieren und die Gruppenpraxis sei für viele junge Ärzte eine Lösung. Christoph Cina lieferte auch Antworten darauf, wieso man kaum noch Nachfolger für Hausärzte findet. So kollidiere der Einstieg in eine Praxis häufig mit der Familiengründung. Eine einzelne Person könne nicht mehr 24 Stunden für Patienten da sein. Die Berufsrolle wandle sich, der Kapitalbedarf sei aufgrund der Technisierung enorm, die Kompetenzen verlagern sich hin zum Spezialisten. Dazu komme die veränderte Alterspyramide.

Dass die Mobilität mit öffentlichem Verkehr im Bucheggberg eine Herausforderung darstellt, wurde ebenfalls angesprochen. Nicht nur der Rotkreuz-Fahrdienst könnte eine Lösung sein, auch Freiwillige könnten ihren Dienst leisten. Christoph Cina: «In der heutigen Gesellschaft des langen Lebens gibt es viele Pensionierte, die noch topfit sind. Auch in diesem Alter braucht man noch sinnvolle Aufgaben.»